Erhöhter Ölverbrauch

Redakteur: Silvia Lulei

Ein gewisses Maß an erhöhtem Ölverbrauch ist durchaus normal. Gerade moderne Motoren gönnen sich in der EInlaufphase gerne mal einen Schluck Öl mehr. Sollte dies aber länger anhalten, ist individuelle Fehlersuche angesagt.

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Nur wer regelmäßig kontrolliert ist auf der sicheren Seite. Füllmenge und Qualtität des Schmiermittels lassen sich per Ölmessstab prüfen. So bewahrt man den Motor vor einem frühzeitigen Aus.
Nur wer regelmäßig kontrolliert ist auf der sicheren Seite. Füllmenge und Qualtität des Schmiermittels lassen sich per Ölmessstab prüfen. So bewahrt man den Motor vor einem frühzeitigen Aus.
( Archiv: Vogel Business Media )
  • Zu großes Lagerspiel im Turbolader: Verschlissene Gleitlager im Turbolader haben ein zu hohes Spiel und können so das Laufrad nicht mehr exakt abdichten. Motoröl wird angesaugt und verbrannt. Ein Lagerverschleiß beruht in der Regel auf hoher Motorenlaufleistung, verunreinigtem oder ungeeignetem Öl sowie auf mangelhafter Schmierung.
  • Verstopfte Ölrücklaufleitung am Turbolader: In einer zu heißen Ölrücklaufleitung verkokt das Öl und verstopft die Leitung. Ursachen für enorme Hitze können sein: mangelhafte Ölqualität, schlechte Gesamtkühlung des Motors, falsch verlegte Rücklaufleitungen, nicht isolierte Leitungen, falsch montierte Isolierbleche. Durch die Verstopfung wird ein druckloser Rücklauf des Öls zur Ölwanne verhindert. Der hohe Öldruck führt zu Ölaustritt an Laufradlagern des Turboladers. Das Öl gelangt in den Ansaugtrakt und wird verbrannt.
  • Verschlissene Einspritzpumpe: In 24% aller Fälle ist eine verschlissene Reiheneinspritzpumpe schuld am erhöhten Ölverbrauch. Die Schmierung der beweglichen Teile erfolgt in der Regel über den Motorölkreislauf. Sind Pumpenelemente verschlissen, gelangt über deren Bewegung Motoröl in die Arbeitsräume der Elemente. Öl vermischt sich mit Dieselkraftstoff, wird eingespritzt und verbrannt.
  • Undichtes Abgassystem: Die Verbrennungsluft hat einen langen Weg bis zum Verbrennungsraum. Zahlreiche Schläuche, Verbindungselemente und Dichtungen liegen auf dem Weg. Über Undichtigkeiten gelangt ungefilterte, schmutzige Luft in den Verbrennungsraum. Der angesaugte Schmutz sorgt im Zylinder für eine Mischreibung und erhöhtem Verschleiß an Zylinder, Kolben und Kolbenringen. Ein erhöhter Ölverbrauch ist das Ergebnis. Übrigens: Ungenügende Filtration durch verschmutzte, defekte, ungeeignete oder fehlende Luftfilter hat das gleiche Ergebnis.
  • Verschlissene Ventilschaftabdichtungen und -führungen: Ventilschaftabdichtungen sollen verhindern, dass Öl in die Ventilführung gelangt. Ist das Spiel zwischen Ventilführung und Ventil zu groß oder ist die Schaftabdichtung defekt, tritt verstärkt Öl aus und gelangt in den Ansaug- bzw. Abgastrakt. Bei jeder Motorinstandsetzung sollten Ventilschaftabdichtungen erneuert werden, denn das Material härtet mit der Zeit aus und eine Undichtigkeit ist somit programmiert.
  • Zylinderkopf-Montagefehler: Wurde im Rahmen einer Reparatur der Zylinderkopf demontiert und bei der anschließenden Montage nicht sachgemäß angezogen, kann es zum Bauteilverzug kommen. So können Undichtigkeiten zwischen Verbrennungsraum und Ölkreislauf entstehen. Ohne äußerlich erkennbaren Verlust an der Zylinderkopfdichtung gelangt das Öl in den Verbrennungsraum und wird verbrannt. Tipp: Bei Reparaturen am Zylinderkopf immer die Anzugsdrehmomente und -reihenfolge beachten!
