Reportage: Weltenergiegipfel im Wüstensand

Autor / Redakteur: Sebastian Viehmann / Jens Rehberg

Sonne und Wind, Algen im Tank und CO2-neutrale Häuser: Auf dem Weltenergiegipfel in Abu Dhabi dreht sich alles um die Energieversorgung der Zukunft. In der fahren natürlich immer mehr Autos mit Batterien und Brennstoffzellen.

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Auf den Parkplätzen Abu Dhabis regiert heute noch das Oberklasse-Segment.
Auf den Parkplätzen Abu Dhabis regiert heute noch das Oberklasse-Segment.
( Archiv: Vogel Business Media )

So ganz will das nicht zusammenpassen: Im voll besetzten Sitzungssaal des World Future Energy Summit (WFES) geben sich Staats-Chefs die Klinke in die Hand und beschwören die Energiewende, doch draußen vor der Halle warten dutzende Nobelkarossen mit laufenden Motoren. In Abu Dhabi sind dicke S-Klassen, 7er BMWs und Lexus-Geländewagen so alltäglich wie ein Golf in Deutschland, der Sprit ist billig und die Klimaanlage stets auf voller Kraft.

Doch auch im Land der Petrodollars bereitet man sich auf die Zeit nach dem Öl vor, setzt auf Solarenergie und stampft seit 2008 die Öko-Modellstadt Masdar City aus dem Wüstensand. In ganz Abu Dhabi sollen eine solarbetriebene LED-Straßenbeleuchtung eingeführt und Gebäude energieeffizienter werden. Ein neues Bewässerungssystem könnte den Umgang mit dem kostbaren Rohstoff Wasser verbessern.

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Selbst wenn die Finanzkrise Abu Dhabi und noch mehr das schillernde Dubai in ihren Wachstumsplänen etwas ausgebremst hat, ist in den Emiraten nach wie vor viel Geld zu verdienen. So ist denn auch bereitwillig alles zum Gipfel gekommen, was in der Energiebranche Rang und Namen hat.

Zwischen einer Fülle von Solar-Firmen präsentiert der dänische Vestas-Konzern seine neueste Windturbinen-Generation, Siemens zeigt Know-how in der Wind- und Solartechnik und hat als Eyecatcher ein elektrisches Motorrad auf den Stand gestellt. Auch die Mineralölkonzerne bereiten sich auf die Zeit nach dem Öl vor und bemühen sich um ein grünes Image. ExxonMobil untersucht mit Projekten in Australien, Norwegen und den USA Möglichkeiten zur Abscheidung und unterirdischen Speicherung von CO2 beim Betrieb von Gas- und Kohlekraftwerken. Und während die Spritproduzenten vor ein paar Jahren noch den Tiger in den Tank packten, könnten dort bald Algen herumschwappen. In Kalifornien hat ExxonMobil Treibhäuser errichtet und will erforschen, welche Algen sich am besten zur Umwandlung in Biokraftstoffe eignen. Der Mineralöl-Riese will in den nächsten zehn Jahren mehr als 600 Millionen US-Dollar in das Projekt stecken.

Tragbare Lithium-Ionen-Akkus für zu Hause

Ein weiterer Schwerpunkt des Gipfels sind neue Wohnformen. Japans Energieforschungs-Organisation NEDO etwa präsentiert das „Zero-Emission-Haus“. Es hat unter anderem durchsichtige Solarpaneele in der Wohnzimmerdecke, Fußböden aus Recycling-Holz sowie Brennstoffzellen und tragbare Lithium-Ionen-Akkus als Energiespeicher. Den Strom erzeugt man im Null-Emissions-Haus natürlich in Eigenregie – mit Solarzellen und einem kleinen Windrad im Garten.

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