»kfz-betrieb«-Autocheck: Honda Civic – Nummer 10 spielt Ping-Pong

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Mehr Sportlichkeit kam im manuellen Modus auf, der den Fahrer die Gänge per Schaltwippen am Lenkrad wechseln lässt. Wer es wirklich sportlich mag, sollte aber auf den Civic R-Type im Herbst warten, der dann mit 320 PS anrollen soll. Genügsameren Kunden stellt Honda zudem als Einstiegsvariante einen 1-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit immer noch recht stattlichen 129 PS zur Verfügung. Gute Arbeit leisteten im neuen Civic die erstmals angebotenen adaptiven Dämpfer, die vorne und hinten wirken. Im normalen Betrieb lässt es sich so wirklich komfortabel fahren, aber auch in der Sport-Stellung ist das Fahrwerk nicht übertrieben hart ausgelegt.

Neben der recht hohen Motorisierung will Honda bei Kunden aber vor allem mit seinem Sicherheitspaket punkten. Wo andere Hersteller für technische Helfer bei den Aufpreisen ordentlich hinlangen, sind im Civic schon in der Basisausstattung ein automatischer Abstandshalter mit Verkehrszeichenerkennung, ein aktiver Spurhalteassistent mit Lenk- und Bremseneingriff, eine Berganfahrhilfe, ein Fernlichtassistent sowie ein Kollisionswarnsystem mit aktivem Bremseingriff und Fußgängererkennung enthalten. Optional gibt es noch einen Ausparkhelfer, der beim Rückwärtsfahren aus einer Parkbucht vor querendem Verkehr warnt, einen Toter-Winkel-Assistenten und die bereits empfohlene Rückfahrkamera.

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Der Ansatz, dem Kunden für wenig Geld ein stattliches Sicherheitspaket bereitzustellen, klingt gut. Allerdings sollten diese Helfer im Ernstfall natürlich auch eingreifen können. Bei unseren Testfahrten konnte zumindest der Spurhalteassistent diesen Anspruch nicht erfüllen. Das System offenbarte doch arge Schwierigkeiten, Fahrbahnmarkierungen zu erkennen und griff mehrfach erst ein, als das Auto die eigene Spur bereits deutlich verlassen hatte.

Und selbst wenn der Spurhalter die Markierungen rechtzeitig erspähte, gelang es ihm nicht, das Fahrzeug mit sanften Gegenlenkbewegungen in der Spur zu halten. Vielmehr schickte er den Civic wie einen Ping-Pong-Ball zwischen den Linien von links nach rechts und umgekehrt. Vermutlich waren die Kameras und Sensoren nicht richtig kalibriert. Das sollte einem Hersteller nicht passieren, schon gar nicht, wenn er sich mit seinem Sicherheitspaket von der Konkurrenz abheben will.

Der Verbrauch für die von uns genutzte Variante mit 182 PS liegt laut NEFZ bei 6,1 Litern, realistisch ist eine 7 vor dem Komma. Damit ist der Civic kein Langstreckenrenner, in den fast leergefahrenen Tank passten beim Auftanken nur rund 40 Liter. Einen Bleifuß sollten Fahrer also nicht haben, die deutlich über 500 Kilometer mit einem Tank schaffen wollen.

Preislich steigt der neue Civic bei 19.990 Euro ein, der vollausgestattete Testwagen wäre für 31.460 Euro zu haben gewesen. Das verdeutlicht noch einmal, dass Honda die Aufpreisspanne weitaus weniger ausreizen will als so mancher Konkurrent. Ein lobenswerter Ansatz, dem die Patzer des Spurhalteassistenten jedoch einen faden Beigeschmack verleihen. Sind Sensoren und Kameras richtig eingestellt, ist Civic Nummer 10 aber allemal eine extravagante Alternative zwischen Kompakt- und Mittelklasse.

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