SUV-Boom: Schweiz diskutiert über breitere Straßen

Autor: Christoph Seyerlein

SUVs laufen auch in der Schweiz kleineren Autos immer mehr den Rang ab: Jede dritte Neuzulassung bei den Eidgenossen kommt aktuell aus jenem Segment. Einigen Verkehrsfachleuten wird es deshalb offenbar zu eng auf den Straßen.

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Auch in Schweizer Parkhäusern – wie hier in Genf – wird es aufgrund der immer größeren Autos zunehmend eng.
Auch in Schweizer Parkhäusern – wie hier in Genf – wird es aufgrund der immer größeren Autos zunehmend eng.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Während in Deutschland derzeit vor allem darüber diskutiert wird, wie man die Zahl der Autos auf den Straßen in den Städten sinnvoll verringern kann, hat die Schweiz offenbar ganz andere Probleme: Dem Verband für Verkehrsfachleute Schweiz (VSS) sind die Fahrbahnen bei den Eidgenossen nicht breit genug und er fordert deshalb mehr Platz für Autos. Unterstützt wird der VSS dabei vom Schweizer Bundesamt für Straßen.

Einer der Gründe für jene Offensive ist, dass auch in der Schweiz SUVs im Trend liegen und schmaleren Autos zunehmend den Rang ablaufen. Im Juli befanden sich unter den Top 10 der Neuzulassungsstatistik mit VW Tiguan (Platz 3), Mercedes-Benz GLC (4.), BMW X1 (8.) und Ford Kuga (9.) gleich vier Modelle aus jenem Segment. Insgesamt ist der Statistik zufolge etwa jedes dritte neu zugelassene Auto in dem Land aktuell ein SUV.

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Dem VSS reichen die 3,25 Meter bis 3,75 Meter, die aktuell für Nationalstraßen in der Schweiz als Breite vorgegeben sind, nicht mehr aus. Er fordert zehn bis 50 Zentimeter mehr Platz. Verbands-Präsident Jean-Marc Jeanneret sagte der Zeitung „Tages-Anzeiger“: „Wenn die Fahrzeuge breiter werden, muss auch die Straße breiter sein, sonst erhöht sich die Gefahr von Unfällen.“ Breitere Spuren würden Lkw-Fahrern das Leben erleichtern, aber auch Geländewagen hätten beispielsweise beim Überholen bessere Bedingungen. Auch die Konflikte mit Fahrradfahrern ließen sich dadurch verringern, zeigen sich Befürworter der Initiative überzeugt.

Doch längst nicht jeder Eidgenosse kann sich für die Idee begeistern. Die Schweizer Grünen sehen darin eine „Kapitulation vor den Klimazielen“, wie die Abgeordnete Aline Trede der Zeitung „20 Minuten“ mitteilte. Und auch Sicherheitsexperten geben zu bedenken, dass sich das Unfallrisiko sogar erhöhen könnte, da breitere Fahrbahnen auch zu schnellerem Fahren verleiten könnten. Ob in der Schweiz schon bald massenweise neu geteert wird, muss nun die Politik entscheiden.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«