Kräftiger Aderlass der britischen Automobilindustrie

Autor: Christoph Baeuchle

Die Hoffnungen, das Honda-Werk im britischen Swindon zu erhalten, sind endgültig passé. Davon betroffen sind 3.500 Arbeitsplätze. Aber auch andere Hersteller setzen stark den Rotstift an.

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Die Reihen der britischen Automobilindustrie lichten sich.
Die Reihen der britischen Automobilindustrie lichten sich.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Der Druck auf die britische Automobilindustrie nimmt zu. Wirtschaftliche und politische Herausforderungen machen den Herstellern zunehmend zu schaffen. Nun hat der japanische Hersteller Honda erneut bestätigt, seine Produktion in Swindon bis 2021 einzustellen.

Die Schließung sei Teil einer weltweiten Strategie, die Honda als Antwort auf die Änderungen der Branche eingeschlagen habe, begründet der japanische Hersteller sein Vorgehen. Dazu gehört es, Ressourcen und Produktion von Elektroautos in die Märkte zu verlagern, in den es hohe Potenziale gibt.

Damit endet die Ära der japanischen Marke als Hersteller auf der Insel. Derzeit produziert Honda in Swindon noch rund 160.000 Einheiten des Civic, dessen Lebenszyklus 2021 ausläuft. Das Werk mit seinen Kapazitäten von rund 250.000 Einheiten ist damit nur schlecht ausgelastet.

Medienberichten zu Folge hatte die britische Regierung noch bis zuletzt gehofft, dass sich Honda für eine andere Lösung entscheiden könnte. Auch wenn Honda mit keinem Wort die mittlerweile jahrelange Verunsicherung durch den Brexit und seinen Ausgang erwähnt, dürfte er wohl deutlich dazu beigetragen haben. Es ist ein weiterer Rückschlag für die britische Wirtschaft und Politik.

Tausende Stellen fallen bei Jaguar Land Rover weg

Davon gab es in jüngster Zeit einige: Noch mehr Arbeitsplätze als bei Honda kostet die Strategie der britischen Traditionsmarken Jaguar Land Rover, die mittlerweile zum indischen Tata-Konzern gehören. Anfang des Jahres kündigte der Hersteller an, 4.500 Stellen zu streichen. Die meisten davon in Großbritannien. Im Jahr zuvor hatte JLR bereits 1.500 Arbeitsplätze abgebaut. Davor beschäftigten die beiden britischen Traditionsmarken in Großbritannien rund 40.000 Menschen.

Das nach Jahren der roten Zahlen von Ford aufgelegte milliardenschwere Sparprogramm trifft auch die britische Automobilindustrie. In einem ersten Schritt sollen bis zu 650 Stellen abgebaut werden. Im März haben die Mitarbeiter Angebote erhalten. Medienberichten zufolge will die verlustreiche Europa-Tochter der amerikanischen Marken in Großbritannien bis zu 1.000 Stellen streichen. Allerdings sind andere Länder, wie zum Beispiel Deutschland, von den Sparplänen deutlich stärker betroffen.

Auch der Nissan-Konzern will der britischen Insel wenigstens zum Teil den Rücken kehren. So möchte die Marke die nächste Generation des SUV-Modells X-Trail künftig nicht mehr in Sunderland bauen.

Nissan zieht Produktion ab

Nicht der einzige Aderlass von Nissans größter europäischer Produktionsanlage, wo 7.000 Mitarbeiter im vergangenen Jahr mehr als 442.000 Fahrzeuge produzierten. Noch schneller will sich Infiniti aus dem Werk zurückziehen. In Sunderland baut die Nissan-Edelmarke den für den europäischen Markt entwickelten Q30 und QX30.

Beide sind hier nie angekommen. Mit dem von Infiniti jüngst verkündeten Rückzug aus Westeuropa endet im nächsten Jahr auch die Produktion der beiden Modelle in Sunderland. Wie viele Mitarbeiter von Produktionskürzungen betroffen sind, hat Nissan bislang nicht mitgeteilt.

Auch die einstige britische Ikone MG, die mittlerweile zum chinesischen SAIC-Konzern gehört, streicht Arbeitsplätze. Ende vergangener Woche sickerten Zahlen durch: Demnach sollen von den rund 300 Arbeitsplätzen in den Bereichen Design und Forschung rund 140 Vollzeitstellen wegfallen. Zudem stehen wohl weitere 90 Arbeitsplätze mit Werksverträgen zu Disposition.

Der Stellenabbau zahlreicher Hersteller dürfte noch nicht zu Ende sein. Nachdem die britische Pkw-Produktion im vergangenen Jahr um knapp zehn Prozent auf gut 1,5 Millionen Einheiten zurückging, setzt sich das Minus zum Jahresbeginn fort. Im ersten Quartal produzierten die Hersteller lediglich knapp 441.000 Einheiten, 16 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

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