Mitarbeiter: Tesla liefert defekte Batterien aus

Autor: Christoph Seyerlein

Ein Bericht des US-Senders CNBC über die Zustände in Teslas Gigafactory in Nevada birgt enormen Zündstoff. Neben Produktionsproblemen soll vor allem in der Qualitätssicherung einiges falsch laufen.

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Die Batterie-Produktion in Teslas Gigafactory in Nevada läuft unrund.
Die Batterie-Produktion in Teslas Gigafactory in Nevada läuft unrund.
(Bild: Tesla)

Produktionsprobleme bei Tesla sind mittlerweile fast schon ein alter Hut. Ein Bericht des US-Senders CNBC zu den Zuständen in Teslas Gigafactory in Nevada birgt aber dennoch einiges an Zündstoff. Demnach haben zwei Ingenieure des Autobauers angegeben, dass die Qualitätssicherung der Batterieproduktion schwer zu wünschen übrig lasse. Manche Batterien würden sogar defekt ausgeliefert.

Konkret geht es darum, dass der Abstand zwischen den einzelnen Lithium-Ionen-Zellen bei den betroffenen Einheiten nicht groß genug sei. Sollten die Zellen miteinander in Berührung kommen, könnten sie den Ingenieuren zufolge ausfallen oder im schlimmsten Fall sogar Feuer fangen. Beide Mitarbeiter gaben an, das Problem intern adressiert zu haben, in der Folge aber von Managern abgewiesen worden zu sein.

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Ein Tesla-Sprecher wies den Bericht zurück und bezeichnete die Aussagen der Ingenieure als „falsche Anschuldigungen“. „Die Annahme, dass Tesla Autos mit defekten Batterien ausliefert, trifft definitiv nicht zu und entbehrt jeglicher Grundlage“, so der Sprecher.

Allerdings hat offenbar auch der Hersteller selbst festgestellt, dass in der eigenen Qualitätssicherung Optimierungsbedarf besteht. Mehrere aktuelle und ehemalige Mitarbeiter hatten beklagt, dass viele Mitglieder dieser wichtigen Abteilung relativ unerfahren seien und teilweise offensichtliche Fehler nicht erkennen würden. Tesla selbst erklärte, dass jeder neu eingestellte Mitarbeiter in der Batterie-Produktion „ausführliche Schulungen, auch in Sachen Sicherheit“ erhalte.

Fertigung bis Mitte Dezember noch von Hand

Neben den möglichen Qualitätsproblemen läuft die Batterie-Produktion in der Gigafactory aber auch allgemein unrund. Gegenüber CNBC sagten mehrere Beschäftigte, dass sie noch bis Mitte Dezember 2017 Batterien teilweise per Hand fertigen mussten. Die Folge: Jede Menge Ausschussware. Außerdem hätte sich Tesla bei Zulieferern wie Panasonic Arbeitskräfte „ausleihen“ müssen, um die Produktion überhaupt am Laufen halten zu können.

Mittlerweile seien die Arbeitsschritte zwar weitestgehend automatisiert, von einem reibungslosen Ablauf ist Tesla aber offenbar immer noch weit entfernt. „Sobald eine Sache falsch läuft, muss die ganze Produktion gestoppt werden“, sagte ein Ingenieur.

Tesla-Chef Elon Musk hatte mit Blick auf den holprigen Start der Massenfertigung des Model 3 bereits im Oktober davon gesprochen, dass sich der E-Autobauer in der „Produktionshölle“ befinde. Zuletzt hatte er aber von Fortschritten berichtet. Das Model 3 hat für Tesla existenzielle Bedeutung: Für das Auto liegen über 400.000 Vorbestellungen vor, es soll dem Hersteller den Weg in den Massenmarkt ebnen und ihn eines Tages profitabel machen. Dass Musk das schafft, bezweifeln regelmäßig bekannte Namen aus der Autobranche, zuletzt Ex-GM-Chef Bob Lutz. Berichte über weitere Produktions- und Qualitätsprobleme dürften Wasser auf ihre Mühlen sein.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«