Elektrische Mercedes C-Klasse Mittelklasse neu definiert

Von sp-x 4 min Lesedauer

Die C-Klasse zählt seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten Kernmodellen von Mercedes. Demnächst wird die Mittelklasselimousine auch elektrisch zu haben sein, in neuem sportlichem Outfit und einem Komfort auf bisher nicht gekanntem Niveau.

Die elektrische C-Klasse startet im Herbst.(Bild:  Mercedes-Benz)
Die elektrische C-Klasse startet im Herbst.
(Bild: Mercedes-Benz)

Den Einstieg in die Elektro-Mobilität vor einigen Jahren hatte man sich bei Mercedes sicher leichter vorgestellt. Doch Technik, Nachfrage und Ladeinfrastruktur griffen nicht wie gewünscht ineinander. Zudem kam das recht eigenwillige One-Bow-Design der EQ-Limousinen nicht an. Entsprechend mau waren die Verkaufszahlen. Nicht einmal in China, dem weltweit größten Markt für Elektroautos, konnten die Stuttgarter punkten, verloren im Reich der Mitte massiv Anteile.

Mit der nun eingeleiteten Elektro-Offensive 2.0 will der weltälteste Autobauer – dieses Jahr feiert man sein 140-jähriges Bestehen – der Branche zeigen, wie gut man seine Hausaufgaben gemacht und wie fortschrittlich man sich für die Zukunft aufgestellt hat. Entwickelt wurden zwei komplett neue Architekturen (jetzt 800 statt zuvor 400 Volt), die zu den momentan modernsten, leistungsfähigsten und effizientesten überhaupt gehören: MMA und MB.EA. Letztere ist für Modelle der Mittel- bis Luxusklasse bestimmt und wurde auf „Electric only“, also kompromisslos auf elektrischen Antrieb ausgelegt. Debütant war der kürzlich vorgestellte GLC mit EQ-Technologie.

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Auf gleicher Basis wird die elektrische C-Klasse (interner Code W 520) stehen. Ihr Marktstart soll im Herbst erfolgen, nahezu zeitgleich mit dem wichtigsten Wettbewerber, dem BMW i3. Wie die Münchener Limousine überzeugt auch die C-Klasse durch gelungene Proportionen und steht optisch solide auf ihren großen Rädern. Mercedes bleibt im Design allerdings eine Spur konservativer, zumindest was die Front angeht. Hier setzen die Stuttgarter auf eine moderne Interpretation ihres legendären Gitter-Grills aus den 70er-Jahren. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, ist optisch aber harmonischer gelöst als beim GLC.

Die rein elektrische Antriebsarchitektur schafft gegenüber der herkömmlichen Verbrennervariante deutlich mehr Platz im Innenraum. Allein der Radstand ist zehn Zentimeter länger. Im Fond sitzen Passagiere wie in der S-Klasse. Unterstützt wird das gute Raumgefühl durch das serienmäßige Panoramaglasdach. Wählt man das optional angebotenen Sky-Control-Dach, lässt sich das Glas sogar milchig schalten.

Reichlich Raum findet sich auch im Heck. Der Kofferraum schluckt 470 Liter, die Rücksitzlehnen sind elektrisch umklappbar und erweitern die Variabilität enorm. Zusätzlich haben die Entwickler vorne unter der Haube eine Gepäckmulde geschaffen. Das „Frunk“ genannte Fach fasst 101 Liter und kann sehr gut für die Unterbringung des Ladekabels genutzt werden.

Cockpit mit neuem Bediensystem

Bereits aus dem GLC bekannt ist die riesige Cockpit-Landschaft unter Glas. Mercedes spricht stolz von Hyperscreen und Superscreen. Der Unterschied besteht lediglich in der Abgrenzung der einzelnen Displays. Beiden gemeinsam: Dahinter verbirgt sich ein brandneues, von Mercedes selbst entwickeltes Bediensystem, genannt MB.OS. Die grafischen Darstellungen sind brillant, die Reaktionen superschnell, die Menüführung nahezu intuitiv und die Vielfältigkeit schlicht unglaublich. Doch die Kirsche auf der Sahne bildet zweifellos die Konversation mit dem KI-Assistenten, egal ob es um Navigation, Restaurantempfehlungen, Fragen zu touristischen Attraktionen oder um ganz simple Bedienbefehle geht. Man kann sich mit der KI-Dame fast so natürlich unterhalten wie mit einer leibhaftigen Person.

Was Verarbeitungsqualität und Materialien betreffen, lässt sich Mercedes nicht die Butter vom Brot nehmen. Man hat kapiert, wie wichtig Haptik ist. Nie war eine C-Klasse feiner ausgekleidet. Mittelklasse wird hier neu definiert. Auch über die erstmalige Möglichkeit, in diesem Segment eine komplett und zudem zertifiziert vegane Innenausstattung zu bekommen. Mercedes ist hier der erste Hersteller weltweit, der das anbietet.

An den Start schicken die Stuttgarter ihre elektrische Limousine zunächst als C 400 4Matic (die sonst verwendete Zusatzbezeichnung EQ-Technologie entfällt erstmals) zu einem Preis von unter 70.000 Euro. Die Hauptantriebseinheit (PSM) mit Zweiganggetriebe sitzt bei allen C-Klasse-Modellen auf der Hinterachse. Die 4Matic-Version haben jeweils zusätzlich eine E-Maschine an der Vorderachse. Beim C 400 4Matic kommen beide Motoren auf eine Systemleistung von 360 kW/490 PS und 800 Newtonmeter, genug um die über zwei Tonnen schwere Limousine in nur 4,1 Sekunden von null auf 100 km/h zu treiben. „Das ist die sportlichste C-Klasse, die wir je gebaut haben“, verspricht Entwicklungsvorstand Jörg Burzer, „und zugleich ermöglicht sie dank Luftfederung und Hinterachslenkung Fahrkomfort auf S-Klasse-Niveau.“

Bis zu 760 Kilometer Reichweite

Stolz sind die schwäbischen Ingenieure auch auf Batterie- und Ladetechnologie. Im Boden des C 400 4Matic stecken Zellen mit einer Kapazität von nutzbaren 94,5 kWh, was eine WLTP-Reichweite von bis zu 760 Kilometern ermöglichen soll. Dank der 800 Volt lassen sich binnen zehn Minuten „frische“ 320 Kilometer nachladen. Die C-Klasse könnte also mit nur einem kurzen Tankstopp eine Strecke von über 1.000 Kilometern zurücklegen. Damit dürfte dieses Mercedes-Modell keinen Grund mehr liefern, nicht elektrisch unterwegs zu sein. Auch dem vehementesten E-Mobilitätskritiker dürften die Argumente ausgehen.

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Nach dem C 400 4Matic wird Mercedes weitere Versionen und welche mit nur Hinterradantrieb folgen lassen, darunter das vorläufige Einstiegsmodell C 250. In der Pipeline dürften zudem der C 300 und C 300 4Matic sein. Spekuliert werden darf, ob die Stuttgarter auch unterhalb des C 250 noch ein Modell – zum Beispiel den C 200 – positionieren, dessen Batterie dann statt mit NMC- mit der kostengünstigeren LFP-Chemie arbeitet. Offiziell bestätigt ist dies noch nicht, doch der Vertrieb könnte ein preislich attraktives Basismodell im Fokus haben, das auf dem Niveau eines entsprechenden Verbrenner-Pendants liegt.

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