Mehr Neuzulassungen in Europa: Deutsche Konzerne profitieren

Markt mit starkem Schlussspurt

| Autor: dpa/cs

Kurz vor Schluss drehte der europäische Automarkt 2019 noch ins Plus.
Kurz vor Schluss drehte der europäische Automarkt 2019 noch ins Plus. (Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Ein kräftiges Plus bei den Pkw-Neuzulassungen im Dezember hat in der EU für eine positive Jahresbilanz gesorgt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt gut 15,3 Millionen Personenwagen zugelassen und damit 1,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie der europäische Herstellerverband Acea am Donnerstag in Brüssel mitteilte. Dafür sorgte vor allem das Plus von 21,7 Prozent auf 1,22 Millionen Neuzulassungen im Dezember. Bis November waren weniger Autos angemeldet worden als ein Jahr zuvor.

Der starke Schlussspurt lag vor allem am vergleichsweise schwachen Vorjahresmonat, der deutlich von der Einführung neuer Abgas- und Verbrauchstests (WLTP) beeinträchtigt war. Viele Autohersteller waren damals schlecht vorbereitet und konnten zahlreiche Modelle nicht mehr liefern.

Eine weitere wichtige Rolle dürften taktisch vorgezogene Zulassungen gespielt haben: Seit dem Jahreswechsel gelten neue CO2-Richtlinien in der EU. Hersteller müssen dadurch stärker auf ihren Flottenverbrauch achten, da sonst hohe Strafzahlungen drohen. Fahrzeuge mit schlechter CO2-Bilanz dürften sie deshalb zahlreich noch im vergangenen Jahr auf die eigenen Organisation zugelassen haben.

Peter Fuß, Autoexperte der Unternehmensberatung EY sagte dazu: „Im Vorfeld dieser neuen Regeln haben die Hersteller im großen Stil Neuzulassungen gerade im SUV- und Geländewagen-Segment vorgezogen, damit diese Fahrzeuge nicht ab Januar ihre CO2-Bilanz belasten.“

Deutschland als größter EU-Automarkt wies 2019 bei den Neuzulassungen ein Plus von fünf Prozent auf, in Frankreich und besonders in Italien gab es schwächere Zuwächse. Im Vereinigten Königreich gingen die Zulassungen dagegen um 2,4 Prozent zurück. Der Markt steht unter dem Eindruck des bevorstehenden Brexit und litt lange unter der Unsicherheit rund um Austrittstermin und -modalitäten. Spanien schnitt allerdings mit einem Minus von 4,8 Prozent noch schwächer ab.

Spürbar gestiegen ist im vergangenen Jahr die Nachfrage nach Elektroautos. Deren Neuzulassungen legten in den fünf größten Märkten um 75 Prozent zu. Zu kämpfen hatten dagegen auch 2019 Diesel-Modelle. In 21 von 24 EU-Ländern war der Diesel-Absatz in den ersten drei Quartalen rückläufig – in Summe um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Deutschland ist der einzige große Markt, wo der Diesel-Antrieb zuletzt wieder Zugewinne verbuchen konnte.

Deutsche Konzerne legen zu

Die deutschen Autokonzerne Volkswagen, BMW und Daimler konnten ihre Zulassungen und auch den Marktanteil steigern. Die Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler verzeichneten bei ihren Marken jedoch Rückgänge. Die beiden Konzerne wollen mit einer milliardenschweren Fusion künftig zusammen gegen die Flaute in der Autobranche ankämpfen.

Jene Flaute dürfte nach Prognosen von EY aber noch eine Weile anhalten – beziehungsweise sich sogar verschärfen. Peter Fuß ist für 2020 skeptisch: „Nach dem künstlichen Boom zum Jahresende werden diese vorgezogenen Neuzulassungen im Januar und Februar fehlen. Daher müssen wir uns in einigen Märkten auf Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich einstellen.“

Die Gründe dafür: Die Fahrzeuge, die von Kunden aktuell stark nachgefragt werden und zudem gut für die Marge der Hersteller sind, sind politisch nicht mehr gewünscht und verschlechtern die CO2-Bilanz der Hersteller. „Umgekehrt ist das Angebot an Autos mit Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb noch überschaubar, und die Lieferzeiten sind teils extrem lang“, so Fuß. Darüber hinaus sei unklar, wie hoch die tatsächliche Nachfrage nach E-Autos ist – zumal diese stark von der Höhe staatlicher Kaufzuschüsse abhänge. Dennoch rechnet der Experte mit einer Verdoppelung des Marktanteils elektrifizierter Fahrzeuge im Gesamtjahr 2020 und einer erneuten Verdoppelung im Jahr 2021.

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