Der EV5 füllt Kias Stromer-Lücke zwischen dem recht neuen EV3 und den deutlich größeren EV6 und EV9. Er setzt auf kantiges Design und viel Platz, verzichtet aber auf die superschnelle Ladetechnik der großen Brüder.
Die Preise starten bei 46.000 Euro.
(Bild: Kia)
Während Kia mit dem großen EV9 und dem dynamischen EV6 bereits zwei Ausrufezeichen im jeweiligen Segment der Elektrofahrzeuge gesetzt hat, klaffte in der volumenstarken SUV-Kompaktklasse eine Lücke. Diese schließt nun der EV5, der sich als elektrische Alternative zum Verbrenner-Bestseller Sportage positioniert.
Optisch macht der 4,61 Meter lange Koreaner keinen Hehl aus seiner Verwandtschaft zum wuchtigen EV9. Mit rund 2,13 Meter Breite und 1,68 Meter Höhe steht er satt auf der Straße, wobei die kantige Silhouette und die markante D-Säule bewusst Robustheit signalisieren sollen. Die Star Map getaufte Lichtsignatur an Front und Heck unterstreicht den futuristischen Anspruch: Das Erscheinungsbild der Tagfahrlichter und Rückleuchten ist dabei visuell an die Darstellung von Sternbildern angelehnt – ohne dabei ins Verspielte abzugleiten.
Doch anders als die Plattform-Brüder EV6 und EV9, die mit ihrer 800-Volt-Architektur Ladepausen auf Kaffeestopp-Niveau drücken, muss sich der EV5 mit 400 Volt begnügen. Er nutzt zwar ebenfalls die Plattform E-GMP (Electric Global Modular Platform), ist technisch jedoch etwas abgerüstet – ganz offensichtlich, um einen ausreichenden Preisabstand nach oben wahren zu können. An der Ladesäule bedeutet das: Statt rekordverdächtiger 18 Minuten vergehen 30 Minuten, um den 81,4-kWh-Akku von 10 auf 80 Prozent zu füllen. Die maximale Ladeleistung liegt bei 150 kW. Das ist für den Alltag zwar ausreichend und klassenüblich, nimmt dem EV5 aber eines der stärksten Verkaufsargumente, die Kias Top-Stromer auszeichnen.
Allradkäufer müssen sich gedulden
Zum Marktstart schickt Kia den EV5 als reinen Fronttriebler ins Rennen. Sein Elektromotor leistet 160 kW/218 PS und stellt ein Drehmoment von 295 Newtonmetern bereit. Damit sprintet der immerhin rund 2,1 Tonnen schwere SUV in 8,4 Sekunden auf Tempo 100. Bei 165 km/h regelt die Elektronik ab. Die WLTP-Reichweite liegt – abhängig von Ausstattung und Radgröße – bei bis zu 530 Kilometern. Wer Allradantrieb oder mehr Leistung sucht, muss sich noch gedulden; weitere Varianten sollen im Laufe des Jahres folgen. Wie etwa der EV 5 GT, der dank zwei Motoren über Allradantrieb verfügt und 225 kW/306 PS leistet.
Auf der Motor Show in Brüssel hat Kia einen Ausblick auf die GT-Variante des EV5 gegeben.
(Bild: Kia)
Auf der Straße zeigt der EV5 einen betont unaufgeregten Charakter. Anders als der straff abgestimmte EV6 ist der Fünfer mehr ein Gleiter. Das Fahrwerk bügelt Unebenheiten souverän weg. Dennoch lassen sich kurvige Bergstraßen überraschend dynamisch fahren. Dabei kommt der Frontantrieb bei vollem Fahrpedal-Einsatz gelegentlich an seine Traktionsgrenzen, regelt die Leistung aber sanft weg. Die Rekuperation lässt sich über Wippen am Lenkrad in drei Stufen justieren oder ganz abschalten. Ein komfortables One-Pedal-Driving im Stadtverkehr – also das Beschleunigen und Bremsen nur mit dem Fahrpedal – ist in der höchsten Stufe leider nicht möglich, weil der EV5 ohne Bremspedaleinsatz nicht bis zum Stillstand verzögert.
