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Scherer-Gruppe übernimmt Konkurrenten Mühlenberg

Autor: Andreas Grimm

Ein ähnliches Markenportfolio und ein angrenzendes Marktgebiet: Mit der Übernahme der Mühlenberg-Autohäuser könnte das Familienunternehmen von Geschäftsführer Christian Scherer bald zu den zehn größten Autohändlern in Deutschland gehören.

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Der geschäftsführende Gesellschafter Christian Scherer erläuterte auf einer Betriebsversammlung der übernommenen Mühlenberg-Gruppe den neuen Kollegen seine Pläne.
Der geschäftsführende Gesellschafter Christian Scherer erläuterte auf einer Betriebsversammlung der übernommenen Mühlenberg-Gruppe den neuen Kollegen seine Pläne.
(Bild: Scherer-Gruppe)

Die Scherer-Gruppe nimmt Anlauf für eine Platzierung in den Top-Ten der größten Autohausgruppen in Deutschland. Nach eingehenden Verhandlungen übernimmt das auf die VW-Konzernmarken spezialisierte Handelsunternehmen mit Stammsitz in Simmern zum 1. November die meisten Standorte der regional benachbarten Mühlenberg-Gruppe mit Sitz in Ludwigshafen, die ebenfalls mehrere VW-Konzernmarken vertritt. Vor wenigen Tagen hatte das Bundeskartellamt der Übernahme zugestimmt.

Damit wächst die Scherer-Gruppe auf 34 Autohäuser an 20 Standorten. Die Betriebsstätten liegen überwiegend in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Hessen. Dazu kommen jeweils ein Standort in Baden-Württemberg (Ladenburg) und im nördlichen Bayern (Aschaffenburg). In der Vorderpfalz war Scherer bislang in Neustadt/Weinstraße aktiv, nun kommen drei Standorte in Ludwigshafen sowie einer in Bad Dürkheim hinzu. Ebenfalls übernommen werden die Standorte in Ladenburg (nahe Mannheim) und St. Ingbert. Letzterer ergänzt die bisherigen vier Scherer-Standorte im Saarland.

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Auch aus Markensicht ist der Erwerb der Mühlenberg-Häuser sinnvoll. Beide handeln mit Fahrzeugen der Marken VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi und Skoda, Scherer vertritt zusätzlich noch Porsche und Seat. Ausweislich der Liste der größten Autohändler des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) summierte sich der Scherer-Umsatz im Jahr 2015 auf 618 Millionen Euro. Die Mühlenberg-Gruppe erreichte rund 85 Millionen Euro. Der konsolidierte Umsatz mit über 700 Millionen Euro würde nach diesem Stand für einen Platz in den Top-Ten der IfA-Liste reichen.

Abgesehen vom rein statistischen Ranking bleibt sich Scherer mit der Übernahme vor allem seiner Strategie treu, Zukäufe nur in angrenzenden Regionen zu tätigen. „Das erleichtert uns den Austausch zwischen den Betrieben und eine abgestimmte Marktbearbeitung“, erläutert Scherer-Sprecher Ralph Paulus. Diese Strategie hatte sich zuletzt beim Anschluss von Auto Rossel in Wiesbaden gezeigt.

Information der Belegschaft

Die Gespräche zwischen den Geschäftsführern der beiden Handelsgruppen, Christian Scherer und Michael Müller, liefen im Hintergrund schon einige Zeit. Beide kennen sich seit Jahren, entsprechend „konstruktiv und vertrauensvoll“ seien die Verhandlungen verlaufen. Endgültig über den Verkauf unterrichtet wurde die Mühlenberg-Belegschaft am Mittwochabend während einer Betriebsversammlung in Ludwigshafen.

Christian Scherer informierte die neuen Mitarbeiter in einem einstündigen Vortrag ausführlich über seine Pläne. Alle Mühlenberg-Mitarbeiter werden übernommen. Das gilt auch für die Angestellten des Standorts Grünstadt, der zum 1. November aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wird. Zudem wird die Scherer-Gruppe nach eingehender Analyse in die zugekauften Häuser investieren. Zügig werden infrastrukturelle Maßnahmen umgesetzt, um die neuen Standorte IT- und EDV-seitig an die anderen Häuser anzubinden. Das Name Mühlenberg wird allerdings verschwinden und durch Scherer ersetzt.

Neben dem allgemeinen Konzentrationstrend in der Branche werden wirtschaftliche Erwägungen den Verkauf beschleunigt haben. Die Mühlenberg GmbH, seit 1988 im Besitz von Michael Müller, war seit der Jahrtausendwende Schritt für Schritt gewachsen. So kamen unter anderem das Autohaus Vogel (Ladenburg), das Autohaus Kilian (St. Ingbert), das Autohaus AHG (Bad Dürkheim) sowie das Autohaus Egger und das Audi Autohaus E & K in Ludwigshafen dazu.

Ertragsseitig scheint sich die Expansion jedoch nicht ausgezahlt zu haben. Ausweislich der Finanzberichte im Bundesanzeiger war die Mühlenberg-Gruppe über Jahre in den roten Zahlen. Das führte zu einem deutlichen Rückgang der Eigenkapitalquote.

Die Scherer Gruppe ist die Automobil-Sparte der Scherer Holding, die neben der Automobilbranche auch noch in der Bau- und Immobilienbranche tätig ist. Das 1937 gegründete rheinland-pfälzische Familienunternehmen beschäftigt 1.700 Mitarbeiter, darunter 300 Auszubildende. Geschäftsführender Gesellschafter ist Christian Scherer.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«