Siemens rüstet ganzen Straßenzug zur „Electric Avenue“ um

Autor: Andreas Grimm

Fehlende Lademöglichkeiten für E-Autos in eng bebauten Wohngebieten sind bald ein Problem von gestern. In London hat Siemens einen Großversuch gestartet. E-Autofahrer können dort ihr Fahrzeug an der Straßenlaterne laden.

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Einfaches Laden am Straßenrand: In London rüstet Siemens mit dem Partner Ubitricity ganze Straßenzüge mit Ladetechnik aus.
Einfaches Laden am Straßenrand: In London rüstet Siemens mit dem Partner Ubitricity ganze Straßenzüge mit Ladetechnik aus.
(Bild: Siemens)

Im Londoner Stadtteil Westminster können einige Bewohner in einem Großversuch das „Bordstein-Laden“ täglich ausprobieren. Dort hat der Elektro-Konzern einen Straßenzug mit 24 Ladepunkten für E-Autos ausgestattet und dafür die bestehende elektrische Infrastruktur genutzt – indem Straßenlaternen für die Ladekabel angezapft werden. Die Anwohner der Sutherland Avenue können nun also ihr Elektroauto entlang der gut 700 Meter langen Straßen laden, zwei benachbarte Straßen sollen in den nächsten Wochen elektrifiziert werden. Der Straßenzug wurde in „Electric Avenue, W9“ umbenannt.

Die Technologie, die in den umgerüsteten Straßenlaternen eingesetzt wird, soll Elektroautos über Nacht für eine Reichweite von 200 bis 300 Kilometern laden können – abhängig vom Batterieladesystem im Fahrzeug. Hybridfahrzeuge sind oft schon nach zwei bis drei Stunden voll aufgeladen. Nähere technische Angaben zur Ladeleistung oder zum Abrechnungssystem machte Siemens allerdings nicht. Für das Projekt arbeitet der Konzern mit Ubitricity zusammen, einem Anbieter von Ladetechnik und Abrechnungsdiensten.

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Auslöser für den Feldversuch war das bekannte Problem, dass die Bereitschaft für Hybrid- oder Elektroautos zwar vorhanden ist, die fehlenden Lademöglichkeiten aber abschrecken. Dies hat eine aktuelle Untersuchung von Siemens nochmals bestätigt, wonach mehr als ein Drittel aller britischen Autofahrer den Kauf eines Hybrid- oder Elektroautos ins Auge fassen, aber die Lademöglichkeiten den tatsächlichen Kauf noch bremsen. Gleichzeitig halten 80 Prozent aller Befragten die Verbesserung der Luftqualität in der Londoner Stadtmitte für „sehr wichtig“.

Der Stadtbezirk Westminster hat sich schon länger auf die Fahne geschrieben, bis Mitte 2021 mindestens 1.000 Ladepunkte für Elektroautos installiert zu haben. 24 sind nun in der Electric Avenue dazugekommen. Mit dem Projekt will die Kommunalverwaltung zeigen, dass eine wohnort- und arbeitsplatznahe Ladeinfrastruktur möglich ist, indem sie auf die bestehende elektrische Infrastruktur aufgesetzt wird. Mit dem näher rückenden Verbot von Verbrennerfahrzeugen im innerstädtischen Umfeld wird zudem die Versorgung der E-Mobile eine drängende Frage. Der Bezirk rechnet bis zum Jahr 2025 mit 8.000 zugelassenen Elektrofahrzeugen.

„Das Laden von Elektroautos per Straßenlaterne ist für Autobesitzer ohne eigene Einfahrt eine praktische, kostengünstige Lösung", heißt es in der Mitteilung von Siemens. Durch die Nutzung der bestehenden Elektrizitätsnetze, sei das Angebot auf niedrige Installations- und Wartungskosten ausgelegt. Im Ergebnis müssten auch die Kosten für die E-Auto-Fahrer geringer sein als bei eigens installierten Ladesäulen.

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 Andreas Grimm

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Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«