Porsche: Der Zweck heiligt die Mittel-Motoren

Teil belächelt, teils verspottet – dennoch ein Erfolg

| Autor: Steffen Dominsky

Flower Power? Der Porsche 914 feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag.
Flower Power? Der Porsche 914 feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. (Bild: Porsche)

Es war eine automobiltechnische „Groko“, Ende der Sechziger. VW brauchte einen Nachfolger für den „großen“ Karmann Ghia (Typ 34) – und zwar einen, der bitte nicht nur sportlich aussah –, und Porsche drängte es zu einem bezahlbaren Einsteigerwagen. Per Handschlag beschlossen Ferry Porsche und VW-Chef Heinrich Nordhoff den Bau eines gemeinsamen Sportwagens. Doch kaum war der fertig, verstarb Nordhoff. Sein Nachfolger Kurt Lotz wollte den 914 für Volkswagen allein. Als Kompromiss gründeten beide Autobauer Anfang 1969 die „VW-Porsche Vertriebs GmbH“ (kurz VG), die bald vom Stuttgarter Porsche-Gelände ins nahe gelegene Ludwigsburg umzog – deshalb hatten die Pressefahrzeuge damals auch „LB“-Kennzeichen.

In Europa wurde der 14er daraufhin von der VG als VW-Porsche verkauft. Der Volksmund taufte ihn auf den Namen Volksporsche oder gar VoPo. Als Hersteller führte das Kraftfahrtbundesamt die Vierzylindermodelle als Volkswagen, nur die gerade mal in 3.338 Einheiten gebauten Sechszylindermodelle waren zulassungstechnisch Porsche zugeordnet. Doch egal, ob VW oder Porsche: Ein halbes Jahrhundert später feiert Porsche bzw. das hauseigene Museum das technisch ungewöhnliche Fahrzeugkonzept in Form einer Sonderausstellung. Wie vielfältig der 914 war und welchen Kreationen er als Basis diente, zeigen zwölf ausgesuchte Exponate der Sonderausstellung „50 Jahre Porsche 914 – Typisch Porsche“, die noch bis zum 7. Juli 2019 läuft.

Sportwagenrezept: hohe Leistung, niedriges Gewicht und Mittelmotor

Neben Serienmodellen des 914/4 bzw. 914/6 sind auch der erste jemals gebaute 914 und einer der beiden Porsche-Prototypen mit Achtzylinder-Rennmotor zu sehen. Ebenso wird der 914/6 GT ausgestellt, das erste Safety Car der Welt. Versehen mit neuen Sicherheitssystemen und einer modernen Feuerlöschanlage wurde es 1972 der Obersten Nationalen Sportbehörde (ONS) zur Verfügung gestellt. Aus privater Hand stammt ein Umbauprojekt mit 350 PS starkem V8-Motor aus einem 928 GTS sowie ein 916. Der VW-Porsche inspirierte darüber hinaus den berühmten Auto-Designer Albrecht Graf von Goertz und den französischen Karossier Heuliez zu eigenen 914-Sportwagen-Kreationen, die ebenfalls zu sehen sind.

Das VW-Triebwerk des 914/4 war eine komplette Neuentwicklung. Aus 1,7 Litern Hubraum entwickelte der Vierzylinder dank seiner D-Jetronic-Einspritzanlage von Bosch 80 PS bei 4.900 Umdrehungen. Damit sprintete der 914 in 13 Sekunden auf Tempo 100 und erreichte 177 km/h. Der Porsche-Sechszylinder stammte dagegen aus dem 911 T und hatte obenliegende Nockenwellen, Dreifachvergaser und Hochleistungs-Kondensatorzündung. Der Zweiliter-Boxer kam auf 110 PS bei 5.800 min Umdrehungen und war damit nicht nur wesentlich stärker, sondern auch drehfreudiger als der VW-Motor. Mit einem Trockengewicht von 900 Kilogramm und 940 Kilogramm beim Sechszylindermodell verfügte der 914 über ein ausgesprochen vorteilhaftes Leistungsgewicht.

Zwei Einzelanfertigungen des 914 S mit Achtzylinder-Rennmotor

Ein ganz anderes Kaliber war der 914 S mit acht Zylindern. Vor der Hinterachse saß hier der drei Liter große Boxermotor aus dem Porsche-908-Rennwagen. Das Triebwerk des ersten Wagens kam dank Einspritzung auf rund 300 PS und ging als Versuchsfahrzeug an den damaligen Entwicklungschef Ferdinand Piëch. Im zweiten Fahrzeug leistete der Achtzylinder mit Vergasern 260 PS. Es war ein für den Straßenverkehr zugelassenes Geburtstagsgeschenk zum Sechzigsten von Ferry Porsche. Beide 914 S erreichten rund 250 km/h Spitzengeschwindigkeit. Die beiden Sonderanfertigungen lieferten die konstruktive Basis für eine Kleinserie hochmotorisierter 914 im Jahr 1971. Elf Fahrzeuge waren mit Sechszylindermotoren aus den damals stärksten aktuellen Modellen 911 S und Carrera 911 RS mit 190 PS und 210 PS bestückt und für motorsportliche Einsätze optimiert. Sie trugen die Bezeichnung 916.

Der unverwechselbare Zweisitzer mit dem charakteristischen Targa-Dach war vor allem für jüngere Käuferschichten gedacht. Mit einem Grundpreis von anfangs 11.955 DM entwickelte sich die Porsche-914-Modellreihe zu einem Verkaufsschlager. Zwischen 1969 und 1975 wurden vom 914 in der Vierzylinder-Version 115.631 Exemplare gebaut. Die meisten Fahrzeuge wurden in die Vereinigten Staaten exportiert, wo der 914 als reiner Porsche ohne den VW-Namenszusatz vermarktet wurde. Den in den Jahren 1969 bis 1972 produzierten 914/6 beerbte sodann der 914/4 mit dem auf 2,0 Liter Hubraum vergrößerten Vierzylinder, der 100 PS/74 kW leistete. Er erreichte annähernd die Fahrleistungen des 10 PS stärkeren, aber rund 40 kg schwereren Wagens mit Sechszylindermotor. Vor allem aber war er deutlich günstiger als dieser. Der Abstand des 914/6 zum billigsten „echten“ Porsche, dem 911 T, war einfach zu gering gewesen. Sportlich trat der Volksporsche vor allem mit seinem Dreifachsieg beim Langstreckenrennen „Marathon de la Route“ 1970 auf dem Nürburgring ins Licht der Öffentlichkeit. Im selben Jahr gewann ein 914/6 GT zudem die GT-Klasse beim 24h-Rennen in Le Mans.

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