Platz wie im Wohnzimmer
Seine wahren Stärken spielt der Stromer im Innenraum aus. Dank des langen Radstands von 2,75 Metern sitzen auch großgewachsene Passagiere im Fond luftig. Der Kofferraum schluckt 566 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rücksitze auf bis zu 1.650 Liter erweitern. Dabei entsteht eine ebene Ladefläche von zwei Metern Länge, die Kia sogar als möglichen Schlafplatz anpreist. Ein kleiner Frunk unter der vorderen Haube bietet mit gut 44 Litern zumindest Platz für das Ladekabel. Das Cockpit selbst wirkt aufgeräumt und modern, dominiert vom mittlerweile obligatorischen Panoramadisplay, das Kombiinstrument und Infotainment verbindet. Die Materialauswahl ist solide, wobei im unteren Bereich auch harter Kunststoff zum Einsatz kommt – hier zeigt sich der Respektabstand zum EV9.
Kia bietet den EV5 in drei aufeinander aufbauenden Ausstattungslinien an, die sich deutlich im Komfortniveau unterscheiden. Das Basismodell Air (ab 45.990 Euro) steht auf 18-Zoll-Felgen und bringt das Nötigste mit. Navigation, Zweizonen-Klimaautomatik und eine Rückfahrkamera sind jedoch immer an Bord. Auch der Autobahnassistent ist Serie. Interessanter wird es ab der Version Earth (ab 48.990 Euro). Hier sind die beliebte V2L-Funktion (Vehicle-to-Load), mit der sich externe Geräte wie E-Bikes laden lassen, sowie eine Wärmepumpe enthalten. Zudem gibt es elektrische Sitze und eine sensorgesteuerte Heckklappe. Die von uns gefahrene Topversion GT-Line (ab 51.990 Euro) setzt auf optische Sportlichkeit mit schwarzen Akzenten und 19-Zoll-Rädern. Technisch bietet sie vor allem Luxus-Features wie Massagesitze für den Fahrer und ein Harman/Kardon-Soundsystem.
Stand: 08.12.2025
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Neue Warntöne – aber der Tempomat bimmelt noch immer
Das Infotainmentsystem CCNC (Connected Car Navigation Cockpit) arbeitet flüssig und verfügt nun auch über einen KI-Sprachassistenten, der unter anderem bei der Routenplanung helfen soll. Ein Detail, das Kia besonders hervorhebt, ist die neue Klangkulisse: Die Warntöne der zahlreichen Assistenzsysteme sollen nun weniger nervtötend klingen. Der intelligente Geschwindigkeitsassistent bimmelt jedoch bei jedem neuen Geschwindigkeitsschild, selbst wenn er durch langes Drücken der Lautstärkewalze am Lenkrad längst abgeschaltet wurde.
Praktisch für Camper und Handwerker: Der EV5 darf gebremste Anhänger mit einer Masse von bis zu 1.200 Kilogramm ziehen. In Kombination mit der V2L-Steckdose im Kofferraum oder per Adapter am Ladeport macht ihn das zum vielseitigen Begleiter für Outdoor-Aktivitäten und Arbeiten. So etwa mit E-Bikes oder Elektro-Werkzeugen im Schlepptau, denen er als Stromquelle dienen kann.
Unterm Strich liefert Kia mit dem EV5 ein solides, geräumiges Auto ab, das vor allem durch seinen Nutzwert und das markante Design punktet. Die Entscheidung für die 400-Volt-Technik mag aus Kostengründen nachvollziehbar sein, raubt dem Modell aber ein technologische Alleinstellungsmerkmal im hart umkämpften Segment der elektrischen Kompakt-SUV. Mit Preisen ab knapp 46.000 Euro ist er kein Schnäppchen, liegt aber auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Kias Sieben-Jahres-Garantie ist auch bei ihm ein starkes Kaufargument.