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Kfz-Handel zunehmend im Visier organisierter Kriminalität

| Autor: Christoph Baeuchle

Kriminelle nutzen den Automobilhandel, um Geld zu waschen. Vor allem in Deutschland, wo die Liebe zum Bargeld groß ist. Nun nehmen die Behörden Autohäuser stärker ins Visier, der Druck auf die Branche steigt.

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Geld ist leicht zu schmuggeln: Rund 25.000 Euro passen in eine Zigarettenschachtel, 500.000 Euro in einen Cornflakes-Karton.
Geld ist leicht zu schmuggeln: Rund 25.000 Euro passen in eine Zigarettenschachtel, 500.000 Euro in einen Cornflakes-Karton.
(Bild: Bundesbank)

In Deutschland ist die Organisierte Kriminalität weit verbreitet. Allein in Nordrhein-Westfalen zählt das Landeskriminalamt 104 Clans, die in den Großstädten an Rhein und Ruhr mit illegalen und scheinbar legalen Geschäften, darunter auch im Autohandel, aktiv sind – meist mit dem Ziel, zu betrügen und Geld zu waschen, wie NRW-Innenminister Herbert Reul im Rahmen der Vorstellung des ersten Lagebilds zur Clankriminalität erläuterte.

Dabei drehen die Kriminellen ein großes Rad, wie nur wenige Kilometer weiter Europol-Experte Olivier Chainet im Rahmen der dritten Fachkonferenz „Geldwäscheprävention im Automobilhandel“ in Köln aufzeigte.

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Europol schätzt die jährlichen Erlöse aus kriminellen Aktivitäten in der Europäischen Union auf 110 Milliarden Euro. Gerade mal 1,2 Milliarden Euro beträgt die beschlagnahmte Summe – 98,9 Prozent bleiben bei den Kriminellen. Geld, das wieder in den regulären Kreislauf gebracht werden muss. Dabei nutzen sie auch den Autohandel, wie Chainet an konkreten Beispielen aufzeigte. Nicht zuletzt in Deutschland, wo der Bargeldkauf grundsätzlich noch eine große Rolle spielt.

„Deutschland ist für uns das schwarze Schaf“, so Chainet. In anderen Ländern wie den Niederlanden sei es längst normal, selbst kleine Beträge von ein bis zwei Euro elektronisch zu bezahlen. Nicht zuletzt diese Verbundenheit mit dem Bargeld führt dazu, dass die Fahnder einen kritischen Blick auf die Risikobranchen in Deutschland werfen. Dazu gehört auch das Kfz-Gewerbe.

„Autohändler haben noch eine Schonphase“, betonte Stefan Wieland, aber der Druck auf die Branche werde in nächster Zeit zunehmen. Davon sind auch die anderen Referenten der Fachtagung „Geldwäscheprävention im Automobilhandel“, die ZDK und TAK gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Geldwäscheprävention veranstaltet haben, überzeugt.

Um Strafen zu vermeiden, sollten Autohäuser und Werkstätten die gesetzlichen Vorgaben beachten. Innungsbetrieben hilft dabei das 70-seitige ZDK-Merkblatt „Bekämpfung von Geldwäsche“. Zudem bietet die TAK verschiedene Präsenz- und Onlineseminare zur Geldwäscheprävention an.

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