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NSU Ro 80: Eine wankelmutige Idee feiert 50 Jahre

Autor / Redakteur: sp-x / Steffen Dominsky

Eine Sonderausstellung im Audi-Forum widmet sich einem Revolutionär, der kläglich scheiterte – leider. Denn das Potenzial des großen Wankels aus Neckarsulm war beachtlich.

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Kühne Technik und noch kühnere Verpackung: der NSU Ro 80 war seiner Zeit voraus.
Kühne Technik und noch kühnere Verpackung: der NSU Ro 80 war seiner Zeit voraus.
(Bild: Audi AG)

Mit der Sonderausstellung „Revolution – 50 Jahre NSU Ro 80“ würdigt Audi einen besonderen Moment der Unternehmensgeschichte: 1967 feierte das Oberklasse-Auto NSU Ro 80 auf der IAA in Frankfurt seine Premiere. Noch im gleichen Jahr wählte eine internationale Jury das Modell zum Auto des Jahres. Als Highlight zeigt die Ausstellung im Audi-Forum Neckarsulm vom 30. September 2017 bis 27. Mai 2018 außergewöhnliche Modellvarianten der Neckarsulmer Designikone.

„Jahrhundert-Automobil“, „Wankel-Wunderauto“, „Ungewöhnlichstes Auto, das je zur Serienreife gebracht wurde“ – die Euphorie der Medien über den NSU Ro 80 bei der Pressepremiere am 21. August 1967 kannte keine Grenzen. Die weltweit erste Serienlimousine mit Zweischeiben-Kreiskolbenmotor schien direkt aus der Zukunft zu kommen und wollte das Automobil neu erfinden – so wie zuvor nur die göttliche DS von Citroën, die den NSU-Technikern anfangs tatsächlich die Richtung wies bei der Entwicklung ihres avantgardistischen, im Windkanal geformten Flaggschiffs. Neben dem Ro 80 mit extrem flacher Motorhaube und massivem, hoch bauendem Heck wirkten Mercedes mit Heckflossen oder große Peugeot in Trapezform wie von vorgestern.

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Als Wunderauto gefeiert wurde die erste große Limousine des Neckarsulmer Kleinwagenspezialisten aber nicht nur wegen ihrer keilförmigen Silhouette und der neuartigen Sicherheitsausstattung, sondern vor allem für den revolutionären 85 kW/115 PS starken Motor mit kreisenden Kolben. Die Fachwelt sah den Wankelmotor als Antrieb der Zukunft, und in der sogenannten Comotor-Kooperation mit Citroën wollte NSU die Erfindung des Ingenieurs Felix Wankel massentauglich machen. Eine vergebliche Hoffnung, nur Mazda machte den Wankel zum Million-Seller. Vom Ro 80 blieben nach dem Produktionsende im Jahr 1977 das weit in die Zukunft strahlende Design und sein mittlerweile von Audi genutzter Werbeslogan „Vorsprung durch Technik“.

NSU hatte sich übernommen

Mit diesem Credo und technologischem Fortschritt durch Turbo und Allrad fanden die Ingolstädter ab Ende der Siebzigerjahre den Weg in den Premiumclub, an dessen Türen die Rotationskolben-Revolutionäre von NSU zuvor vergeblich geklopft hatten. Denn die Tragik wollte es, dass die wagemutigen Neckarsulmer beim ersten öffentlichen Rollout des Ro 80 bereits finanziell ausgelaugt waren. Die Entwicklungskosten für das vollkommen neue Fahrzeug hatten die Kassen des Zweirad- und Kleinwagenherstellers so geleert, dass dringend ein finanzstarker Partner gefunden werden musste. Keine 18 Monate später war es so weit, NSU kam mit Audi unter das Dach des Volkswagen-Konzerns.

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