Nissan-Händler ringen mit dem Importeur

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Der Importeur konfrontiert die deutschen Vertriebspartner mit neuen Verträgen. Aus Sicht des Händlerverbands zeichnet sich gegenüber den gültigen, nicht gekündigten Vereinbarungen allerdings eine deutliche Verschlechterung ab.

Firma zum Thema

(Foto: Grimm)

Die deutschen Nissan-Händler sehen sich mit neuen Vertriebsverträgen konfrontiert. Nach Einschätzung des Verbands der Nissan-Händler Deutschland (VDNH) würden die Klauseln nach jetzigem Kenntnisstand zu deutlich schlechteren Bedingungen etwa bei den Zielvereinbarungen führen. Auf der Jahreshauptversammlung des Verbands am Freitag in Köln waren das Vertragswerk und das Margensystem folgerichtig die beherrschenden Themen.

Seit dem Februar wird hinter den Kulissen um die Neuausgestaltung der Verträge und Zielvereinbarungen für die Nissan-Partner gerungen. Die Krux dabei: Der Importeur, Nissan Center Europe (NCE), hatte sich noch unter dem früheren Geschäftsführer Andreas Gabriel auch nach der Neufassung der GVO zu den bestehenden Verträgen bekannt und eine Kündigung, wie es andere Fabrikate getan haben, ausgeschlossen. Dennoch strebt der Importeur nun grundlegende Veränderungen an, insbesondere bei den Selektionskriterien (Standards).

Bildergalerie

Angesichts der bestehenden Verträge könnten neue oder geänderte Bestimmungen nur auf freiwilliger Basis Gültigkeit erhalten, verdeutlichte Christoph Boeminghaus, Branchenanwalt der Kölner Kanzlei Osborne Clarke. Er berät den Händlerverband seit April. Dieser Vertragswechsel würde nach den bisher bekannten Vorschlägen des Importeurs allerdings bedeuten, „eine gute Jacke gegen eine schlechtere zu tauschen“, brachte VDNH-Präsident Peter Gerards das Ansinnen des Importeurs auf den Punkt.

Ein gewichtiger Punkt ist die Markenabgrenzung bei Mehrmarkenhändlern. NCE strebt hier eine stärkere Exklusivität und die optische Trennung der Fabrikate im Schauraum an. Formal kann der Importeur diese Änderungen einfordern, allerdings hat der Händler ein Widerspruchsrecht, die diese Änderungen unwirksam werden lassen. Widerspricht der Händler den gewünschten Veränderungen fristgerecht, können sie nicht umgesetzt werden.

Trotz der im Verlauf der Sitzung geäußerten Kritik am Vorgehen des Importeurs machte Verbandspräsident Gerards klar, dass „im Vordergrund der Bestrebungen des Händlerverbands die Verhandlungen stehen“. Ziel sei, ein für beide Seiten akzeptables Ergebnis zu erreichen, das den wirtschaftlichen Interessen beider Seiten gerecht wird.

Denn auf der anderen Seite hat auch der Handel ein gewichtiges Anliegen: die Planungssicherheit bei den Margen. Sie werden vom Importeur seit Jahren immer wieder verändert, um kurzfristig auf den Markt zu reagieren. Gerards verdeutlichte, dass es dem Verband ebenfalls darum gehe, fixe Rahmenbedingungen für den Handel zu schaffen. Sie sollen ausreichende Renditen sicherstellen, um die Investitionen zu schultern, die für den geplanten Wachstumskurs und den Aufbau des Leaf-Vertriebs notwendig seien. Der Ausgang der Verhandlungen um die neuen Verträge nebst Selektionskriterien ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.

In einem eigenen Tagesordnungspunkt beschlossen die anwesenden Verbandsmitglieder einstimmig eine Satzungsänderung. Sie ermöglicht es dem Vorstand des Händlerverbands nun, gegen den Importeur nach erfolglosen Verhandlungen ein Klageverfahren einzuleiten, um die Rechte der Händler zu wahren.

Anders als in den Vorjahren war der Importeur nur in Person von Vertriebsdirektor Steffen Cost vertreten, der für die Positionen von Nissan Center Europe warb. Unter anderem stellte er aktuelle Bestellaktionen und Verkaufsförderungen vor. Der Markt sei schwierig, konzedierte Cost, „wir haben aber alle Waffen im Markt, um an die Erfolge des letzten Jahres anzuknüpfen“. Zuletzt sprachen die Zulassungszahlen allerdings eine andere Sprache: Von Januar bis August sanken die Nissan-Neuzulassungen um 6,2 Prozent. Die Eigenzulassungen stiegen dagegen deutlich an, allein im Juli um 22 Prozent.

(ID:35452560)