Skoda-Händler geben Rückendeckung für neue Verträge

Autor: Andreas Grimm

Vertragsverhandlungen erfordern eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten. Für den Skoda-Partnerverband waren die letzten Monate daher entsprechend arbeitsreich. Das Ergebnis des Einsatzes zeigt sich im neuen Vertragswerk wie in Form von Mitspracherechten.

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Die Skoda-Händler bekommen dieser Tage die neuen Verträge zugeschickt und müssen entscheiden, ob sie mit Skoda über das Jahr 2020 hinaus weiterarbeiten wollen.
Die Skoda-Händler bekommen dieser Tage die neuen Verträge zugeschickt und müssen entscheiden, ob sie mit Skoda über das Jahr 2020 hinaus weiterarbeiten wollen.
(Bild: Hülpert Gruppe)

Für die Ergebnisse des dreimonatigen Verhandlungsmarathons mit Skoda Auto Deutschland wegen der Neufassung der Partnerverträge bekommt der Verband der Skoda-Vertragspartner (VDS) Rückendeckung von seinen Mitgliedern. Auf einer Informationsveranstaltung zu den Inhalten der Verträge mit 300 Teilnehmern am 6. September in Kassel bedankten sich die Teilnehmer ausdrücklich für die erreichten Ergebnisse.

Dass zwischen dem „Vertragsentwurf 1.0“ des Importeurs und den neuen Verträgen, die nun an die Skoda-Vertragspartner gehen, an vielen Punkten Veränderungen erreicht wurden, machten Verbandsgeschäftsführer Patrick Kaiser, Präsident Thomas Peckruhn und die Sprecher der verschiedenen Arbeitskreise immer wieder deutlich. „Die Übereinkunft mit Skoda ist nicht mit einem schnellen Händedruck passiert, der Verband hatte in wichtigen Punkten durchaus andere Auffassungen“, resümierte Kaiser.

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Zentrales Ergebnis sind aus Sicht der Verbandsführung die Mitsprachemöglichkeiten des VDS bei künftigen Veränderungen oder Konkretisierungen der Vereinbarungen und Richtlinien. Diese Mitsprache ist umso wichtiger, als der Anlass der neuen Verträge zwar der Wandel im Geschäftsmodell Automobilvertrieb ist, aber noch viele Entwicklungen in der Automobilindustrie vollkommen unklar sind. Die Folge: Zahlreiche Aufgaben, Zuständigkeiten, Vergütungen und Prozesse waren noch gar nicht regelbar. Soll es künftig dazu kommen, ist der VDS als Verhandlungspartner gefragt.

Dass den Skoda-Partnern nicht alle Regelungen des Regelwerks aus vier Verträgen (Händler-, Servicepartner-, Digital- und Agenturvertrag) sowie elf Richtlinien schmecken werden, liegt in der Natur der Sache, gleichwohl ist der VDS-Vorstand der Meinung, „dass das Vertragswerk eine vernünftige Grundlage für die Zukunft unseres Geschäfts liefert“. Insbesondere galt bis zum Schluss, dass jeder derzeitige Partner den neuen Vertrag angeboten bekommt, der zudem ohne Kündigung getauscht wird und keine Margenreduzierung kommt (allerdings nur bezogen auf die bisherigen Modelle).

Partner bleibt nur, wer unterschreibt

Letztlich entscheiden nun die Händler, ob sie den Weg mitgehen wollen, indem sie den Vertrag bis Mitte November unterschreiben. Er wird dann zum 1. Dezember 2020 gültig. Wer nicht unterschreibt, scheidet per ordentlicher Kündigung zum 30.11.2020 aus dem Skoda-Netz aus. Die neuen Verträge selbst sind unbefristet vereinbart.

Aus Sicht des Arbeitskreises Betriebswirtschaft lassen es die neuen Vertragsbestimmungen zu, Erträge zu generieren und Gewinne zu erwirtschaften. Allerdings sei „eine betriebswirtschaftliche Einschätzung allein anhand der vorliegenden Unterlagen nicht möglich“ gewesen, sagte Arbeitskreissprecher Kersten Borst. Skoda hatte den ersten Vertragsentwurf erst Ende Mai vorgelegt, mit dem Ziel, im September zum Abschluss zu kommen. Zumindest mittelfristig werde für die Skoda-Betriebe aber genug Arbeit im klassischen Vertriebs- und Servicegeschäft vorhanden sein.

Hinsichtlich der Inhalte der neuen Verträge hatten sich die VDS-Vorstandsmitglieder Jochen Schandert und Christian Melzer einige zentrale Verhandlungspunkte herausgegriffen und die Ergebnisse dargestellt:

  • Elektromobilität: Der Vertrag sichert den Verkauf durch alle Partner zu, allerdings ist für die Modelle keine Grundmarge festgelegt.
  • Online-Vertrieb: Künftig gibt es zwei Wege zum Kunden, über einen Online-Shop, den der Händler auch selbst betreiben kann, oder per Direktgeschäft des Importeurs. Der Händler liefert dann als Dienstleister aus und erhält hierfür eine Vergütung.
  • Kundendaten: Diese werden in einem gemeinsamen Datenpool von Händler und Importeur überführt. Jedoch behalten die Partner die Hoheit über die Daten, sprich sie können sie auch bei einem späteren Ausscheiden aus dem Skoda-Netz weiter nutzen.
  • Digitale Produkte und Dienstleistungen: Hier blieben die Gespräche noch vage, da es kaum konkrete Anwendungsfälle gibt. Hauptpunkt ist, dass der „Digital Partner“ künftig ein Agent von Skoda wird. Anderseits soll er bei jedem digitalen Geschäftsvorfall eines seiner Kunden mitverdienen.

Unter dem Strich wurden bei den Verhandlungen zahlreiche allgemeine Verpflichtungen und Kostenpauschalen gestrichen, die nicht nachvollziehbar waren. Dafür wurden die Kompetenzen der Skoda-Partner als Aufgaben fortgeschrieben, nämlich Kundengewinnung, -bearbeitung und -beratung. „Nur weil Neuerungen kommen, werden die Händler und Servicepartner nicht überflüssig“, sagte Schandert.

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 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«