Langzeitmiete ergänzt das Handelsgeschäft

Autor / Redakteur: Das Gespräch führte Joachim von Maltzan / Joachim von Maltzan

Euromobil sieht in der langfristigen Autovermietung ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld. Das Thema sollte auch der Handel besetzen.

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Dr. Frank Woesthoff, Geschäftsführer Euromobil Autovermietung GmbH, will mit zusätzlichen großen Vermietstationen das Autovermietgeschäft ausweiten.
Dr. Frank Woesthoff, Geschäftsführer Euromobil Autovermietung GmbH, will mit zusätzlichen großen Vermietstationen das Autovermietgeschäft ausweiten.
(Foto: Euromobil)

Redaktion: Die Langzeitmietverträge nehmen stetig zu. Viele gewerbliche Kunden nutzen zunehmend dieses Instrument. Worauf ist dies Ihrer Meinung nach zurückzuführen?

Dr. Frank Woesthoff: Alles in allem ist die steigende Nachfrage nach Langzeitmietangeboten dem Wunsch und der Notwendigkeit nach mehr Flexibilität im Fuhrparkmanagement geschuldet. Besonders in Branchen mit saisonalen Auftragsschwankungen oder projektbezogener Arbeit hilft die Langzeitmiete dabei, den Fahrzeugbestand nicht unnötig für drei oder vier Jahre aufbauen zu müssen. Das Gleiche gilt für Mitarbeiter in der Probezeit. Die Automiete ist also immer dann sinnvoll, wenn der Mobilitätsbedarf nicht planbar ist.

Welchen Vorteil hat diese Form der Miete?

Die Pluspunkte der Langzeitmiete liegen auf der Hand: Sicherstellung kurzfristiger Mobilität bei gleichzeitiger Kostenminimierung. Mit einer Laufzeit zwischen einem und zwölf Monaten bietet die Langzeitmiete mehr Flexibilität für kurzfristige Mobilitätsbedarfe. So kann der Fuhrparkleiter schnell über die Fahrzeuge verfügen, sie aber auch bei sich verändernden Marktbedingungen jederzeit ohne Zusatzkosten zurückgeben. Der Mindestmietzeitraum beträgt hier lediglich einen Monat.

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Welche Auswirkungen hat das auf das traditionelle Geschäftsmodell des Automobilhandels? Bedroht es die gewachsenen Beziehungen zu den gewerblichen Kunden, insbesondere im Leasingbereich?

Aus meiner Sicht ist das traditionelle Geschäft nicht bedroht. Im Gegenteil: Langzeitmiete und Leasing dürfen nicht als Konkurrenz zueinander gesehen werden. Vielmehr ergänzen sich beide Beschaffungsformen gegenseitig. Denn während Leasing generell auf längere Laufzeiten von durchschnittlich circa drei Jahren ausgerichtet ist, sind Langzeitmietverträge nur bis zu einem Jahr möglich. Für die Sicherstellung langfristiger betrieblicher Mobilität, die im Regelfall planbar ist, ist deshalb das Leasinggeschäft unverzichtbar.

Wie stellt sich Euromobil auf das neue Geschäftsfeld ein?

Durch das Langzeitmietangebot sind wir aber nun in der Lage, den Kunden aus einer Hand zu bedienen und so die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Ein Beispiel: Wenn der Leasingvertrag für ein Fahrzeug ausläuft und die Markteinführung des aktuellen Modells noch zwei, drei Monate dauert, lässt sich dieser Zeitraum sehr gut mit der Langzeitmiete überbrücken. Und das Beste: Der Kunde ist für das Autohaus nicht verloren, sondern kommt immer wieder. Ein Beispiel ist unsere aktuelle Überbrückungsaktion für den anstehenden Modellwechsel beim Passat, mit dem wir die Kunden, deren Leasingverträge in diesem Herbst auslaufen, bis zur Auslieferung des neuen Fahrzeugs mobil halten.

Wie sollten Ihrer Meinung nach die Händler strategisch mit dem Thema Autovermietung umgehen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich durch die professionelle Autovermietung im Autohaus für unsere Händlerpartner ein lukratives Geschäftsmodell auftut. Laut einer Studie des Instituts für Automobilwirtschaft können Autohäuser durch das Ersatzwagen- und Vermietgeschäft jährliche Deckungsbeiträge von mehr als 1.200 Euro pro Fahrzeug generieren – gemessen am Umsatz. Angesichts eines zunehmend härteren Wettbewerbsumfelds beim Neuwagenverkauf sowie sinkender Kundenloyalität lassen sich somit neue Perspektiven für die Profitabilität des eigenen Kerngeschäfts erschließen.

Tritt der Händler damit nicht in Konkurrenz zu seinem eigentlichen Neuwagengeschäft?

Durch die Vermietfahrzeuge hat der Händler die Möglichkeit, seine Kunden schnell und einfach von den neuesten Modellen zu überzeugen. Der Clou: Durch die Wahl einer geeigneten Ausstattungskombination kann er zudem seine Vermietfahrzeuge gleich im Hinblick auf die Erfordernisse seines Gebrauchtwagengeschäfts zusammenstellen. So lässt sich weiteres Ertragspotenzial erschließen. Insgesamt erfordert das Vermietgeschäft aber einen professionellen Umgang im Autohaus – besonders abseits des klassischen Werkstattersatzgeschäfts. Geschultes Personal muss dabei das Profil des Autohauses in Richtung eines Mobilitätsdienstleisters schärfen.

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