Mercedes Lkw: Sparsamer und sicherer

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Zu den Besonderheiten des OM-471-Motors gehörte schon in der Vorgängergeneration ein asymmetrischer Turbolader. Er ermöglicht es, die Abgase der Zylinder vier bis sechs für einen schnellen Aufbau des Ladedrucks ohne Umweg direkt in die Turbine zu leiten. Dadurch steigen auch Leistung und Drehmoment schnell an. Von den Abgasen der Zylinder eins bis drei wird dagegen eine definierte Abgasmenge für die Abgasrückführung abgezweigt. Sie dient dazu, die NOx-Emissionen zu senken.

Dieses Prinzip haben die Entwickler beibehalten. Anstelle der bisherigen AGR-Klappe im AGR-Pfad gibt es nun allerdings eine weit nach vorn verlegte AGR-Klappe im Abgaskrümmer. Sie liegt deutlich vor dem Eintritt des Abgases in den Turbolader.

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War die Verteilung der Abgase zwischen Abgaskrümmer und Turbolader bisher unter anderem von der Form des Krümmers und der Geometrie des asymmetrischen Turboladers abhängig, so ist die Verteilung jetzt stufenlos im gesamten Bereich des Motorkennfelds regulierbar. Daraus resultieren laut Mercedes ein wirkungsvolles Thermomanagement und eine generell geringere AGR-Rate mit Vorteilen für den Kraftstoffverbrauch.

Sowohl die AGR-Rate als auch die Abgasflut zum Turbolader lassen sich aufgrund der neuen Position der Klappe entsprechend den Betriebskennlinien des Motors steuern. Dadurch konnten die Ingenieure darauf verzichten, die Abgasrückführung durch einen Sensor im Venturi-Rohr (dem Bypass der Abgasrückführung) zu erfassen. Auch eine nachgelagerte AGR-Regelung sei daher nicht mehr erforderlich.

Die stufenlos steuerbare AGR-Klappe in ihrer neuen Position eröffnet darüber hinaus laut Mercedes eine neue Bandbreite der Asymmetrie: Ganz nach Bedarf können die Abgase der drei Spenderzylinder zwischen null und 100 Prozent der Verbrennung zugeführt werden. Die AGR-Klappe steuert damit nicht nur den Abgasstrom zur Abgasrückführung, sondern auch den Turbolader. Da sich für diese Technik keiner der Turbolader aus den Regalen der Zulieferer eignet, hat Mercedes dieses Bauteil selbst entwickelt und fertigt es auch in Eigenregie. Für den Turbolader reicht beispielsweise eine feste Turbinengeometrie. Technisch ist diese Variante dadurch weniger komplex und damit weniger anfällig als etwa ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie. Zu einer Vereinfachung trägt ebenfalls der Verzicht auf das Wastegate-Ventil bei.

Teilzeit-Dreizylinder

Ebenfalls neu im OM 471 ist eine asymmetrische Einspritzung. Im normalen Fahrbetrieb versorgt sie die Injektoren aller sechs Zylinder mit der identischen Menge Kraftstoff. Ist bei geringer Last eine Regeneration des Diesel-Partikelfilters erforderlich, stellt die Elektronik eine hohe AGR-Rate bis in den Bereich von 50 Prozent ein, um die Abgastemperatur anzuheben.

Um in diesem Fall eine unvollständige Verbrennung mit einem entsprechend höheren Anteil von Rußpartikeln im Abgas zu verhindern, nimmt die Motorregelung die Kraftstoffmenge in den Zylindern eins bis drei gleichzeitig stufenlos zurück und erhöht sie parallel dazu in den Zylindern vier bis sechs. Im Extremfall kann die eingespritzte Menge laut Herstellerangaben für die ersten drei Zylinder bis auf null reduziert werden, während die anderen drei Zylinder wie unter Volllast arbeiten. Die Leistungsabgabe sowie der Kraftstoffverbrauch sollen durch diese Reduzierung bis zur Zylinderabschaltung nicht beeinflusst werden, die Abgasqualität dagegen steigen und der Rußpartikelausstoß sinken.

Bestellbar sind die neuen Motoren für den Actros ab 6. Juli 2015, ausgeliefert werden die Fahrzeuge dann ab Oktober 2015. In Reisebussen von Mercedes und Setra gibt es den neuen Motor ab August zu kaufen.

Der Mercedes-Benz OM 471 steht in folgenden Grundausführungen zur Verfügung:

  • 310 kW/421 PS bei 1.600 min-1 mit 2.100 Nm Drehmoment bei 1.100 min-1
  • 330 kW (449 PS) bei 1.600 min-1 mit 2.200 Nm Drehmoment bei 1.100 min-1
  • 350 kW (476 PS) bei 1.600 min-1 mit 2.300 Nm Drehmoment bei 1.100 min-1
  • 375 kW (510 PS) bei 1.600 min-1 mit 2.500 Nm Drehmoment bei 1.100 min-1
  • 390 kW (530 PS) bei 1.600 min-1 mit 2.600 Nm Drehmoment bei 1.100 min-1

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