Mit der Submarke IM strebt MG nach Höherem: 800-Volt-Technik, 100-kWh-Batterie und bis zu 553 kW/751 PS Leistung versprechen ein E-Auto-Erlebnis auf beschleunigtem Niveau. Am Feinschliff fehlt es aber noch.
Der IM6 ist so etwas wie die Crossover-Variante des IM5.
(Bild: MG Motor)
MG erweitert sein Programm nach oben und schickt eine eigene Submarke ins Rennen: IM, so der Name, steht für „Intelligence in Motion“ und soll das Preisbrecher-Image der SAIC-Tochter in höhere Gefilde tragen. Los geht es mit zwei eng verwandten Modellen der oberen Mittelklasse, der Fastback-Limousine MG IM5 ab 54.000 Euro und dem SUV MG IM6 ab 57.000 Euro.
Optisch wie technisch trennt die beiden Neuankömmlinge wenig. Sie teilen sich die Plattform und eine glatte Formensprache mit kurzer, flach abfallender Front, rahmenlosen Türen samt versenkten Griffen und einer weit nach hinten gezogenen Dachlinie. Dabei fällt der IM5 mit coupéhafter Silhouette und niedriger Karosserie etwas schlanker aus, während der IM6 als SUV dasselbe Thema einfach höherstellt. Wirklich eigenständig wirkt das Ganze noch nicht. Je nach Perspektive sind Anleihen bei Tesla, Porsche oder gar Aston Martin nicht wegzudiskutieren. Sauber gezeichnet sind die Autos trotzdem.
Der IM5 ist 4,93 Meter lang bei einer Höhe von 1,47 Metern, der IM6 ist minimal kürzer, dafür fast 20 Zentimeter höher. Ein Radstand von jeweils 2,95 Metern sorgt für ein großzügiges Platzangebot. Entsprechend sitzen Großgewachsene vorn wie hinten bequem, allein die Oberschenkelauflage in der zweiten Reihe könnte länger ausfallen. Beim Gepäck liegt das SUV klar vorn und fasst 665 bis 1.640 Liter plus 32 Liter im Frunk, während der IM5 auf 457 bis 1.290 Liter und 18 Liter im Frunk kommt. Anhängen dürfen beide bis zu 1.500 Kilogramm.
Das Interieur wirkt aufgeräumt und hochwertig. Über die Armaturentafel zieht sich ein 26,3 Zoll großes Panoramadisplay, dazu kommt ein 10,5-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole. Der liegt in passabler Griffweite, spiegelt aber häufig und zeigt schnell Fingerabdrücke. Vor allem aber zieht er die Aufmerksamkeit des Fahrers zu oft von der Straße ab, denn die meisten Einstellungen laufen über den Bildschirm.
Für die Klimaregelung wünscht man sich ein paar Knöpfe, und wer speziellere Funktionen sucht, muss teils unlogische Menüwege gehen. Ärgerlich ist außerdem, dass der Lenkradkranz das Fahrerdisplay zerschneidet und ein Head-up-Display gar nicht angeboten wird. Gelungen sind dagegen die gekühlte 50-Watt-Induktionsladeschale oder die griffigen Ablagen. Die aktive Geräuschunterdrückung hält den Innengeräuschpegel bemerkenswert niedrig.
Sportlich mit Schwächen
Trotz eines Leergewichts von weit über zwei Tonnen lassen sich beide IM-Modelle ziemlich sportlich bewegen. Dabei arbeitet die Lenkung präzise und ausreichend straff. Die serienmäßige Allradlenkung schlägt hinten bis zu sechs Grad ein und drückt den Wendekreis der knapp fünf Meter langen Autos auf 9,98 beziehungsweise 10,18 Meter. Beim IM6 macht sich der höhere Schwerpunkt bemerkbar, weshalb der IM5 die sportlichere Wahl bleibt. Dafür ist das SUV gegen 2.000 Euro Aufpreis mit einem adaptiven Luftfahrwerk zu haben, allerdings nur mit Allradantrieb.
Zu kritisieren bleibt die maue Spreizung der Fahrmodi beim SUV mit Luftfahrwerk, denn „Sport“ dürfte straffer ausfallen und „Komfort“ mehr wegschlucken. Gleiches gilt für die Rekuperation beider Modelle, die selbst in der stärksten Stufe kaum spürbar ist. Eine effektivere Energierückgewinnung sei in Vorbereitung, heißt es bei MG. Auf One-Pedal-Fahren verzichtet MG ganz und verweist auf die Sicherheit.
Beim Vortrieb bewegen sich beide Modelle auf Sportwagen-Niveau. Das Leistungsangebot reicht von 300 kW/407 PS mit Heckantrieb bis zu 553 kW/751 PS mit Allrad. Die Beschleunigung der Topversionen auf Tempo 100 ist mit 3,2 Sekunden (IM5) beziehungsweise 3,5 Sekunden (IM6) schlicht irrwitzig. Erst bei 268 und 239 km/h ist Schluss.
Technikdaten und Marktziele
Im Unterboden steckt in beiden Fällen dieselbe NMC-Batterie (Nickel-Mangan-Kobalt) mit 96,5 kWh, die dank 800-Volt-Architektur flotte 396 kW Ladeleistung bietet. Von zehn auf 80 Prozent vergehen unter optimalen Bedingungen 17 Minuten. Beim Wechselstrom ist dagegen bei mittelmäßigen 11 kW Schluss. Die WLTP-Reichweiten fallen ordentlich aus und liegen beim IM5 bei 710 Kilometer mit Heckantrieb und 575 Kilometer mit Allrad. Der höhere und schwerere IM6 kommt auf 625 beziehungsweise 545 Kilometer, mit Luftfahrwerk sinkt der Wert auf 505 Kilometer. Den Start machen zwei reine Stromer, festgelegt ist die Baureihe darauf aber nicht. Auf dieser Basis wäre auch ein Plug-in-Hybrid denkbar.
Stand: 08.12.2025
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Die Modellstruktur bleibt übersichtlich, denn von beiden Baureihen gibt es je eine Version Premium und eine Premium AWD. Dazu kommt eine kurze Aufpreisliste mit Metallic-Lack für 790 Euro und hellem Interieur für 650 Euro. Serienmäßig an Bord sind unter anderem ein Panorama-Glasdach, belüftbare Vordersitze und das Assistenzpaket IM AD. Die Garantie läuft sieben Jahre oder 150.000 Kilometer. Gemessen daran, was etablierte Anbieter für 100 kWh und 800-Volt-Technik aufrufen, sind die Pakete gut geschnürt.
Mit IM5 und IM6 zeigt MG, dass der Hersteller konsequent an der Weiterentwicklung arbeitet. Das Fundament dafür steht. Mit einer wachsenden Modellpalette, scharf kalkulierten Angeboten und mittlerweile rund 200 Standorten kommt MG im laufenden Jahr bereits auf mehr als 23.000 Neuzulassungen. Das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr, der Marktanteil liegt bei 1,2 Prozent. Abgehobene Absatzziele verfolgt MG mit IM indes nicht. Dem Hersteller geht es zunächst darum, die eigene Entwicklungskompetenz zu demonstrieren und einen Weg für Aufsteiger zu weisen.