Importstopp Nissan GT-R: Letzter Vorhang für Godzilla

Quelle: sp-x

Der Nissan GT-R steht für Fahrspaß, Performance und eine auffallende Soundkulisse. Genau dieses bestialische Brüllen ist in Europa nun nicht mehr gewollt.

Nissan Europa verfolgt eine modellpolitische Neuausrichtung, die keinen Platz mehr für sportliche Verbrenner kennt.
Nissan Europa verfolgt eine modellpolitische Neuausrichtung, die keinen Platz mehr für sportliche Verbrenner kennt.
(Bild: Nissan )

Mit ikonischen Coupé-Konturen, bis zu 441-kW/600-PS-freisetzendem V6-Doppelturbo und heckbetontem Allradantrieb für Drift-Weltrekorde ist der Nissan GT-R das weitaus spektakulärste japanische Supercar. Ein furios schneller, legendär zuverlässiger und weltweit in beachtlichen Stückzahlen verkaufter Samurai in der Leistungsliga von Ferrari und Lamborghini.

Dennoch wird sich der bärenstarke „Godzilla“, wie Fans den Nissan GT-R nach dem berüchtigten Filmmonster nennen, jetzt aus Europa verabschieden: Neue EU-Lärmvorschriften kennen keine Gnade mit dem gänsehauterregenden Gebrüll des drehfreudigen V6.

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Mit dem Aus für den GT-R vollendet Nissan Europa eine modellpolitische Neuausrichtung, die keinen Platz mehr für sportliche Verbrenner kennt. Auch die jüngste Generation des emotionalen Z-Sportwagens wird deshalb hierzulande nicht vertrieben. Dabei waren es einst die scharfen Versionen des Skyline, durch die Nissan vor 65 Jahren als erste japanische Marke in Europa Schlagzeilen machte.

Mehr noch: Der auf Straße wie Strecke erfolgreiche Skyline ist der Genspender für den GT-R und damit der traditionsreichste Sportler aus dem Fernen Osten. Weit früher als etwa Toyota 2000 GT oder Mazda Cosmo Sport schrieb eine Skyline 2000 GT Limousine Sportgeschichte, als sie schon 1964 beim Grand Prix von Japan einem Porsche 904 die Führung zeitweilig entriss. Das machte den Namen Skyline in Asien zum Mythos, aus dem 1968 der erste GT-R hervorging.

Rückblende

Warum aber wagten Skyline, GT-R und damit Nissan bereits erste Exportambitionen nach Europa, als andere japanische Hersteller sich noch auf den Heimatmarkt oder allenfalls erste Niederlassungen in Amerika beschränkten?

Eine Erklärung liefert die Rückblende in das Wirtschaftswunderjahr 1957, das Europa zum Epizentrum zukunftsweisender technischer Entwicklungen erklärte. Italienische und französische Automobildesigner bestimmten globale Modetrends, europäische Kleinwagen reüssierten sogar gegen US-Straßenkreuzer und Sportwagen „made in“ England, Maranello oder Stuttgart galten als Referenz für rasante Rundenzeiten.

Ein automobiler Newcomer, der es damals in Europa schaffte, konnte überall Erfolge einfahren. Und so riskierte die wenig später mit Nissan verschmolzene junge japanische Premiummarke Prince beim Pariser Automobilsalon 1957 einen Überraschungscoup: Ihre athletische Skyline-Limousine brüskierte auf Anhieb die Liga schneller Alfa Giulietta und Borgward Isabella.

In 2,8 Sekunden auf Tempo 100

Fünf Jahre später zeigte der Skyline den europäischen Sportwagenbauern endgültig, dass aus Nippon nicht nur Tempel, Zen und Mangas kommen. Stardesigner Giovanni Michelotti hatte dem Skyline eine dynamische Coupé-Karosserie geschneidert, und der viertürige GT der Serie S50 machte sich startklar, um Porsche und Co Kontra zu geben.

Die damals von Medien beschworene „gelbe Gefahr“ verkörperten die ersten in Europa vorgestellten Japaner mangels Vertriebsnetz nicht. Aber sie waren die Urahnen des bis heute faszinierendsten asiatischen Supersportwagens, des seit 2007 liebevoll von Hand gefertigten und in 2,8 Sekunden auf Tempo 100 stürmenden Nissan GT-R.

Dieser Rivale von Lamborghini Huracán, Audi R8 oder Ferrari Roma fand sogar noch während der Corona- und Halbleiterkrise jährlich rund 1.500 Käufer, die für den Gran Turismo gut 110.000 Euro zahlten. Nur knapp die Hälfte des Preises der Konkurrenten.

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