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Praxistest für E-Highway nimmt Fahrt auf

| Autor / Redakteur: dpa / Viktoria Hahn

Auf der A1 in Schleswig-Holstein fährt der erste Oberleitungs-LKW, auf der A5 in Hessen läuft der Versuch bereits seit mehreren Monaten. Doch für eine Zwischenbilanz ist es noch zu früh, sagen die Speditionen.

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Auf der A5 zwischen Langen/Mörfelden und Weiterstadt/Darmstadt wird der elektrische Lkw-Verkehr bereits seit Mai 2019 erprobt.
Auf der A5 zwischen Langen/Mörfelden und Weiterstadt/Darmstadt wird der elektrische Lkw-Verkehr bereits seit Mai 2019 erprobt.
(Bild: Hessen Mobil)

Nach Hessen hat jetzt auch Schleswig-Holstein mit dem Praxistest für den Elektro-Highway begonnen. Auf der A1 zwischen Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck ist mehrmals täglich der erste Hybrid-Lkw einer Reinfelder Spedition unterwegs. Sein Ziel: der Lübecker Hafen.

Dort sei der Sattelzug mit dem Stromabnehmer auf dem Dach des Fahrerhauses noch ein Exot, sagt Berufskraftfahrer Detlev Gramkow von der Spedition Bode. Die Strecke auf der A1 bei Lübeck ist eine von insgesamt dreien in Deutschland, auf denen ein Oberleitungssystem zur Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge in der Praxis erprobt werden soll.

Erste Auswertung Mitte 2020

Eine zweite Teststrecke befindet sich auf der A5 in Hessen. Dort sind auf dem Abschnitt zwischen Langen und Weiterstadt bereits seit Mai 2019 zwei Hybrid-Lkw unterwegs, drei weitere sollen nach Angaben der projektleitenden Verkehrsbehörde Hessen Mobil in den nächsten Monaten folgen. Mit einer Zwischenauswertung sei vermutlich Mitte 2020 zu rechnen. Die dritte Teststrecke ist in Baden-Württemberg geplant.

„An das etwas andere Fahrgefühl habe ich mich schnell gewöhnt“, sagt Kraftfahrer Gramkow, während sein Hybrid-Lastwagen fast lautlos vom Hof der Spedition im schleswig-holsteinischen Reinfeld rollt. „Nur der Moment, wenn der Stromabnehmer ausfährt und sich an die Oberleitung andockt, erfordert Konzentration“, sagt er.

Andere Lkw-Fahrer zeigen Interesse

Unterstützt wird der Fahrer dabei von moderner Satellitentechnik. Das Fahrzeug erkennt, wenn es sich unter der Oberleitung befindet. Dann leuchtet auf der Armaturentafel ein grünes Lämpchen auf und der auch Pantograf genannte Stromabnehmer fährt automatisch aus. Bei der Fahrt mit E-Antrieb wird die Batterie aufgeladen, so dass der Lkw auch ohne Oberleitung elektrisch fahren kann.

Detlev Gramkow von der Spedition Bode bringt häufig Sattelauflieger mit Lebensmitteln zum Fährterminal Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde. „Dort werde ich häufig von anderen Lkw-Fahrern auf meine Zugmaschine angesprochen. Sie fragen, was es denn mit den Auslegern auf dem Dach auf sich habe, und ob das mit dem elektrischen Fahren klappe“, erzählt der 52-Jährige.

Doch nicht immer funktioniert die Technik reibungslos. „Heute Morgen war in der Oberleitung zunächst kein Strom“, berichtet Gramkow. Der Grund: Wegen einer Baustelle direkt unter der Oberleitung war der Strom aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden. „Beim Wiedereinschalten hat es offenbar einen Fehler gegeben. Nach einem kurzen Anruf in der Leitstelle war der Strom schnell wieder da“, erzählt er.

Lohnt sich der E-Highway?

Speditionschef Marc-Philipp Bode kann zur betriebswirtschaftlichen Bilanz nach so kurzer Zeit noch keine Aussage machen. „Wie viel Kraftstoff wir mit den Hybrid-Fahrzeuge einsparen und um wie viel sich unser Kohlendioxid-Ausstoß reduziert, wird sich in den nächsten Monate zeigen“, sagt er. „Doch wir finden diese Technik interessant und auch unsere Fahrer nehmen sie gut an“, sagt der Juniorchef. Auf jeden Fall werde seine Firma weitere Hybrid-Lkw leasen. „Dieser Beitrag zum Klimaschutz wird auch unseren Kunden immer wichtiger“, meint Bode.

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