Kfz-Manufaktur Luli’Co: Von null auf 1.800 Kunden

Overather Betrieb erreicht mit Kundenorientierung den 10. Platz beim Deutschen Werkstattpreis

| Autor: Konrad Wenz

Inhaber und Geschäftsführer Vlorim Sekiraqa hat seine Kfz-Manufaktur quasi als Start-up aufgebaut.
Inhaber und Geschäftsführer Vlorim Sekiraqa hat seine Kfz-Manufaktur quasi als Start-up aufgebaut. (Bild: Wenz)

Die Frage, was die freie Werkstatt „Kfz-Manufaktur Luli’Co“ charakterisiert, ist schnell beantwortet: absolute Kundenorientierung, maximale Flexibilität und immer freundliches Personal. Inhaber und Geschäftsführer Vlorim Sekiraqa sind diese Punkte besonders wichtig: „Mit der Kundenorientierung und -nähe erreichen wir, dass unsere Kunden sehr zufrieden sind und wiederkommen.“ Die Flexibilität sorge dafür, dass man keinen Kunden wegschicken müsse. „Dass unsere Kunden freundlich empfangen und behandelt werden, ist einfach ein Muss“, führt Sekiraqa aus. Es gebe keinen Grund, zu einem Kunden unfreundlich zu werden, ist der Kfz-Meister überzeugt.

Diese Einstellung kommt nicht von ungefähr. Wollte man den Werdegang von Sekiraqa ganz kurz beschreiben, könnte man vielleicht sagen: „Von der Bremsbacke zum Steak und zurück.“ Der gebürtige Albaner, der sich selbst als leidenschaftlichen Schrauber bezeichnet, hatte schon als Kind den Traum, einmal eine eigene Werkstatt zu besitzen. So lag es nahe, dass er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolvierte, an die er knapp ein Jahr später die Meisterschule dranhängte. Der Ehrgeiz, den Sprung in die Selbstständigkeit zu schaffen, kam ihm dabei nie abhanden. Doch Sekiraqa war klar, dass dies auf Basis einer Ausbildungsvergütung oder eines Gesellenlohns nicht zu schaffen war. Deshalb jobbte er schon während seiner Ausbildung nebenbei – nicht etwa schwarz an Autos, wie man hätte erwarten können, sondern vielmehr im griechischen Restaurant El Greco in Overath.

Gute Grundlage

Und hier wurde ihm der nahe und immer freundliche Umgang mit den Kunden zu eigen. Denn wenn sich Freundlichkeit irgendwo auszahlt, dann in der Gastronomie. Zeitgleich mit dem Abschluss der Meisterschule im Jahr 2007 hatte er die Gelegenheit, das Restaurant zu übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt wusste der junge Meister: Die eigene, mit vernünftigem Equipment ausgestattete Werkstatt konnte er sich noch nicht leisten. Aber die Finanzierung eines Restaurants traute er sich zu. In seiner freundlichen und mitreißenden Art schaffte es Sekiraqa, seinen Banker von seinen Plänen zu überzeugen und die Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Im Laufe der folgenden Jahre wurden aus dem einen Restaurant fünf – El Creco hatte sich im Umfeld von Overath zur Restaurantkette entwickelt. Der Unternehmer verlor während dieser Zeit nie sein ursprüngliches Ziel – die eigene Kfz-Werkstatt – aus den Augen. Doch eines wollte Sekiraqa nicht: eine Hinterhofwerkstatt. Für ihn war immer klar, wenn Werkstatt, dann nur mit einem ansprechenden Gebäude und einer Ausstattung, die es erlaubt, alle Kundenwünsche zu erfüllen. „Ich wollte eine Werkstatt, in der ich alles anbieten kann, vom Service über die Karosseriereparatur bis hin zur Lackierung“, führt Sekiraqa aus. Er entschied sich, solange einem anderen Job nachzugehen, bis er den Werkstatttraum mit einem gesunden Anteil an Eigenkapital finanzieren könnte.

Deutscher Werkstattpreis 2016: Topmoderne Servicebetriebe

Im Jahr 2014 ergab sich dazu eine Gelegenheit: Eine leerstehende Halle, die man zur Werkstatt umfunktionieren konnte, stand zur Verpachtung. Sekiraqa verkaufte drei seiner Restaurants und sprach erneut mit seinem Banker – mit Erfolg: 2015 feierte die Kfz-Manufaktur Luli’Co ihre Eröffnung.

Harter Wettbewerb

Zu seinem Namen kam das Unternehmen durch einen Spitznamen, den man dem Albaner schon zu Kindheitszeiten verpasst hatte. „Bei den Albanern bezeichnet man Menschen, die besonders wissbegierig und oder klein sind, als Luli. Da habe ich ein Co angehängt für meine Mitarbeiter und schon gab es den Namen Luli’Co“, berichtet Sekiraqa. Dass in dem eher beschaulichen Overath östlich von Köln schon alle Marken und eine Handvoll freier Werkstätten vertreten waren, schreckte Sekiraqa nicht ab: „Die Dichte an Autohäusern und Werkstätten hätten mich eigentlich ängstlich werden lassen müssen. Aber ich war überzeugt, dass man in diesem Markt noch gut Fuß fassen kann.“

Sein Unternehmen wuchs schnell in Overath. Dazu trug einerseits sein hoher Bekanntheitsgrad bei, den er sich in den Jahren zuvor in seinen Restaurants erarbeitet hatte. Zusätzlich kam ihm auch das Komplettangebot zugute, dass er seinen Kunden nach wie vor offeriert. Luli’Co nimmt jeden Auftrag an – der Wille des Kunden entscheidet.

Das gilt auch für Termine: rund 50 Prozent aller Kunden kommen ohne einen Termin zu ihm in die Werkstatt. Das schafft das Unternehmen nur durch eine besonders ausgeprägte Flexibilität, die die Kunden gerne annehmen – innerhalb eines Jahres befanden sich über 1.800 Namen und Adressen in der Firmenkartei. Sekiraqa garantiert seinen Kunden, dass sie nicht lange warten müssen. Kommt beispielsweise jemand unangemeldet zum Reifenwechsel, wartet er maximal 45 Minuten, bis er den Hof wieder verlassen kann. Diese Flexibilität verlangt den Mitarbeitern einiges ab und führt immer mal wieder zu Spitzen in der Werkstattauslastung. Aber der anhaltende Erfolg der freien Werkstatt bestätigt, dass die Kunden genau das wollen.

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