Mobile.de: „Wir müssen mehr als je zuvor für den Handel da sein“

Malte Krüger im Interview

| Autor: Christoph Seyerlein

„Der Autohandel wird nach der schwierigen Zeit zurückkehren“, sagt Mobile.de-Chef Malte Krüger.
„Der Autohandel wird nach der schwierigen Zeit zurückkehren“, sagt Mobile.de-Chef Malte Krüger. (Bild: Achter/»kfz-betrieb«)

Die genauen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Autohandel sind noch nicht abzuschätzen. Doch klar ist: Die Folgen werden drastisch sein. Viele Betriebe bangen um ihre Existenz. Mobile.de hatte infolge dessen vergangene Woche ein Hilfspaket für den Handel geschnürt.

Im April verzichtet die Plattform vollständig auf Inseratskosten. Für die März-Leistungen verlängert das Unternehmen zudem das Zahlungsziel auf 90 Tage. Bei seinem Produkt Motorverkauf verzichtet Mobile im März und April auf die Grundgebühr. Im Interview verrät Mobile.de-Chef Malte Krüger, warum die Plattform jene Maßnahmen ergreift, wie das Feedback der Branche darauf ausfällt und wie die Krise die Berliner selbst trifft.

Redaktion: Mobile.de hat ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt, um den Handel in der Corona-Krise zu unterstützen. Unter anderem verzichten Sie im April komplett auf die Inseratsgebühren. Können Sie uns eine Vorstellung davon geben, auf welche Summe Sie dadurch in etwa verzichten?

Malte Krüger: Wir verzichten auf eine Summe, für die gute Bundesligafußballer den Verein wechseln. Obwohl das sehr viel Geld ist, waren wir uns im Unternehmen sehr schnell einig, dass das der einzig richtige Schritt ist. Wir müssen jetzt alle zusammenhalten.

Wie sind die Reaktionen aus dem Handel auf Ihr Entgegenkommen?

Wir haben innerhalb weniger Stunden fast 1.000 wirklich herzerwärmende Anrufe und E-Mails erhalten. Das macht etwas mit mir und uns als Unternehmen. Alle 230 Mitarbeiter von Mobile.de haben verstanden, dass wir in diesen schwierigen Zeiten mehr als je zuvor für den Handel da sein müssen. Und das werden wir tun.

„Der Autohandel wird nach der schwierigen Zeit zurückkehren“

Viele Autohäuser müssen ihre Vertriebsabteilungen aktuell auf staatliche Anordnung geschlossen lassen. Wird das aus Ihrer Sicht dem Online-Fahrzeughandel einen neuen Schub geben?

Ich glaube schon, dass die aktuelle Krise in vielen Branchen zu noch mehr Digitalisierung führen wird. In einigen Bereichen macht sich das sicher auch beim Autohandel bemerkbar. Trotzdem glauben wir fest an die Zukunft des Autohauses. Hier findet der letzte und sehr wichtige Kontakt mit dem Kunden statt. Wenn wir davon nicht überzeugt wären, hätten wir die finanzielle Soforthilfe nicht auf den Weg gebracht. Der Autohandel wird nach der schwierigen Zeit zurückkehren. Finanziell sicher geschwächt, aber strukturell möglicherweise sogar gereift. Mit neuen und unkonventionellen Ansätzen, die aus der Not geboren wurden.

Zahlreiche Händler treibt die Sorge, dass in der aktuellen Phase, in der auch viele Verbraucher den Gürtel enger schnallen müssen, ein Autokauf nicht weit oben auf der Agenda steht. Spüren Sie derartige Tendenzen auch?

Die Corona-Krise hat natürlich Effekte auf alle Lebensbereiche. Wie groß diese ausfallen und wie die deutschen Konsumenten langfristig damit umgehen, können wir aktuell nicht seriös einschätzen. Dafür ist es noch zu früh.

Zuletzt war immer häufiger zu erkennen, dass sich Autohändler im Online-Marketing autarker aufstellen wollen, um von Fahrzeugplattformen unabhängiger zu werden. Fürchten Sie, dass die jetzige Ausnahmesituation diesen Trend zur verstärkten „Selbstdigitalisierung“ verstärken könnte?

Wir sehen das eher umgekehrt. Gerade in der aktuellen Situation ist es sehr wichtig, mit dem eigenen Fahrzeuginventar für sehr viele Kunden auffindbar zu sein, um eine bestmögliche Startposition für die Zeit nach der Krise zu haben. Dabei sind wir für den Handel ein wichtiger Partner, gerade auch mit dem Inseratexport zu unserem Schwesterunternehmen Ebay Kleinanzeigen.

„Werden sicher noch Durststrecken durchstehen müssen“

Zuletzt war Ihr Wettbewerber Autoscout 24 in der Außendarstellung mit eigenen Neuerungen offensiver als Sie. Begreifen Sie die Krise eventuell auch als Chance, das wieder umzudrehen?

Im Moment geht es nicht um unseren Wettbewerb und uns. Es geht darum, 43.000 Händlern in Deutschland dabei zu helfen, ihre Existenz zu sichern. Dabei müssen alle mithelfen und dafür war unsere finanzielle Soforthilfe der erste Schritt. In mehreren Task Forces arbeiten wir an konkreten und schnellen weiteren Maßnahmen.

Wie sieht Ihr internes Krisenmanagement aus? Wie trifft die Corona-Pandemie Mobile.de?

Wir haben unsere Mitarbeiter vor knapp zwei Wochen ins Home Office gebeten, da die Gesundheit meiner Mitarbeiter für mich an erster Stelle steht. Seitdem sehen wir uns in vielen Videokonferenzen und zu digitalen Coffee Dates. Ich habe das Gefühl, dass wir zwar physisch weiter auseinander sitzen, aber trotzdem näher zusammengerückt sind. Mir ist wichtig, dass wir in dieser schwierigen Zeit füreinander, aber auch für unsere Kunden jederzeit da sind. Denn nur wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, werden wir so gesund und stark wie möglich durch diese Krise gehen – und uns danach hoffentlich daran zurückerinnern, was wir gemeinsam geschafft haben. Ich mache mir dennoch nichts vor: Wir sind erst in der zweiten Woche. Wir werden ganz sicher auch noch Durststrecken durchstehen müssen.

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