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SKN Tuning lenkt den Kundenfokus aufs Servicegeschäft

Autor: Jakob Schreiner

Chiptuner SKN kann mehr als nur Autos aufrüsten. Nur wusste kaum einer von dem Rundum-Kfz-Service. Geschäftsführer Ralf Nissel änderte die Kommunikation so erfolgreich, dass er damit unter die Top-Betriebe des Deutschen Werkstattpreises 2019 gekommen ist.

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Wirkten auf einige „Normal“-Kunden eher abschreckend: die teils hochwertigen, für eine Leistungsoptimierung vorgesehenen Fahrzeuge.
Wirkten auf einige „Normal“-Kunden eher abschreckend: die teils hochwertigen, für eine Leistungsoptimierung vorgesehenen Fahrzeuge.
(Bild: Jakob Schreiner/»kfz-betrieb«)

Den meisten Menschen aus der Kfz-Branche dürfte die SKN Tuning GmbH in erster Linie für ihr Chiptuning ein Begriff sein. Das ist Geschäftsführer Ralf Nissel auch recht, schließlich ist das Unternehmen deutschlandweit mit mehreren Standorten sowie international unter anderem in Italien, Kuwait, Hongkong oder Australien vertreten.

Aber wer weiß, dass SKN Tuning am Firmenhauptsitz im niedersächsischen Salzhemmendorf zwischen Hameln und Hildesheim auch eine freie Werkstatt betreibt? Für das Auslandsgeschäft des Unternehmens mag dieser Umstand keine große Rolle spielen. Anders im direkten Einzugsgebiet etwa 25 Kilometer rund um die Werkstatt. „Ich dachte, da wird nur Tuning gemacht“, zitiert Ralf Nissel einen ahnungslosen Kunden, mit dem er sich auf einer lokalen Automeile über das Serviceangebot seines Betriebs unterhielt. Das umfasst nämlich mehr als „nur Tuning“. Von üblichen Wartungsarbeiten bis hin zum klassischen Reifenservice erledigen Nissels Mitarbeiter nahezu alles am Kfz.

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Ein weiterer Aspekt, der „normale Autobesitzer“ früher fernhielt: „Viele hatten die Gleichung aufgemacht, dass Tuning teuer bedeutet“, erinnert sich Nissel. Die meist hochwertigen Fahrzeuge, die für eine Leistungssteigerung in der Werkstatt waren und vor und neben dem Gebäude auf ihre „Maniküre“ warteten, verfestigten das Bild. Dabei kommen im regulären Servicegeschäft übliche Stundenverrechnungssätze zum Tragen.

Um „rund um seinen Kirchturm“ für Klarheit über das Angebot zu sorgen, startete Ralf Nissel eine groß angelegte Flyeraktion. Er bewarb die Serviceleistungen und präsentierte seinen Betrieb als „normale“ Kfz-Werkstatt. Diese Maßnahme zeigte Wirkung: Nach und nach brachten immer mehr Kunden ihre Alltagsfahrzeuge zu Wartung und Reparatur. „Das hat sich mittlerweile herumgesprochen, und die Leute wissen, was sie bei uns kriegen“, resümiert Nissel. Die Mund-zu-Mund-Propaganda in der eher ländlich geprägten Region tut ihr Übriges, um die Werkstatt gut auszulasten.

Auch die Bewertungen im Netz sprechen für das Unternehmen: durchschnittlich 4,2 Sterne bei über 100 Rezessionen alleine auf Google. Auf jeden Kommentar in der Online-„Meckerbox“ reagieren Ralf Nissel und sein Team – egal ob es um Chiptuning oder Servicearbeiten geht. Dabei wird konstruktive Kritik gleichermaßen angenommen wie Lob. Gibt es keine fünf Sterne bei der Bewertung, wird nachgefragt, was schief gelaufen sei und was man beim nächsten Besuch besser machen könne.

