»kfz-betrieb«-Autocheck: Fiat Panda Twinair

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Typisch für den kleinen Motor (nur 875 Kubikzentimeter) ist das schmale nutzbare Drehzahlband. Erst oberhalb von 2.000 min-1 läuft der Twin richtig rund und stellt ausreichend Drehmoment bereit; am wohlsten fühlt er sich zwischen 2.500 und 4.000 min-1. Folgt der Fahrer jedoch den Schaltempfehlungen im Display, die ihn zu niedrigeren Drehzahlen auffordern, dann schüttelt sich der Motor in seinen Lagern, als wollte er vor Wut aus dem Motorraum hüpfen.

Extrem lang übersetzte Getriebegänge

Mit seinem schmalen Drehzahlband verlangt der Antrieb eigentlich nach einem kurz gestuften Sechsganggetriebe. Aber anscheinend ist die Produktion des Motors mit seiner aufwendigen, magnethydraulischen Ventilsteuerung Multiair so teuer, dass das Geld nur noch für ein Fünfganggetriebe reicht.

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Dessen Gänge sind außerdem praxisfremd abgestuft: In den ersten beiden Stufen entspricht das Getriebe dem des Einstiegsmotors im Panda, einem 1,2-Liter-Vierzylinder mit 51 kW/70 PS. Ab dem dritten Gang fächern sich die Übersetzungen aber deutlich weiter auf als dort. Entsprechend groß sind die Drehzahlsprünge; sie zwingen den Fahrer, die Gänge viel weiter auszudrehen als bei anderen Motoren, um nach dem Schalten wieder Anschluss zu finden. Der fünfte Gang ist mit einer Übersetzung von 0,766:1 ein reiner Overdrive.

Diese Auslegung eignet sich eigentlich nur für den Prüfstand, wo Laufkultur und Beschleunigungsvermögen keine Rolle spielen. Entsprechend hervorragend sind die NEFZ-Werte des Fiat Panda Twinair: nur 4,2 Liter Benzin pro 100 Kilometer respektive 99 Gramm CO2 pro Kilometer. Damit ist er der sparsamste Benzinmotor ohne Hybrid.

Große Verbrauchsunterschiede zwischen Theorie und Praxis

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Nur bei sehr verhaltener Fahrweise war der Kleinwagen mit weniger als sieben Litern zufrieden. Im Testbetrieb, der auch zügig absolvierte Autobahnfahrten einschloss, flossen bis zu acht Liter auf 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen. Und das, obwohl die Multiair-Ventilsteuerung mit Entdrosselung und variablen Steuerzeiten eigentlich gute Voraussetzungen für Sparsamkeit mitbringt.

Der per Knopfdruck wählbare Eco-Modus ist hier auch keine Hilfe, denn er kappt das fröhliche Temperament des Motors, ohne ihm sein kapriziöses Laufverhalten nehmen zu können.

Praktische Seiten, die in dieser Klasse Vorbildcharakter haben, gibt es beim Panda natürlich auch: etwa den Tankdeckel ohne Schraubverschluss. Der Fahrer muss zum Tanken lediglich die Klappe öffnen. Sehr bequem! Die Rücksitzbank lässt sich auf Wunsch verschieben und bietet so einen variablen Innenraum. Große Fensterflächen machen das Auto übersichtlich und leicht zu parken. Ein Navigationsgerät von Tomtom lässt sich in einer fest installierten Halterung auf dem Armaturenbrett befestigen.

Insgesamt ist der Fiat Panda ein moderner Kleinwagen mit viel Charme und gutem Platzangebot. Der Motor macht bei der passenden Fahrweise richtig Spaß und zeigt einen eigenen Charakter, was in der modernen Antriebstechnik selten geworden ist. Nur schade, dass der Twinair ausgerechnet sein wichtigstes Versprechen, die Sparsamkeit, nicht einlösen kann.

Die Panda-Preise starten bei 8.990 Euro. Den Twinair-Motor gibt es ab 12.990 Euro in der gut ausgestatteten Version „Lounge“.

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