Porsche-Schauraum-Pilot auf Sylt: „Wir wollen ein guter Gastgeber sein“

Autor: Jens Rehberg

Andere Hersteller machen ihre Flagship-Stores in Ballungszentren auf. Porsche geht – sicher auch aus Kostengründen – auf eine Insel. Um Interessierte in dem eher unauffälligen Bau besonders herzlich zu empfangen, kommen zwei der drei Mitarbeiter aus der Hotellerie.

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Stampfbeton statt Signalisation: Der Schauraum-Pilot des Herstellers präsentiert sich eher zurückhaltend.
Stampfbeton statt Signalisation: Der Schauraum-Pilot des Herstellers präsentiert sich eher zurückhaltend.
(Bild: Porsche / 2017 Getty Images)

Am 1. April hat Porsche auf Sylt offiziell ein Pilotprojekt mit einem Flagship-Store eröffnet, der hauptsächlich auf die Marke einzahlen soll – weder Verkauf noch Service finden dort statt. Und auch sonst hat das Gebäude mit seiner Stampfbetonfassade nicht viel mit einem Porsche-Zentrum gemein. »kfz-betrieb« hat mit Barbara Vollert, die bei Porsche die Händlernetzentwicklung leitet, und Porsche-Deutschland-Chef Jens Puttfarcken über das neue Konzept gesprochen.

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Redaktion: Andere Hersteller gehen mit ihren Flagship-Stores in die Zentren der Ballungsgebiete – dahin, wo es laut und quirlig ist. Porsche geht jetzt dahin, wo es eher ruhig zugeht …

Jens Puttfarcken: In Deutschland haben wir uns ganz bewusst dafür entschieden, dorthin zu gehen, wo unsere Kunden sind. Das können die Innenstädte sein, das kann aber auch ein Ort wie Sylt sein, wo die Menschen in einem anderen Modus sind. Denn auf der Insel haben die Leute in der Regel viel Zeit. Das wollen wir nutzen, indem wir Interessenten die Möglichkeit geben, sich hier auf unterhaltsam-spielerische oder informative Weise mit der Marke zu beschäftigen. Wir können hier einen entspannten, einfachen Zugang zur Marke öffnen und haben nicht das Problem, den Interessenten in einer eher hektischen Situation zu begegnen.

Barbara Vollert: International planen wir dagegen gerade zwei ähnliche Pilotprojekte, die sich mitten in Ballungszentren befinden. Noch in diesem Jahr werden wir ein solches Format in Beirut und auch im chinesischen Guangzhou eröffnen. Beide Projekte werden von Vertriebspartnern betrieben. Wir passen das Format den Gegebenheiten des jeweiligen Marktes an. Das wird sich auch in der unterschiedlichen Gestaltung der Schauräume niederschlagen.

Auf Facebook schreibt ein User über seinen Besuch, von der Herzlichkeit dort könne sich manche Niederlassung ein Scheibchen abschneiden. Was für Personal haben Sie auf Sylt im Einsatz?

Jens Puttfarcken: Wir haben drei Mitarbeiter im Schauraum und einen weiteren in der kleinen Werkstatt, die wir in Kürze in einem Nebengebäude eröffnen werden. Im Schauraum haben wir einen Mitarbeiter, der in den letzten Jahren für Porsche Deutschland im Außendienst tätig war. Die beiden anderen Mitarbeiter kommen aus dem Hotelgewerbe.

Was passiert in der Werkstatt?

Jens Puttfarcken: Die Werkstatt wird sich hauptsächlich um den Fuhrpark von Porsche Drive kümmern – in der Hochsaison werden wir zwölf Fahrzeuge hier haben, die tageweise ausgeliehen werden können. Natürlich leisten wir bei Bedarf auch Pannenhilfe.

Kommt Porsche Drive eigentlich auch in die Porsche-Zentren?

Barbara Vollert: Im Moment bieten wir das Vermiet-Konzept nur in unserem Museum in Stuttgart, in der Berliner Niederlassung und jetzt auf Sylt an. Wir können uns durchaus vorstellen, das auf den Handel auszuweiten, um alternative Probefahrtsituationen zu schaffen und auch eine breitere Modellpalette verfügbar zu machen. Zudem werden wir auf Sylt das so genannte Drop-Off-Konzept erproben, bei dem Kunden vor Ort ihr Fahrzeug zur Reparatur oder zur Wartung abgeben können, die dann aber im Porsche-Zentrum in Kiel durchgeführt wird. Im Fall einer Panne bekommt ein Tourist seinen Porsche auf Wunsch auch in seinen Heimatbezirk überführt. Ersatzfahrzeuge haben wir vor Ort. Diese Dinge verstehen wir im Übrigen als Ergänzung des Angebots der Händler, nicht etwa als Ersatz.

Wie umfangreich wollen Sie diese Drop-Off-Punkte in Deutschland ausrollen?

Barbara Vollert: Momentan handelt es sich wirklich nur um einige Pilotprojekte, die wir weltweit in unterschiedlichen Ausprägungen erproben. In San Francisco kooperieren wir beispielsweise mit dem Fairmont Hotel – so sparen sich viele Kunden die Fahrt über die Golden Gate Bridge. In New York bereiten wir gerade ein Projekt vor, bei dem Kunden über eine App selbst bestimmen können, wann und wo ihr Fahrzeug abgeholt werden soll und wohin sie es wieder zurückgebracht haben möchten.

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Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk des »kfz-betrieb«