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Suzuki Jimny: Hochsitz-Cola mit einem Schuss Lifestyle

| Autor: Christoph Seyerlein

Nach rund 20 Jahren legt Suzuki den Jimny neu auf. Der Offroader punktet mit bekannten Werten, hat aber auch das Potenzial, neue Kundenschichten anzusprechen. Die deutschen Händler lechzen bereits nach dem Auto.

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Der Jimny kommt am 27. Oktober in den Handel.
Der Jimny kommt am 27. Oktober in den Handel.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Gerüchte müssen nicht immer schlecht sein. Bei Suzuki Deutschland beispielsweise dürften sie im Nachhinein ganz glücklich darüber sein, dass es vor einiger Zeit rumorte, der Jimny könnte vor dem Aus stehen. Wohl nicht zuletzt, um sich noch ein Modell des Offroad-Klassikers zu sichern, griffen 2017 außergewöhnlich viele deutsche Kunden zu. 6.612 Jimny-Einheiten setzten die Händler im vergangenen Jahr ab, im „normalen Jimny-Jahren“ pendelten die Verkaufszahlen irgendwo zwischen 3.000 und maximal 5.000 Stück. Thomas Wysocki, Vertriebschef von Suzuki Deutschland, kann sich da ein Grinsen nicht verkneifen: „Wenn das immer so hilft, streue ich in Zukunft gerne ein paar mehr solcher Gerüchte“, sagte er am Montagabend in Frankfurt vor Journalisten.

Tatsächlich dürfte Wysocki der eigentliche Anlass jenes Termins aber noch wesentlich besser schmecken. Denn statt ihn auslaufen zu lassen, legt Suzuki den Jimny nach 20 Jahren neu auf. Ihrer Linie bleiben die Japaner dabei treu: Der Jimny soll kein Wischiwaschi-Auto sein, keine Vermischung von Konzepten, kein weichgespültes Coupé-SUV, auch wenn das gerade im Trend liegt. Nein, der Jimny soll ein Offroader mit Ecken und Kanten sein.

Suzuki Jimny: Lifestyle-Jäger
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Gerade deshalb weiß der kleine Kraxler optisch auf Anhieb zu gefallen. Wenn er ab dem 27. Oktober in Deutschland auf die Straße kommt, wird er direkt aus dem immer größer werdenden SUV-Einheitsbrei herausstechen. Ganz bewusst hat Suzuki den neuen Jimny im Vergleich zum Vorgänger deutlich eckiger gemacht. Design schlägt in diesem Fall Dinge wie etwa Aerodynamik. Schließlich soll das Fahrzeug kein Autobahnsprinter werden, sondern sich vor allem durch jedes erdenkliche Gelände wühlen können. Wysocki sagt: „Das Auto ist in erster für Personen ausgelegt, die es für ihre Arbeit nutzen.“ Kernzielgruppe sind Jäger, Förster und Co. Bislang teilte sich die Jimny-Kundschaft in Deutschland folgendermaßen auf: 30 Prozent Jäger, 40 Prozent Betreiber eines Kleingewerbes, 30 Prozent Privatpersonen.

In Zukunft würde sich Suzuki aber auch nicht dagegen wehren, wenn der Anteil der „Lifestyle-Kunden“ nach oben ginge. Das Potenzial dafür ist durchaus da. In einer ganz anderen Preisklasse macht das ja heutzutage bereits die G-Klasse von Mercedes-Benz vor. Und rein optisch sind sich der Mercedes und der Suzuki gar nicht so unähnlich. Außerdem ist die Konkurrenz gelinde gesagt überschaubar. Am ehesten kommt dem Jimny der Lada 4x4 nahe, der allerdings von der Qualität ein gutes Stück hinter dem Suzuki zurückbleibt.

Verschenkte Punkte beim Getriebe

Frei von der ein oder anderen Kinderkrankheit ist der Jimny zum Start gerade im Hinblick auf die Nicht-Wald-und-Wiesen-Kundschaft aber nicht. Der neue Vierzylinder 1,5-Liter-Saugermotor könnte ein paar mehr als seine 102 PS vertragen. Größere Kopfschmerzen bereitet allerdings das Getriebe. Den sechsten Gang hätte sich Suzuki beim Handschalter lieber nicht gespart. Als Alternative dazu in einem Neuwagen eine Vier-Gang-Wandlerautomatik anzubieten ist zudem alles andere als zeitgemäß und ehrlich gesagt unverständlich. Da wird an der falschen Ecke gespart. Da die Japaner sowieso keinen Wert auf Lärmdämmung legen, fliegen einem so bei flotten Fahrten – und da sprechen wir bereits von Geschwindigkeiten um die 100 Stundenkilometer – vor lauter Motordröhnen fast die Ohren ab. Der Verbrauch geht dagegen absolut in Ordnung, er lag bei einer ersten Ausfahrt durch Ortschaften, über Landstraßen und Autobahnen ziemlich exakt bei sieben Litern. Und obwohl er keinen Partikelfilter hat, schafft der Jimny die Abgas-Norm Euro-6d-temp.

Generell muss man allerdings sagen, dass der Jimny gerade im Onroad-Bereich einen großen Sprung zum Vorgänger hingelegt hat, gerade der Fahrkomfort – vom Lärm mal abgesehen – ist ganz entscheidend gestiegen. Im Innenraum geht es aufgeräumter und vor allem geräumiger zu. Oder frei nach Thomas Wysocki gesprochen: „Im Vorgänger sind sich zwei Jäger vorne immer so nahe gekommen, dass sie sich beinahe küssen mussten, das ist jetzt besser.“ Mit knapp 1,65 Meter ist der Jimny nun auch tatsächlich etwas breiter als der Vorgänger, mit 1,72 Meter auch ein wenig höher. In der Länge ist das Auto mit nun 3,48 Meter dagegen geschrumpft.

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