Es kommen immer mehr elektrische Gebrauchtwagen zurück auf den Markt. Aber wie viele werden es wirklich und wie entwickeln sich die Preise? Worauf sich die Branche einstellen muss, zeigten Experten auf dem Deutschen Remarketing Kongress 2024 in Würzburg.
Alle Augen nach vorn: Die Zukunft des Gebrauchtwagengeschäfts geht immer stärker Richtung Elektromobilität. Die Vermarktung elektrischer Gebrauchtwagen war daher Schwerpunktthema auf dem Deutschen Remarketing Kongress 2024.
(Bild: Achter – VCG)
Die Nachfrage nach Elektroautos ist derzeit schwach und die Restwerte elektrischer Gebrauchtwagen sinken. Gleichzeitig wächst das Volumen der Fahrzeuge und damit der Vermarktungsdruck. Inwiefern gebrauchte Stromer künftig den Markt überschwemmen und wie sich Händler am besten darauf einstellen, erklärten Referenten auf dem Deutschen Remarketing Kongress 2024, der am 28. Februar im Würzburger Vogel Convention Center stattfand.
Benjamin Kibies, Senior Automotive Analyst bei dem Marktforschungsunternehmen Dataforce, traf auf der Veranstaltung eine Prognose über die künftigen rein batterieelektrischen Rückläufer am Markt. 2024 kommen Berechnungen des Unternehmens zufolge 233.000 gebrauchte Elektroautos in den Markt zurück, sowohl durch auslaufende Leasingverträge als auch durch Weiterverkäufe. Im Vergleich zu 2023 bedeutet das einen deutlichen Anstieg um 85 Prozent: Letztes Jahr kamen 126.000 Elektroautos gebraucht auf den Markt, berichtete Kibies. In den kommenden Jahren wird sich das Volumen weiter erhöhen. 2029 rechnet der Analyst mit 923.000 elektrischen Rückläufern. Elektroautos würden damit 30 Prozent aller Rückläufer ausmachen. 2024 wird dieser Anteil voraussichtlich 9 Prozent betragen.
Die BEV-Neuzulassungen hingegen werden sich nach Erwartungen von Dataforce zunächst einbremsen. Kibies rechnet mit einem Rückgang um 8 Prozent auf 483.000 Neuzulassungen im Jahr 2024. Das sei aber eher als „eine Art Atempause“ zu verstehen. Die Nachfrage werde dann wieder ansteigen, allein schon weil die Hersteller das Angebot günstigerer Elektroautos ausbauen. Außerdem dürfte es immer mehr Wiederkäufer geben: Einer Umfrage von Dataforce zufolge würden 93 Prozent der BEV-Fahrer erneut ein Elektroauto kaufen.
Rabatte drücken auf die Restwerte
Doch zunächst müssen Handel und Hersteller um Abnehmer für ihre Elektroautos kämpfen. Hersteller und Importeure tun das derzeit mit teils saftigen Rabatten. Nachdem die Bundesregierung den Umweltbonus im Dezember über Nacht einkassierte, sind die Hersteller ebenso prompt eingesprungen und gewähren großzügige Nachlässe. Das drückt auf die Restwerte der Gebrauchtwagen, betonte Martin Weiss, Leiter Fahrzeugbewertung bei der Deutschen Automobil Treuhand (DAT).
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Ein Blick zurück zeigt, dass die Restwerte von Elektroautos mit der Einführung des Umweltbonus im Jahr 2020 bis Mitte 2021 deutlich auf Talfahrt gingen, weit unter das jetzige Niveau. Im Zuge der Lieferkrise stiegen die Werte dann 2021 stark an. Seit Mitte 2023 sind sie nun wieder im Rückwärtsgang und dürften zunächst weiter sinken. Im Dezember 2023 erzielten dreijährige Stromer noch 56,7 Prozent ihres Neuwagenpreises (Benziner: 68,1 %).
Für Händler gilt es nun, den Markt genau im Blick zu haben. Bei der DAT selbst sei man überrascht, wie sehr man derzeit die Fahrzeugwerte Monat für Monat anpassen müsse, berichtete Weiss. Die Angebots- und Verkaufspreise klaffen derzeit je nach Segment um 2.000 bis 8.000 Euro auseinander, so der Experte. Von sinkenden Restwerten besonders stark betroffen sind die teuren Segmente. Die Restwerte großer BEVs seien vom Höchstwert 73,5 Prozent auf nun 54 Prozent abgestürzt. Kleine Fahrzeuge wie der Renault Zoe hatten zwar nie solche Höhen erreicht, erweisen sich nun aber als wertstabiler.
Auswirkungen auf die Restwerte der gesamten Branche hatten auch die Neupreis-Anpassungen bei Tesla. Bei dem amerikanischen Autobauer selbst sanken die Restwerte des Tesla Model 3 von 78,2 Prozent 2022 auf zuletzt 58,4 Prozent.
Batteriezertifikat wird unabdingbar
Ein wichtiger Faktor bei der Bestimmung der Restwerte gebrauchter Elektroautos ist der Zustand der Batterie. Der Gesundheitszustand des Akkus ist mittlerweile Bestandteil der DAT-Bewertung. Auch der Handel sollte Kunden ein solches Zertifikat anbieten, um das Vertrauen in die Technologie zu steigern, darin waren sich die Experten auf dem Kongress einig.
Ein Batterietest, wie ihn beispielsweise Dekra anbietet, gibt Aufschluss über das tatsächliche Restspeichervermögen der Batterie und sollte bei jedem Ankauf durchgeführt werden.
Tipps für E-Autos im Bestand
Angesichts der steigenden Standzeiten gebrauchter E-Autos stellt sich auch die Frage, was Autohändler beachten müssen, wenn sie diese Fahrzeuge längere Zeit lagern. Dazu äußerte sich Michael Tziatzios von Dekra in seinem Vortrag. Wichtigste Botschaft: Lithium-Ionen-Batterien sollten möglichst nie, und schon gar nicht für längere Zeit, mit einem Ladestand von 100 Prozent abgestellt werden. Denn dadurch leidet das Speichervermögen der Batterie besonders stark. Der beste Ladestand für längere Standzeiten liegt zwischen 20 und 50 Prozent.
Generell müssten Gebrauchtwagenhändler laut Tziatzios bei Hochvoltbatterien zudem zwischen der kalendarischen und der zyklischen Alterung unterscheiden. So könnte zum Beispiel der vergleichsweise kleine Speicher eines Plug-in-Hybriden, der jeden Tag komplett entladen und wieder geladen wird, schon nach 20.000 Kilometern stärker gealtert sein als etwa ein Elektroauto mit großer Batterie nach 100.000 Kilometern.
Stand: 08.12.2025
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