Unfallrettung trotz Carbon-Karosserie

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andree Stachowski

Für die Unfallretter macht es keinen großen Unterschied, ob ein Auto aus Carbon oder Stahl besteht. Deutlich wird in einem Versuch des ADAC allerdings die wachsende Bedeutung der Rettungskarte.

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Ein Test des ADAC hat gezeigt, dass die Rettungsschere auch Carbon-Werkstoffe problemlos durchschneiden kann.
Ein Test des ADAC hat gezeigt, dass die Rettungsschere auch Carbon-Werkstoffe problemlos durchschneiden kann.
(Foto: ADAC)

Der Werkstoff Carbon gilt in der Automobilindustrie als ein entscheidender Werkstoff zur Gewichtsreduktion von Neuwagen. Doch der Carbon-Faserstoff (CFK) hat zugleich andere Materialeigenschaften als Stahl und Blech. Die Unfallforschung des ADAC hat nun herausgefunden, dass die schnelle Rettung von Insassen aus einem Unfallfahrzeug dennoch möglich ist.

Die Unfallforscher bewegte die Frage, was passiert, wenn ein Modell wie das Carbonfahrzeug BMW i3 schwer verunglückt. Denn dieser Werkstoff verhält sich wesentlich anders als herkömmliche Stahlstrukturen, die bisher beim Karosseriebau verwendet werden. Beispielsweise reißt und splittert das Material, wenn die Retter das verunglückte Auto aufschneiden müssen, Stahl hingegen verformt sich.

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Nach den Tests im Technikzentrum des Autoclubs in Landsberg gibt der ADAC jedoch Entwarnung, die konventionellen Maßnahmen zur Rettung von Pkw-Insassen funktionieren auch an CFK-Karosserien. Dafür simulierten Feuerwehrleute reale Unfallsituationen mit einem BMW i3 und nahmen das Fahrzeug buchstäblich in die Zange. Die Schneide- und Spreizwerkzeuge der Rettungskräfte durchtrennten auch die modernen Bauteile. Allerdings zerbröselt Carbon, daher „müssen die Rettungskräfte sich und die zu rettenden Insassen des Unfallfahrzeugs mit Staubschutzmasken schützen“, heißt es im Bericht des ADAC.

Rettungskarte für Kundenbindung nutzen

Im Zusammenhang mit der Rettungssimulation macht der ADAC zudem auf die wachsende Bedeutung der Rettungskarte für die Helfer aufmerksam. Sie zeigt den Einsatzkräften sofort, an welchen Stellen sie das Fahrzeug aufschneiden sollten und wo aufgrund von Leitungen und Batterien Hochspannung herrscht. Mit diesen Informationen können die Rettungskräfte zielgerichteter arbeiten und damit schneller Zugang zu den Unfallopfern schaffen. Im Falle des i3 fanden die Retter schnell die Hochvolt-Trennstelle im Auto und konnten das Auto damit vom Strom abklemmen.

Die Rettungskarte existiert als elektronische Datei regelmäßig für Neuwagen, wird von den Herstellern inzwischen aber auch für viele ältere Fahrzeuge nachträglich erstellt und zur Verfügung gestellt. Allerdings werden die Unterlagen nicht einmal für fabrikneue Autos standardisiert mit ausgeliefert. Aktuelle Daten für Rettungskräfte bündelt die DAT in ihrer Software Silver-DAT FRS, über die stets die aktualisierten Datenblätter abrufbar sind.

Für Neu- und Gebrauchtwagenhändler bietet die Rettungskarte folglich eine Möglichkeit zur Kundenbindung, indem sie den Nutzen und die richtige Handhabung (Aufbewahrung hinter der Fahrer-Sonnenblende) dem Käufer bei der Fahrzeugübergabe erklären. Erhältlich sind die Rettungskarten im Internet über Automobilclubs und Sachverständigenorganisationen, die Hersteller selbst und über freie Informationsanbieter.

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