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Unfall mit 200 km/h bringt den Versicherungsschutz in Gefahr

| Autor: Andreas Grimm

Wer schnell fährt, sollte grundsätzlich aufmerksam auf die Straße blicken. Denn laut einem OLG-Urteil handelt ein Fahrer, der sich bei Geschwindigkeiten über 130 km/h von seinem Infotainmentsystem ablenken lässt, grob fahrlässig.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Bedienung eines Infotainmentsystems bei voller Fahrt ist zwar nicht verboten, kann aber dennoch für den Fahrer teuer werden. Laut einem Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg (OLG) handelt ein Fahrer nämlich grob fahrlässig, wenn er mit hoher Geschwindigkeit über die Autobahn fährt und wegen der Infotainment-Aktivitäten in einen Unfall verwickelt wird – seine Aufmerksamkeit also nicht voll dem Verkehrsgeschehen widmet (Az. 13 U 1296/17).

Im vorliegenden Fall war der Mieter eines Mercedes-Benz CLS 63 AMG mit 200 km/h über die Autobahn gerauscht, während er gleichzeitig das Infotainmentsystem des Fahrzeugs bediente, um dort Informationen abzurufen. Er geriet mit dem Fahrzeug nach links von der Fahrbahn ab und stieß gegen die Mittelleitplanke, wodurch das Fahrzeug stark beschädigt wurde. Aus Sicht der klagenden Autovermietung hatte der Fahrer grob fahrlässig gehandelt, weshalb sie 50 Prozent des entstandenen Unfallschadens von ihm zurückverlangte.

Der Fahrer hatte zwar im Fall eines Schadens eine Haftungsbeschränkung ohne Selbstbeteiligung vereinbart, trotzdem muss der Mann nach Auffassung des OLG nun knapp 12.000 Euro zahlen. Die vereinbarte Haftungsfreistellung schließe die Haftung des Beklagten nicht aus, da diese für den Fall grob fahrlässigen Verhaltens in dem geltend gemachten Umfang nicht greift. Gleichzeitig hob das OLG Nürnberg mit seinem Urteilsspruch vom 2. Mai eine Entscheidung des Landgerichts Nürnberg-Fürth auf, das dem Fahrer Recht gegeben hatte.

In ihrer Urteilsbegründung betonten die Richter, dass der Fahrer „die verkehrserforderliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße verletzt“ habe. Bei hohen Geschwindigkeiten müsse ein Fahrer berücksichtigen, dass schon minimale Fahrfehler typischerweise zu schweren Unfällen führen können. Das Gericht verwies zudem auf die Autobahn-Richtgeschwindigkeits-Verordnung. Sie verdeutlicht, dass bei höheren Geschwindigkeiten die Unfallgefahren erheblich zunehmen, weshalb Autofahrer für eine verantwortungsbewusste Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr nicht schneller als 130 km/h fahren sollen.

Zwar ist ihnen schnelleres Fahren nicht verboten, jedoch müsse ein Fahrzeugführer, der sein Fahrzeug mit höherer Geschwindigkeit als 130 km/h fährt, in besonderer Weise seine volle Konzentration auf das Führen des Fahrzeuges richten. Diese Forderung hat der verunfallte Fahrer wegen der Bedienung des Infotainmentsystems nicht erfüllt. „Sein Verhalten stellt daher eine objektiv schwere und unentschuldbare Pflichtverletzung dar und ist grob fahrlässig“, heißt es in einer Pressemitteilung des Gerichts.

(ID:45953505)

Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«