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Pkw-Markt fährt weltweit in die Krise

Autor: Andreas Grimm

Weltweit fehlen den Pkw-Märkten die Kaufimpulse. Das erste Halbjahr ist in vielen Regionen von Absatzrückgängen geprägt. In Europa traf es einige Fabrikate besonders hart. Gleichzeitig verstärkt sich die Tendenz zu Veränderungen im Antriebsmix.

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(Bild: Seyerlein / »kfz-betrieb«)

Der Automarkt ist weltweit im ersten Halbjahr ins Minus gerutscht. Von der Entwicklung konnte sich der europäische Markt nicht abkoppeln. In den EU- und Efta-Ländern kamen nach Angaben des Herstellerverbands Acea im bisherigen Jahresverlauf knapp 8,43 Millionen Neuwagen auf die Straßen. Das waren 3,1 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Deutlich rückläufig waren dabei vor allem die Neuzulassungen in Westeuropa (-3,5 %).

Endgültig ins Minus getrieben hat den europäischen Neuwagenmarkt nicht zuletzt die schwache Entwicklung im Juni. Im sechsten Monat des Jahres wurden in den 31 von der Statistik erfassten Staaten 1,49 Millionen Neuwagen verkauft. Das war ein Rückgang um 7,9 Prozent – und die stärkste Abwärtsentwicklung in diesem Jahr. Allerdings hatte der Juni im Schnitt nur 19 Verkaufstage. Im Vorjahr standen den Händlern wegen des früheren Pfingsttermins zwei Tage mehr zur Verfügung.

Auto-Analyst Peter Fuß von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY warnt allerdings davor, den aktuell hohen Rückgang allein dem kalendarischen Effekt zuzurechnen. „Wir stehen vor einem schwierigen zweiten Halbjahr“, verdeutlicht er. Entscheidend aus seiner Sicht ist, dass sich von den großen Märkten zuletzt nur Deutschland (+0,5 %) und Frankreich (-1,8 %) relativ stabil entwickelt haben, während die Verkaufszahlen in Großbritannien (-3,4 %), Italien (-3,5 %) und Spanien (-5,7 %) deutlich zurückgehen. „Angesichts politischer Unsicherheiten in den Ländern, eingetrübter Konjunkturaussichten und der ungeklärten Brexit-Frage sind in den kommenden Monaten kaum positive Impulse für den Neuwagenmarkt in der EU zu erwarten“, sagt Fuß.

Letztlich gehen seit Einführung des neuen Abgas- und Verbrauchsprüfverfahrens WLTP im vergangenen September die Zulassungszahlen zurück, nur im Mai war die gesamteuropäische Entwicklung stabil. Wegen des WLTP-Effekts erwartet Fuß allerdings in den kommenden Monaten einen weiteren spürbaren Rückgang, da die Hersteller im Juli und August des Vorjahres massiv nicht-WLTP-zertifizierte Neuwagen in den Markt gedrückt und den Neuwagenmarkt künstlich angeheizt hatten.

Diesel im Minus, Elektro im Plus

Schwierig bleibt auf europäischer Ebene der Dieselabsatz. Während sich der Anteil der Selbstzünder-Neuzulassungen in Deutschland inzwischen bei rund 33 Prozent stabilisiert hat, sind die Zahlen in den anderen großen Märkten weiter stark rückläufig. In den fünf größten Märkten sank der Selbstzünderanteil vom ersten Halbjahr 2018 zum 1. Halbjahr 2019 von 38 auf 33 Prozent.

Kompensiert wird die Entwicklung bislang nur zum Teil durch die Verkäufe von Elektroautos. Deren Absatz legte zwar europaweit um ein Viertel zu, kommt damit aber dennoch nur auf einen Anteil an den Neuzulassungen von 2,1 Prozent. Autoanalyst Fuß sieht aber Potenzial, dass „attraktive Elektrofahrzeuge deutlich höhere Verkaufszahlen erzielen und nennenswerte Marktanteile einfahren“.

Dem rückläufigen europäischen Trend konnten sich im ersten Halbjahr nur wenige Fabrikate entziehen. Deutlich im Plus waren Mitsubishi (+13,5 %), Dacia (+10,1 %) Citroën (+6,5 %) und Seat (+6,3 %). Auf Talfahrt waren dagegen Nissan (-24,7 %), Porsche (-19,8 %) und Honda (-15,4 %).

Nur wenige Märkte mit Aufwärtstrend

Nicht viel besser sieht es weltweit nach den Zahlen des Verbands der Automobilindustrie in anderen bedeutenden Absatzregionen aus. In den USA ging das Volumen des Light-Vehicle-Marktes (Pkw und Light Trucks) im ersten Halbjahr um 2 Prozent auf 8,4 Millionen Neufahrzeuge zurück. Vor allem der Absatz klassischer Pkw ist mit einem Minus von 9 Prozent in der Krise.

Der chinesische Neuwagenmarkt schloss das erste Halbjahr 2019 mit 9,9 Millionen verkauften Pkw ab (-14 %). In Indien ging das Absatzvolumen in den ersten sechs Monaten um 10 Prozent auf 1,6 Mio. Pkw zurück und der russische Light-Vehicle-Markt lag mit 828.800 verkauften Neufahrzeugen rund 2 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Dagegen blieb das Automobilgeschäft in Japan in der ersten Jahreshälfte mit 2,3 Millionen Pkw in etwa auf Vorjahresniveau und der brasilianische Markt wuchs sogar um 11 Prozent auf knapp 1,3 Millionen Einheiten.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«