Stiftung Warentest: Preis-Chaos an öffentlichen Ladesäulen

Wenig Transparenz beim Stromtanken

| Autor: Christoph Seyerlein

Strom für Geländewagen kann laut Stiftung Warentest häufig billiger sein als für Kleinwagen.
Strom für Geländewagen kann laut Stiftung Warentest häufig billiger sein als für Kleinwagen. (Bild: Daimler)

An öffentlichen Ladesäulen herrscht bislang kaum Preistransparenz. Zu diesem Schluss kommt zumindest die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest, nachdem sie zahlreiche Stromanbieter unter die Lupe genommen hat.

Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim Stromanbieter Lichtblick, zitieren die Tester damit, dass ein „babylonisches Wirrwarr“ aufgrund zahlreicher verschiedener Tarife und Abrechnungsmodelle herrsche. Problematisch sei beispielsweise, dass viele Ladesäulen kein Display hätten, kritisieren die Verbraucherschützer. So würden Kunden erst dann erfahren, wie viel sie für das Laden gezahlt haben, wenn sie ihre Abrechnung erhalten.

Viele verschiedene Preismodelle

Hinzu kommt eine ganze Reihe an verschiedenen Preismodellen. Ein Ausschnitt aus der insgesamt noch deutlich größeren Bandbreite:

  • Einige Stadtwerke nehmen 7 Euro pro Ladevorgang
  • Ein Chargenow-Tarif kostet 9,50 Euro Monatsgebühr plus tagsüber 4 Cent pro Minute für das Normalladen (AC), nachts 2 Cent
  • Ein Innogy-Tarif kostet 4,95 Euro Grundgebühr pro Monat und 30 Cent pro kWh
  • Die Stadtwerke Düsseldorf bieten unbegrenztes Normalladen für 35 Euro monatlich
  • Die Stadtwerke Frankfurt/Oder nehmen 5 Euro Monatsgebühr plus 32 Cent pro kWh und zusätzlich 2 Cent pro Minute
  • Gratis laden kann man bei einigen Supermärkten wie Aldi und Lidl, bei Baumärkten und Möbelhäusern. Auch einige Firmen bieten das für ihre Angestellten. In Osnabrück nehmen drei Parkhäuser fürs Laden pauschal 3 Euro pro Stunde, inklusive Parken

Gerade zeitbasierte Tarife seien für Kunden kaum transparent, bemängelt die Stiftung Warentest. Dabei wisse niemand, wie viel Strom er für sein Geld bekomme.

Strom für SUVs kann billiger sein als der für Kleinwagen

Ob ein E-Auto viel Energie beziehe oder nur wenige Kilowattstunden hängt auch von Faktoren ab, die der Fahrer nicht beeinflussen kann. So hat etwa der Ladestand Auswirkungen auf das Tempo beim Nachladen. Ist der Akku fast leer, zieht dieser schneller Strom als eine fast volle Batterie. Zudem liefern nicht alle Ladesäulen die gleiche Leistung. Und auch die Temperatur kann eine Rolle spielen: Kälte beeinflusst die Ladegeschwindigkeit negativ.

Doch auch die Autos selbst sind unterschiedlich gut für das Laden gerüstet. Stichwort Bordlader: Um Kosten und Gewicht zu sparen, bauen Hersteller in kleinen E-Modellen auch nur kleine Lader ein. So kann es an Säulen mit zeitbasierten Abrechnungsmodellen dazu kommen, dass kleinere Elektroautos in derselben Zeit weniger Strom beziehen als E-SUVs mit stärkerem Bordlader. Das Laden eines großen Fahrzeugs kann also günstiger sein als das eines Kleinwagens.

Generell müssen sich E-Auto-Fahrer laut Stiftung Warentest darauf einstellen, dass das Laden an öffentlichen Stationen in der Regel teurer ist als zuhause an der Steckdose. Wird nach Kilowattstunde abgerechnet, liegen die Preise an den öffentlichen Ladepunkten demnach meist bei 29 bis 39 Cent, teils auch deutlich höher. In einer Marktübersicht von Lichtblick aus dem Jahr 2018 lagen die Preise in der Spitze bei 54,5 Cent pro kWh. Auch das Marktforschungsunternehmen Eupd Research stieß in einer Untersuchung von 123 Autostromtarifen auf weit höhere Beträge als bei Haushaltsstrom, der im Schnitt rund 30 Cent pro kWh kostet.

Besserung in Sicht

Zumindest ein wenig Hoffnung auf Besserung – wenn auch nicht sofort – macht die Stiftung Warentest Verbrauchern nach ihrem Test aber doch. Für mehr Transparenz sollen unter anderem geeichte Zähler sorgen, die aktuell noch nicht für alle Ladesäulen verfügbar sind. Gregor Kolber vom Verbraucherzentrale Bundesverband vermutet: „Bis endlich alle Säulen geeichte Zähler haben, kann es durchaus noch ein Jahr dauern.“

Helfen soll auch, dass künftig jeder E-Auto-Fahrer öffentliche Ladesäulen nutzen können soll, ohne sich vorher bei den verschiedenen Anbietern registrieren zu müssen. Das verlangt die Ladesäulenverordnung. Einen Haken gibt es aber auch dabei: Sie gilt nur für Geräte, die seit dem 14. Dezember 2017 in Betrieb sind.

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