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Skoda Octavia: Neuauflage schärft alte Stärken

Autor / Redakteur: spx/gr / Andreas Grimm

Schlicht „perfekt“ ist die vierte Generation des Octavia in den Augen des Präsidenten des Skoda-Partnerverbands, Thomas Peckruhn. Der Octavia präsentiert sich technisch auf der Höhe der Zeit, geräumig für die Passagiere und im Antriebsmix vielfältig wie nie zuvor.

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Skoda hat Ende März die vierte Generation des Octavia in die Schauräume gebracht.
Skoda hat Ende März die vierte Generation des Octavia in die Schauräume gebracht.
(Bild: Skoda)

Mit einem bitteren Start hat sich die vierte Generation des Octavia Kombi in den deutschen Markt geschlichen. Statt großer Kunden-Events und guter Stimmung auf den Händlerhöfen blieben die Showrooms am vergangenen Wochenende geschlossen, der Octavia IV zunächst von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt. Eine markenprägende Modell-Premiere und keiner geht hin? In Zeiten der Corona-Krise ist das Undenkbare in der Skoda-Welt möglich und nötig geworden.

Dabei waren die Zutaten für einen perfekten Marktstart gegeben. Skoda hat viel Kraft in die Neuauflage des Kernmodells der Marke gesteckt – sich freilich auch im Technikregal des Volkswagenkonzerns bedient. Herausgekommen ist „der perfekteste Octavia aller Zeiten“, findet Thomas Peckruhn, Präsident des Skoda-Partnerverbands im Gespräch mit »kfz-betrieb«. Obwohl der ganz große öffentliche Aufschlag des Modells in der auto-affinen Öffentlichkeit nun zunächst ausbleiben muss, macht ihm die vierte Generation dennoch große Hoffnung für die Zukunft der Marke und ihrer Händler.

Skoda Octavia: Generation vier punktet mit alten Stärken
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Mit dem Octavia IV haben die Skoda-Partner ein gutes Argument, um bei einer Normalisierung der Lage bei den Kunden zu punkten. Hatte man zunächst den Auslauf des Vorgängers geräuschlos über die Bühne gebracht, sahen sich die Händler zum Jahresstart einem ordentlichen Auftragseingang gegenüber. Mit der Vierfachoption für den Antrieb des neuen Octavia – Benziner, Diesel, Hybrid und CNG – spricht das Modell perspektivisch alle Kundengruppen an. Nicht zuletzt mit den Hybriden die Firmen und ihre Dienstwagen-Berechtigten. Und wie von den Tschechen gewohnt, bringen sie sich mit dem Preis, dem Raumangebot und den „Simply clever“-Details bei Praktikern und Pragmatikern in Stellung.

Erhältlich ist das Basismodell zum Start für 28.060 Euro zunächst als Kombi – die Limousine will hierzulande sowieso fast niemand. Sie wird dann für 700 Euro günstiger zu einem späteren Zeitpunkt nachgeschoben. Auch der Ausbau des Motorenangebots erfolgt schrittweise im Jahresverlauf. „Ich sehe uns für die Nach-Corona-Zeit gut gerüstet“, sagt Peckruhn – nicht nur, aber auch mit Blick auf den Neuling im Showroom.

Wie der Golf und seine Konzerngeschwister Leon und A3 ist der Octavia auf dem Modularen Querbaukasten konstruiert und formal in der Kompaktklasse zuhause. Jedoch legen die Modellabmessungen durch den Generationswechsel noch einmal zu. Mit nun 4,69 Metern Länge, ein Plus von 2 Zentimetern, bleibt der Skoda auf Kurs Richtung Mittelklasse. Mehr denn je sitzen die Passagiere in der zweiten Reihe wie in der ersten Klasse. Der Kofferraum ist mit 640 Litern (+30 Liter) beziehungsweise 600 Litern in der Limousine (+10 Liter) größer als bei den meisten Konkurrenten.

Form und Format sind eigenständig, aber der Unterbau ist Familiensache, und vieles von der Ausstattung auch. Einmal mehr macht sich Skoda die Segnungen des Baukastens zunutze und rüsten den Octavia gewaltig auf. Vor allem bei Assistenz und Intelligenz macht der Bestseller deshalb einen großen Sprung, bekommt Sicherheitssysteme wie einen Ausweichassistenten oder einen Ausstiegswarner und Infotainment-Lösungen wie ein größeres Digitalcockpit mit optimiertem Online-Zugang und verbesserten Update-Optionen sowie erstmals ein Head-Up-Display.

