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SUV-Boom: SPD und Linke fordern weniger „übermotorisierte Panzermodelle“

Autor: Christoph Seyerlein

Im Juni haben SUVs bei den Neuzulassungen erstmals die Kompaktklasse als größtes Einzelsegment hierzulande abgelöst. In mehreren politischen Lagern wächst der Unmut darüber.

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(Bild: Audi)

Im Juni waren SUVs erstmals in Deutschland das größte Einzelsegment. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) lag ihr Marktanteil an allen Neuzulassungen bei 21,2 Prozent. Damit schoben sich die Hochbeiner vor die lange dominierende Kompaktklasse (20,7 % Marktanteil). Zählt man die artverwandten Geländewagen zu den SUVs hinzu, lag der Marktanteil jener Fahrzeuge im Mai sogar bei 30,6 Prozent. Nach fünf Monaten kamen hierzulande 375.982 neue SUVs auf die Straße, 15,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Jener Boom ist der SPD und der Linken ein Dorn im Auge. Kirsten Lühmann, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, forderte in der Zeitung „Welt“, dass die Autoindustrie angehalten werden sollte, „gezielt emissionsarme Pkw anzupreisen“. Deutlicher wurde die Linke-Verkehrspolitikerin Ingrid Remmers: Sie kritisierte, dass es mittlerweile offenbar hauptsächlich „völlig übermotorisierte Panzermodelle“ für die Hersteller richten sollen, die den Klimaschutz „ad absurdum“ führen würden.

Die Politikerin brachte in dem Zusammenhang auch eine Änderung der Kfz-Steuer ins Gespräch, da etwa 80 Prozent der SUVs als Dienstwagen zugelassen würden und so von einer niedrigen Besteuerung profitierten. Die FDP hält davon wenig: Sie führt den SUV-Boom auf den demographischen Wandel zurück. Ältere Leute würden beispielsweise wegen der höheren Sitzposition vermehrt zu jenen Autos greifen. FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic sagte: „Über die Kfz-Steuer wird hier schon genug den Käufern in die Tasche gegriffen.“

Altmaier setzt auf Elektro

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will indes Deutschland und Europa beim Bau von Elektroautos international vorne sehen. „Es wird nur eine Lösung geben, wenn wir auch Weltmeister werden im Bau von umweltfreundlichen, nachhaltigen Fahrzeugen, mit denen wir unsere CO2-Klimaziele erreichen können“, sagte der CDU-Politiker am Montag im ARD-Morgenmagazin vor einem Spitzentreffen zur Zukunft der Mobilität in Berlin.

Man müsse dafür sorgen, dass die neue Wertschöpfung, die mit Elektroautos verbunden ist, in Deutschland stattfinde. Regierungschefin Angela Merkel (CDU), mehrere Minister und die Spitzen von Union und SPD wollten am Montagabend mit Managern der Autokonzerne und Gewerkschaftern zusammenkommen.

„Es wird einen Riesenbedarf an elektrischen Batterien geben, die kommen derzeit alle aus Japan, Korea und aus China“, so Altmaier weiter. „Wir müssen den Ehrgeiz haben, die besten Batterien der Welt in Deutschland und Europa zu bauen.“ Der Wirtschaftsminister verwies auf seine Initiative zur Batteriezellfertigung. „Ein Konsortium um Opel, Peugeot und die Total-Tochter Saft hat sich bereits gebildet, zwei weitere stehen kurz davor, sich für den Aufbau von Batterieproduktionsstätten zu entscheiden“, sagte Altmaier der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«