  • Überdruck im Motorgehäuse: Bei der Verbrennung entstehen im Zylinder Blow-by-Gase. Das sind Verbrennungsgase, die mit hohem Druck an den Kolbenringen vorbei ins Kurbelgehäuse gedrückt werden. Bei großem Verschleiß von Kolben, Ringen und Ventilen kann im Kurbelgehäuse ein derart hoher Druck entstehen, dass das Öl im gesamten Motor durch die Dichtungen gedrückt wird. Ist der Motor in Ordnung, kann erhöhte Blow-by-Gas-Bildung auch durch eine defekte Kurbelgehäuseentlüftung entstehen. Die Gase können unter Umständen auch als Träger für den normalen Ölnebel fungieren und diesen zum Entlüftungsanschluss im Ansaugtrakt transportieren. Das Öl gelangt in den Verbrennungsraum und wird verbrannt.
  • Zu hoher Ölstand: Bei zu viel Öl pantscht die Kurbelwelle und produziert Ölnebel. Ist das Öl schmutzig oder alt, kann sich zusätzlich Ölschaum bilden. Ölnebel und Ölschaum können mit den Blow-by-Gasen aufsteigen und über die Motorentlüftung in den Ansaugtrakt und anschließend in den Zylinder gelangen, wo sie verbrannt werden. Selbst aufwändige Ölabscheidesysteme können durch den Ölschaum wirkungslos werden.
  • Verbrennungsstörungen durch Kraftstoffüberschwemmung: Hier bleibt unverbrannter Kraftstoff im Brennraum zurück. Er setzt sich an der Zylinderwandung ab, es kommt zur Mischreibung, was Kolben, Ringe und Zylinderlaufbahnen schnell verschleißt. Bei Benzinmotoren können die Ursachen zu fettes Gemisch, ein defekter Turbolader, der falsche Zündzeitpunkt und Störungen in der Zündanlage sein. Bei Dieselmotoren können die Ursachen defekte oder undichte Einspritzdüsen, der falsche Förderbeginn, ein defekter Turbolader, der falsche Kolbenüberstand und eine defekte Einspritzpumpe sein.
  • Unregelmäßige Wartung: Werden Serviceintervalle der Hersteller nicht eingehalten und hinausgezögert, läuft der Motor mit altem und schmutzigem Öl. Die Schmierwirkung nimmt ab, der Materialverschleiß steigt.
  • Minderwertige Motoröle: Ungeeignete oder minderwertige Motoröle können den sicheren Motorlauf unter allen Betriebszuständen beeinflussen. Der Verschleiß im Motor steigt, in manchen Situationen wie z.B. beim Kaltstart sogar enorm an. Das Öl muss den Vorschriften der Fahrzeughersteller entsprechen.
  • Zylinderverzug: Dieser Schaden ist am ungleichmäßigen Tragbild der Laufbuchsen erkennbar. Kolbenringe können den verzogenen Zylinder weder gegen Öl noch gegen Verbrennungsgase einwandfrei abdichten. Öl kann in den Verzugsbereichen nicht abgestreift werden. Stattdessen wird es in den Verbrennungsraum geschoben, wo es verbrennt. Gleichzeitig steigt durch die an den Ringen vorbeiströmenden Verbrennungsgase der Druck im Kurbelgehäuse. Das wiederum führt zu Ölverlust und Leckagen an Dichtstellen und Einlassventilführungen. Ursachen für einen Zylinderverzug können sein: falsches Anziehen der Kopfschrauben, Ablagerungen oder Schmutz im Kühlsystem, unebene Planflächen am Zylinderblock/-kopf, falsche Zylinderkopfdichtung sowie unsaubere/verzogene Gewinde der Kopfschrauben.
  • Wartung und Einspritzpumpe: Ein häufiger Grund für stark gestiegenen Ölverbrauch ist mangelnde oder schlecht durchgeführte Wartung (26%). Nicht selten ist die Ursache in defekten Bauteilen zu suchen. Die Einspritzpumpe (24%) und der Turbolader (16%) werden oft als Fehlerquelle genannt. Kraftstoffüberschwemmung in Folge von Verbrennungsstörungen (16%) sind ebenfalls sehr häufig Ursache für Ölverbrauch. Aber auch Fehler bei einer durchgeführten Motorüberholung (12%) sorgen am Ende für viel Ölverbrauch.

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