Polestar hat den Polestar 3 mit einem umfangreichen Update versehen. Von außen ist davon nichts zu erkennen, unterm Blech hat dagegen fast schon ein Paradigmenwechsel stattgefunden.
Polestar hat sein Modell 3 aufgefrischt und mit 800-Volt-Technik ausgestattet. Äußerlich ist der Wagen jedoch unverändert geblieben.
(Bild: Schmidt - VCG)
Noch vor zwei Jahren hat der damalige Polestar-Technikvorstand Lutz Stiegler in einem Interview mit dem Magazin „Edison“ die 800-Volt-Technik als Marketing-Hype eingestuft. Nun hat der zum chinesischen Geely-Konzern gehörende schwedische Hersteller den Polestar 3 mit einem 800-Volt-Bordnetz aufgewertet – so schnell kann es manchmal gehen. Der Grund für die damalige Beurteilung lag unter anderem darin, dass Polestars Ladenetzpartner Tesla bereits sehr leistungsstarke 400-Volt-Supercharger installiert hatte. Deshalb verzichtete Polestar damals darauf, zur 800-Volt-Technik passende, teure Hochvoltsysteme in die Autos zu bauen.
Doch nun hat sich einiges geändert. Tesla ermöglicht an neuen Superchargern zunehmend Ladespannung von bis zu 1.000 Volt, und passende Hochvolttechnik ist inzwischen günstiger geworden. Doch die 800 Volt sind nicht das einzige Update, das die Schweden ihrem Flaggschiff mitgegeben haben. „Die Updates am Polestar 3 sind so umfangreich, dass es sich wie ein völlig neues Auto anfühlt“, sagt Michael Lohscheller, CEO von Polestar.
Den Wagen gibt es nach wie vor in drei Varianten: mit Heckantrieb (Rear Motor), als Allradler (Dual Motor) und in einer sportlichen Allrad-Version (Performance). Alle drei hat der Hersteller mit einem neuen, intern entwickelten Permanentmagnet-Synchron-Motor an der Hinterachse ausgestattet. Der hat mehr Leistung als der Vorgänger (245 kW statt vorher 220 kW), soll aber auch effizienter arbeiten. Die Dual-Motor- und die Performance-Version haben an der Vorderachse zusätzlich einen Asynchronmotor. Das steigert die Gesamtleistung beim Dual Motor auf 400 kW und bei der Performance-Variante auf 500 kW. Der Frontmotor wird automatisch abgekoppelt, wenn er nicht im Einsatz ist. Das verhindert Schleppverluste und verbessert die Effizienz und damit die Reichweite im Alltagsbetrieb. Der neue Heckmotor sorgt laut Polestar für eine stärkere Leistungsbalance zugunsten der Hinterachse. In Kombination mit überarbeiteten Stabilisatoren und umfassend optimierter Software für die Lenkung lässt sich der Wagen trotz 2,5 Tonnen Gesamtgewicht und 4,9 Metern Länge geradezu leichtfüßig bewegen.
Das hängt auch mit der bei der Performance-Variante serienmäßigen Luftfederung zusammen. Diese ermöglicht, je nach Vorliebe, eine sportlich-straffe Abstimmung oder ein sanftes Dahingleiten mit sehr ausgewogenem Federungskomfort. Für die ersten Testfahrten stand nur die Performance-Variante zur Verfügung, deshalb war kein Vergleich mit dem Standardfahrwerk der beiden anderen Versionen möglich. Hier bleiben jedenfalls in Sachen Fahrleistung keine Wünsche offen.
Neue schnellladefähige Batterie
Die neue 800-Volt-Antriebsbatterie der Performance-Variante hat nun eine Kapazität von 106 kWh (statt wie bisher 111 kWh). Damit hat das Modell eine WLTP-Reichweite von bis zu 601 Kilometern. Bei einem Ladestand von 94 Prozent wies der Bordcomputer (bei Außentemperaturen von 35 °C) eine mögliche Reichweite von 490 Kilometern aus. Nach einer Testrunde von 82 Kilometern, die allerdings meist in gemächlichem Tempo über Landstraßen führte, zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 19 kWh/100 Kilometer an. Je nach Fahrweise sollten also bei solchen Temperaturen 500 Kilometer möglich sein.
Die Dual-Motor-Version hat ebenfalls eine Batterie mit einer Kapazität von 106 kWh, die hier eine WLTP-Reichweite von bis zu 647 Kilometern ermöglicht. Die Rear-Motor-Variante hat eine 92-kWh-Batterie und eine WLTP-Reichweite von bis zu 603 Kilometern.
Dank der 800-Volt-Technik lässt sich der Polestar 3 in der Performance- und in der Dual-Motor-Variante nun mit max. 350 kW an einer passenden DC-Säule laden. Beim Modell mit Heckantrieb sind es maximal 310 kW. Laut Werksangaben braucht eine Ladung von 10 auf 80 Prozent dadurch bei allen drei Varianten 22 Minuten. Das sei 25 Prozent schneller als beim Vorgänger. An AC-Säulen ist Laden mit maximal 11 kW möglich.
Gewöhnungsbedürftige Bedienung
Im Innenraum fühlt man sich schnell wohl, die Materialien wirken durchaus hochwertig. Die gut konturierten Sitze bieten zudem umfangreiche Einstellmöglichkeiten. Dank einer neuen, optionalen elektrochromen Folie im Glasdach kann man zudem das Dach undurchsichtig machen, um die Sonneneinstrahlung und damit das Aufheizen des Innenraums zu verringern.
Stand: 08.12.2025
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Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die sehr auf den mittleren Touchscreen konzentrierte Bedienphilosophie. Viele Funktionen lassen sich leider nur über diesen Bildschirm und in Untermenüs bedienen. Das lenkt manchmal relativ lange ab. Allerdings kann man sich im neuen Polestar 3 mit Google-Gemini unterhalten, wenn man etwa vergessen hat, wie man eine Funktion im Auto ausführen kann. Künftig soll der digitale Assistent auch in der Lage sein, viele Funktionen per Sprachbefehl selbst auszuführen. Ferner haben die Entwickler das Lenkrad jetzt mit hinterleuchteten Symbolen versehen, um die Bedienung zu vereinfachen. Beim Vorgänger waren die Tasten am Lenkrad noch unbeschriftet.
Mit dem Gesamtpaket aus Design, Ausstattung und Performance müsste Polestar durchaus in der Lage sein, den Wettbewerbern im Premium-Segment bei den SUVs den einen oder anderen Kunden abspenstig zu machen. Das wird auch notwendig sein, um am Markt bestehen zu können. Zumal der Hersteller ab dem Modelljahr 2027 in den USA keine neuen Modelle mehr verkaufen darf. Somit wird der europäische Markt immer wichtiger für die Schweden. Immerhin können sie hierzulande aktuell zulegen. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres stiegen die Neuzulassungen laut KBA im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 30 Prozent auf 1.826 Neuzulassungen an. Weltweit konnte die Marke nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr sogar um 34 Prozent zulegen.