SKN Tuning modifiziert auch Fahrzeuge technisch. Das Herz von Tuningfans schlägt höher, wenn die Fahrzeuge mit neuen Felgen und Auspuffanlagen ausgestattet oder tiefer gelegt werden. „Das Know-how aus dem Tuningbereich übertragen wir auf die Alltagsarbeiten“, erklärt der Firmeninhaber. So wissen seine Mechaniker beispielsweise genau, wie sich das zu montierende Auspuffrohr unter der Hitze der Abgase ausdehnt oder worauf es beim Spureinstellen und der Montage einer neuen Spurstange ankommt.

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Keine Nachwuchsprobleme

Etwa die Hälfte der Mitarbeiter hat im Betrieb gelernt. Und auch um künftigen Nachwuchs macht sich der Unternehmer wenig Sorgen: „Für viele junge Leute ist gerade das Tuning und das Arbeiten an besonderen Fahrzeugen spannend. Das können wir ihnen hier bieten.“ Außerdem fördert der Chef seine Mitarbeiter nach ihren Interessen. So erledigt neben dem Meister eine Kraft die Serviceannahme, die zuvor im Betrieb die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker absolviert hat. Aufgrund des technischen Verständnisses können Aufträge so perfekt vorbereitet werden.

Auf sein Team ist Nissel merklich stolz. „Ich lege für meine Jungs die Hand ins Feuer“, sagt er. Wenn mal etwas schief läuft, ist er sich gewiss, dass seine Mechaniker so ehrlich sind und Bescheid sagen. Im Allgemeinen ist ihm eine direkte Kommunikation zwischen dem Kunden und den einzelnen Abteilungen wichtig. Jeder hat für eventuelle Rücksprachen ein Telefon, um einen ungestörten Informationsfluss zu gewährleisten. Sollte mal eine Schraube abreißen und sich eine Reparatur verzögern, gehen die Mitarbeiter aktiv auf den Kunden zu und erläutern das Problem. „Transparenz ist uns hier sehr wichtig. Der Kunde weiß genau, was los ist, und kann sich darauf einstellen“, betont Nissel.

Kostenlos, aber nicht umsonst

Tritt der Fall tatsächlich ein, dass es zu einer Verzögerung kommt, hält Nissel für seine Kunden einiges bereit: Es gibt jede Menge Infomaterial für Aktivitäten in der unmittelbaren Nähe – vom Freizeitpark bis zur Therme. Außerdem steht Kunden, die während der Wartezeit arbeiten möchten, ein separater, klimatisierter Raum mit Schreibtischen zur Verfügung. Selbstredend sind auch Leihwagen vorhanden. Die sind eigentlich kostenlos, Nissel schreibt sie aber für 29,90 Euro am Tag aus. „Damit erhalten sie eine Wertigkeit und der Kunde freut sich über den dann wieder kostenlosen Ersatzwagen“, erläutert er seine Strategie. Und auch für den Fall, dass jemand das echte Lenkrad gegen ein virtuelles tauschen möchte, ist gesorgt. Es stehen zwei Rennspielsimulatoren bereit, an denen sich Kunden gegenseitig herausfordern können, um sich die Zeit zu vertreiben.

Angefangen hat alles in der heimischen Doppelgarage vor etwa drei Jahrzehnten. Damals betrieb der gelernte Werkzeug- und Feinmechaniker das „Autoschrauben“ nur als Hobby. Nissel interessierte sich für das Tuning und baute sogar einige Rennmotoren selbst auf. Das sprach sich herum. Mehr Autobesitzer kamen, und die Garage wurde rasch zu klein. Also erwarb Nissel das erste Betriebsgebäude. Seitdem hat der Unternehmer seinen Standort drei Mal erweitert. Aktuell gibt es sieben Hebebühnen – und Platz für vier weitere.

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Über den Autor

 Jakob Schreiner

Jakob Schreiner

Redakteur Ressort Service & Technik