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TÜV Süd warnt vor reparierten Alufelgen

| Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Verkratzte Alufelgen lassen Autofahrer gerne aufbereiten. Häufig wird dazu die Felge allerdings erhitzt. Diese Methode birgt erhebliche Gefahren, hat der TÜV Süd nun in einer Studie nachgewiesen.

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(Foto: VBM-Archiv)

Der TÜV Süd warnt davor, den Lack von Alufelgen durch Hitze zu entfernen. Durch die thermische Einwirkung könnten die Felgen bis zu 40 Prozent der Materialhärte und bis zu 90 Prozent ihrer Lebensdauer einbüßen, heißt es in einer Mitteilung der Sachverständigen-Organisation. Den Angaben zufolge wird der Altlack von Felgen, etwa im Rahmen der Reparatur von Kratzern, häufig durch Hitzeeinwirkung entfernt, um eine Neulackierung aufzubringen.

Die steigende Zahl von Anbietern einer Alufelgen-Reparatur hatten die TÜV-Süd-Prüfer zum Anlass genommen, die Reparaturverfahren unter die Lupe zu nehmen. Geprüft wurden marktübliche thermische Verfahren. Sie erfordern die Erhitzung der Pkw-Felgen zum Entlacken und Aufbringen eines neuen Granulats auf über 200 Grad Celsius über mehrere Stunden hinweg. Getestet wurden mehrere Leichtmetallräder in Erstausrüster-Qualität aus dem wärmebehandelten Werkstoff GK-Al-Si7-Mg T6, aus dem heute viele Pkw-Alufelgen produziert wird.

Das Ergebnis der Testreihe fiel deutlich aus: Die Materialhärte schwand mit dem Anstieg der Temperatur. War die Felge drei Stunden 200 Grad Celsius ausgesetzt, konnten die TÜV-Prüfer danach einen Härteabfall von 5 Prozent feststellen. Mit weiter steigenden Temperaturen fällt der Härtegrad enorm ab: bei 250 Grad Celsius über 3 Stunden büßt das Rad bereits 40 Prozent seiner Stabilität ein. „Und bereits nach 30 Minuten bei 250 Grad Celsius fällt die Härte um 25 Prozent ab“, macht Stefan Dittmar, Teamleiter Räder von TÜV Süd Automotive, Hoffnungen auf eine schonendere Wärmebehandlung zunichte.

Mit der Materialzuverlässigkeit schwindet auch die Lebensdauer: Nach der Hitze-Kur mussten die erhitzen Felgen zur so genannten Biegeumlaufprüfung. Sie ergab, dass die thermische Behandlung die Haltbarkeit der Felgen um bis zu 90 Prozent verringert war. Damit seien die gesetzlichen Mindestanforderungen nach § 36 StVZO nicht mehr erfüllt gewesen, schreibt der TÜV Süd. „Derart behandelte Räder können Risse bekommen oder Speichen sogar brechen“, fasst Dittmar zusammen.

Dabei kommt die Erkenntnis des TÜV Süd nicht überraschend. Vom Bundesverkehrsministerium gibt es seit Längerem die Maßgabe, dass Eingriffe in das Materialgefüge, Wärmebehandlungen sowie Rückverformungen an Alufelgen grundsätzlich abzulehnen sind. Auch der TÜV Süd hatte bereits 2010 erläutert, dass für die Aufbereitung von Felgen unter Wärmeeinfluss zu vermeiden ist. Bereits seit 2004 existiert ein Leitfaden des Fachausschusses Kraftfahrzeugtechnik, der die geltenden Normen und Empfehlungen zur Reparatur und Instandsetzung von Rädern bündelt.

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