Technik aus dem Konzernregal

Besonders deutlich wird die Verwandtschaft zum Golf aber beim Blick unter die Haube, wo Skoda bei einer Spanne von zunächst 110 bis 245 PS einen Effizienzgewinn von bis zu 14 Prozent in Aussicht stellt. Genau wie VW startet dafür nun auch Skoda auf breiter Flur mit Mildhybriden mit 48 Volt-Technik, die Diesel bekommen die neue Twindosing-Technik und stoßen bis zu 80 Prozent weniger Stickoxide aus und zum ersten Mal wird es den Octavia auch als Plug-In-Hybriden geben, der genau wie in Wolfsburg gleich in zwei Leistungsstufen angeboten wird .

Außerdem haben die Tschechen die bereits erwähnte CNG-Version in der Pipeline, weil die schneller auf den niedrigeren CO2 -Ausstoß einzahlt als jede andere Technologie. Dabei soll es trotz des angekündigten Rückzugs des Konzerns aus dieser Antriebstechnik auch bleiben. Mit den G-Tec-Modellen von Scala, Kamiq und Octavia hat Skoda den Erdgasantrieb in drei Volumenmodellen im Angebot, die „ökonomisch wie ökologisch einen wichtigen Beitrag für Skoda leisten werden“, sagt Frank Jürgens, Geschäftsführer von Skoda Auto Deutschland.

Diesel dürfte Bestseller werden

Los geht es dabei aber zunächst einmal eher konventionell mit einem 110 kW/150 PS starken TSI-Motor mit 1,5 Litern Hubraum und einem weiterentwickelten 2,0-Liter-TDI, den es mit 115 und 150 PS gibt. Das sind trotz verbesserter Abgasreinigung vielleicht nicht die innovativsten Motoren, aber die wichtigsten. Denn vor allem der starke Diesel dürfte sich einmal mehr als Bestseller erweisen – aus gutem Grund. Schließlich ist er mit seinen 360 Nm wunderbar dynamisch und elastisch, macht Überholen zum Kinderspiel und den Ampelspurt bei einem Sprintwert von 8,8 Sekunden zum Vergnügen, schafft auf der Autobahn bis zu 222 Stundenkilometer und lässt sich mit ein bisschen Weitsicht und Zurückhaltung trotzdem knapp unter fünf Litern Fahren.

Und spätestens, wenn man die adaptiven Dämpfer bestellt, die den Wagen wahlweise stramm mit der Fahrbahn verzahnen oder butterweich allen Unbill wegfedern, hat man schnell vollends vergessen, dass man hier noch in der Kompakt- und nicht schon in der Mittelklasse unterwegs ist.

Nicht nur ein Golf mit anderem Gesicht

Aber der Octavia ist nicht einfach nur ein Golf mit anderem Gesicht. Denn so gründlich sich Skoda auch aus dem Modularen Querbaukasten bedient, so sehr drücken die Tschechen der Kompaktklasse im Konzern ihren eigenen Stempel auf. Das gilt für das Design, das ähnlich zeitlos und unvergänglich ist wie beim Golf und trotzdem nicht langweilig, das gilt im Interieur zum Beispiel für das neue Lenkrad mit nur noch zwei Speichen und neuen, sehr unkonventionellen Bedienwalzen und das gilt natürlich vor allem für die Ideen aus der Abteilung Simply Clever, bei denen Skoda jetzt noch einmal nachgelegt hat. So gibt es künftig zum Beispiel für Dashcams auch eine USB-Buchse am Dachhimmel, die Taschen auf der Rückseite der Vordersitze bieten nun ein Fach fürs Handy und neben dem Regenschirm steckt in der Tür auf Wunsch auch ein Besen für den Schnee.

Viel solide Technik aus der Familie und dazu einen ganz eigenen Stil – diese Rechnung könnte für Skoda aufgehen: Während der Golf gerade seine Götterdämmerung erlebt, kommt der Octavia im Windschatten des Wolfsburger Bestsellers immer weiter heran an die Pole Position und wird so mehr und mehr zum heimlichen König der Kompaktklasse. Und wo sie in Wolfsburg selbst am Thron des Golfs wackeln, sehen sie in Mlada Boleslav im Octavia keinen Bremser, sondern einen Beschleuniger.

Denn für Skoda-Chef Bernhard Maier ist der Octavia nicht nur eines der zentralen Modelle in der großen Produktoffensive und soll die Tschechen über die Zwei-Millionen-Marke heben: „Mit ihm wollen wir auch das Geld erwirtschaften, mit dem wir die hohen Kosten der Transformation hin zur E-Mobilität aus der eigenen Kasse bezahlen können.“

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