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KuNiFer-Bremsleitungen: Endlich erlaubt

| Autor: Steffen Dominsky

Vor allem in Oldiekreisen sind Bremsleitungen auf Kupfer-Nickel-Basis beliebt. Doch 25 Jahre lang waren sie offiziell verboten. Nun hat die GTÜ beim KBA erfolgreich eine Zulassung für KuNiFer-Austauschbremsleitungen erhalten.

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Seit Kurzem gibt es nun KuNiFer-Bremsleitungen endlich mit einer ABE.
Seit Kurzem gibt es nun KuNiFer-Bremsleitungen endlich mit einer ABE.
(Bild: GTÜ)

Das Leben besteht ja bekanntlich nicht immer aus Schwarz bzw. Weiß. Vielmehr sind es die vielzitierten Grauzonen, die zu unserem Alltag gehören – auch dem von Kfz-Werkstätten und Sachverständigenorganisationen. Ein gutes Beispiel dafür, gerade im Hinblick auf das Thema Young- und Oldtimer, ist das Thema „Austausch von Bremsleitungen“. Aus diversen Gründen kommen hier neben den gebräuchlichen – und ab Werk fast ausschließlich verbauten – Leitungen aus Stahl gerne auch solche aus dem Werkstoff KuNiFer zum Einsatz. Hinter der Abkürzung verbergen sich die Zutaten Kupfer, Nickel und Ferrum, also Eisen/Stahl. Dabei sorgen die ersteren beiden nicht nur dafür, dass sich Bremsleitungen aus KuNiFer angenehmer biegen und bördeln lassen als ihre Pendants aus blankem Stahl, sie sorgen vor allem für eine lebenslange Rostfreiheit.

Doch die vermeintlich heile Materialwelt hatte bis dato einen gravierenden Haken: Meist fanden die Leitungen aus besagten Material im Rahmen der Hauptuntersuchung keine Gnade vor dem jeweiligen Prüfer. Einzelne Prüfer jedoch tolerierten die in Oldiekreisen beliebten Leitungen. Manche aber nur, wenn sämtliche Leitungen eines Fahrzeugs aus dem Material bestanden – ein Teilersatz war nicht möglich. Verkäufer von KuNiFer-Produkten verwiesen auf irgendwelche Prüfnormen ihrer Rohre, was aber bestenfalls Augenwischerei war. Die ganze Schlamassel in der Angelegenheit führte auch ein ausführlicher und preisgekrönter Fachbeitrag in »kfz-betrieb« vor gut zwei Jahren vor Augen. Dieser sorgte für heftige Reaktionen in der Branche.

Seit 1994 nicht mehr offiziell erlaubt

Doch am 8. September war es nun so weit: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat die Allgemeine Betriebserlaubnis „61429 für Kupfer-Nickel-Austauschbremsleitungen (KuNiFer-Bremsleitungen)“ des dänischen Herstellers OJD Automotive ApS erteilt. Ermöglicht hat das eine Projektarbeit des Technischen Dienstes der GTÜ. Es ist die erste ABE dieser Art. Der Zulassung ging laut der Prüforganisation eine Grundlagenarbeit mit einer langen Reihe von Tests in Prüflaboren sowie eine Bachelorarbeit voraus. Danach stand fest, dass von den OJD-Bremsleitungen nicht die 1994 beschriebene Gefahr ausgeht.

Damals hatten Prüfungen ergeben, dass beim Umformen der Kupfer-Nickel-Bremsleitungen (insbesondere beim Biegen in engen Radien) Versprödungen auftreten können, was wiederum zu einem Bruchrisiko führen kann. Daraufhin waren Austauschbremsleitungen aus der Legierung für die Verwendung im Bereich der StVZO nicht vorschriftsmäßig – mit Ausnahme jener Fälle, in denen gleiche Leitungen auch serienmäßig vom Fahrzeughersteller verwendet werden.

70 Tage mit 150 bar Druck beaufschlagt

Die positiven Ergebnisse der ersten Tests waren laut GTÜ der Startschuss für eine intensive Gremienarbeit: Die Technischen Leiter der GTÜ und der Leiter Technischer Dienst nahmen den Dialog mit sämtlichen Gremien in Deutschland auf, die für den sicheren Betrieb von Fahrzeugen im Bereich der StVZO zuständig sind. Dabei konnte die Prüforganisation die Fachwelt davon überzeugen, dass der Wissensstand aus den Neunzigerjahren überholt ist. Schließlich stimmte 2017 der Bund-Länder-Fachausschuss Technisches Kraftfahrwesen (BLFA TK) zu, dass eine ABE für diese Bauart von Bremsleitungen erstellt werden kann.

Für die Erstellung der ABE waren wiederum zahlreiche Einzelprüfungen über mehrere Monate hinweg notwendig. Allein die Druckprüfung der Leitungen dauerte 70 Tage, weil hier über eine Million Mal ein Druck von mindestens 150 bar aufgebaut werden musste. Dann lag der abschließende Prüfbericht vor, der Entwurf der ABE wurde erstellt und beim Kraftfahrt-Bundesamt eingereicht.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group