KÜS: Kalibrierung – eine harte Nuss

Eichung bei AU-Geräten soll entfallen

| Autor: Steffen Dominsky

Die Kalibrierung von HU-Prüfmitteln hält die KÜS momentan auf Trab.
Die Kalibrierung von HU-Prüfmitteln hält die KÜS momentan auf Trab. (Bild: KÜS)

„Wir messen hier mit einer chirurgischen Genauigkeit“, verdeutlichte KÜS-Geschäftsführer Peter Schuler auf der IAA 2019 die aktuellen Anforderungen an Prüfer und Werkstattmittarbeiter. Und meinte damit beispielsweise nicht nur jene Exaktheit, die im Rahmen der Kalibrierung von Scheinwerferprüfplätzen gefordert wird, die im Zuge der Hauptuntersuchung genutzt werden. Sondern gerade auch die, die seit Kurzem im Zusammenhang mit Abgasprüfgeräten verlangt wird. Denn hier kommt es aufgrund der bestehenden Eichpflicht der AU-Tester – wie bekannt –, zu einer „Doppelprüfung“, also Eichung plus Kalibrierung. Dieses „Doppelgemoppel“ sei weder notwendig noch einem Normaldenkenden vermittelbar, kritisierte Schuler den Gesetzgeber.

Ruben Gauer, Geschäftsführer der DIQ Zert GmbH – dem Kalibrierdienstleister und -Partner der KÜS –, schilderte in dem Zusammenhang die Herausforderungen, mit denen sich sein Unternehmen konfrontiert sieht, aber auch andere Kalibrierer. So benötigt man zum Kalibrieren von Abgastestern vier unterschiedliche Prüfgase (im Fall Benzin-Tester) bzw. vier unterschiedliche Prüffilter (im Fall Diesel-Tester). Das sei zum einen ein hoher logistischer, aber auch finanzieller Aufwand für den Dienstleister, sagte Gauer in Frankfurt. Ganz davon abgesehen, dass es bei diesen Prüfmitteln auch noch Lieferschwierigkeiten seitens der Hersteller gibt.

IAA 2019: Studien und Premieren gegen die Depression

Mit Blick auf die 2021 bevorstehende Einführung der Partikelzählung im Rahmen der AU/HU erklärte der DIQ-Zert-Geschäftsführer, dass ein Prüfgerät, mit dem diese Partikelzähler kalibriert werden können/müssen, eine mindestens zehnmal höhere Genauigkeit aufweisen müsse als die Geräte selbst. Solch ein „High-End-Partikelzähler“ koste einen mittleren fünfstelligen Betrag. Diesen und alle anderen Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Kalibrierung in Zusammenhang stehen, müssten Kfz-Betriebe bzw. Prüforganisationen am Ende zwangsläufig an die Fahrzeughalter weiter geben, so Peter Schuler.

Ebenfalls als „herausfordend“ bezeichnete Thomas Auer, Leiter IT bei der KÜS, die Zukunft des autonomen Fahrens. Gerade der Schritt von Level 2 auf Level 3 sei mit erheblichem technischen Aufwand verbunden. Vor allem aber ginge er mit einer Übertragung der Verantwortung vom Autofahrer auf den Fahrzeughersteller einher. Die bei solchen Fahrzeugen notwendigen bzw. entstehenden Daten reklamieren die Hersteller für sich. Sie würden zwar anderen Markteilnehmern auch Zugriff auf diese gewähren, allerdings nur inhaltlich und zeitlich eingeschränkt.

Daten: Zugang und Schutz gefordert

Die KÜS als Prüforganisation fordert deshalb zum einen uneingeschränkten Zugang zu diesen Daten und zum anderen einen qualifizierten Schutz derselben. Außerdem sei eine Standardisierung zwingend notwendig. „Ein Lösungsansatz für den Zugang zu diesen Daten wäre ein sogenanntes Trust-Center. Von dieser neutralen Stelle könnte wir dann die Daten beziehen, die wir für eine ‚echte‘ und qualifizierte Prüfung moderner elektronischer Fahrzeugsysteme benötigen“, forderte Auer anlässlich der IAA.

Ein durchweg positives Resümee zog die KÜS hingegen mit Blick auf die Liberalisierung des Fahrzeugprüfwesens und den Fall eines langjährigen Monopols. Trotz der erst seit Kurzem bestehenden Möglichkeit für KÜS-Partner, nun auch Änderungsabnahmen gemäß §21 StVZO durchführen zu dürfen, stoße das Angebot bereits auf rege Nachfrage. „Hier zahle es sich aus, dass man bereits vor gut neun Jahren begann habe, einen eigenen technischen Dienst aufzubauen“, erklärte KÜS-Geschäftsführer Peter Schuler. Von diesem profitieren nunmehr alle: vom Sachverständigen-Partner bis zum Fahrzeughalter.

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