»kfz-betrieb«-Auto-Check: Mercedes-Benz GLE 350 DE Schwergewicht als Klimaschützer

Von Jan Rosenow

Mit seinem leistungsstarken Antriebsstrang aus Diesel- und E-Motor liefert der GLE gute Fahrleistungen und eine hohe Reichweite. Die wuchtige äußere Erscheinung und das hohe Gewicht sind allerdings weniger zeitgemäß.

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Mächtige Erscheinung: Trotz 2,7 Tonnen Leermasse ist der Mercedes-Benz GLE ein Klimaschützer – zumindest im Strombetrieb.
Mächtige Erscheinung: Trotz 2,7 Tonnen Leermasse ist der Mercedes-Benz GLE ein Klimaschützer – zumindest im Strombetrieb.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Plug-in-Hybride müssen möglichst oft im Elektromodus fahren, damit sie ihren versprochenen Klimaschutzeffekt auch wirklich erzielen können. Doch dafür braucht es auch eine alltagstaugliche Reichweite, um wenigstens die Fahrt zum Arbeitsplatz und zurück mit einer Batterieladung bestreiten zu können.

Beim Mercedes-Benz GLE 350 DE dürfte diese Rechnung für die meisten Nutzer locker aufgehen. Zum einen reicht seine Batteriekapazität von enormen 31,2 Kilowattstunden nach WLTP für bis zu 106 Kilometer Reichweite – mehr schaffte die erste Generation von batterieelektrischen Fahrzeugen auch nicht. Die große Batterie lässt sich dank des CCS-Ladeanschlusses auch an schnellen Gleichstromsäulen mit bis zu 60 kW nachladen. An der Wallbox sind 7,4 kW möglich.

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Der 100 kW/136 PS starke Elektromotor ist als permanent erregte Synchronmaschine ausgelegt und bietet genügend Drehmoment für ausreichende Fahrleistungen. Interessanterweise verwendet Mercedes-Benz als Anfahrelement weiterhin einen Drehmomentwandler. Dabei könnte dafür doch auch der E-Motor dienen. Durch die Integration des Motors in das Neungang-Automatikgetriebe sind auch im E-Betrieb geringe Schaltrucke spürbar.

Der imposanten Optik des GLE mit seiner bulligen Front, der muskulös ausgeformten Motorhaube und den kräftigen Schultern unterhalb der Fensterlinie werden die elektrischen Fahrleistungen allerdings kaum gerecht. Sein volles Potenzial entfaltet der Antriebsstrang nur im Hybridbetrieb. In 6,8 Sekunden wuchten E-Motor und Vierzylinder-Diesel das fast fünf Meter lange und 2,7 Tonnen schwere Schiff von 0 auf 100 km/h. Ist die Batterie leer, fährt der GLE als sparsamer Diesel. O. k.: Wirklich sparsam ist der dicke Brummer nicht, aber den Verbrauch eines Ottomotors möchte man in dem (beladen) 3,2-Tonner wirklich nicht haben.

Wie ein Kreuzfahrtschiff in schwerer See

Im Innentraum präsentiert sich der große Wagen entsprechend der Markentradition und dem sechsstelligen Preis mit elegantem Design und umfassender Ausstattung. Die Luftfederung Airmatic sorgt für einen vorbildlichen Federungskomfort bei trotzdem geringen Karosseriebewegungen. Mit einem Sportwagen sollte man den GLE aber trotzdem nicht verwechseln – übertreibt es der Fahrer mit dem Kurvenspeed, dann fühlt er sich schnell wie auf einem Kreuzfahrtschiff in schwerer See.

Das stört vielleicht weniger den Fahrer als vielmehr die weiteren Passagiere, die sich ansonsten über ein fürstliches Platzangebot und sehr gut ausgeformte Sitze mit weichem Lederbezug freuen können. Einzige Einschränkung: Größeren Fondpassagieren fehlt es wegen der abfallenden Dachlinie des SUV-Coupés an Aussicht durch die Seitenfenster.

Immer wieder ein Lob wert ist die gut funktionierende Spracherkennung von Mercedes. Das System erkennt flüssig gesprochene Befehle in Alltagssprache einwandfrei und erleichtert so vor allem die Eingabe von Navigationszielen ungemein. Für Einstellungen an der Klimaanlage steht hingegen ein funktional und haptisch sehr befriedigendes Bedienpanel bereit.

Eine generelle Befriedigung über das Erreichte dürften auch diejenigen fühlen, die sich den GLE leisten können. Schon der Grundpreis liegt ohne Förderung bei 82.752,60 Euro. Mit Extras kam der Testwagen auf einen Gesamtpreis von 106.088,50 Euro.

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