Neuzulassungen Vereinzelte Marken trotzen dem Einbruch zum Jahresstart

Autor: Christoph Seyerlein

31,1 Prozent – so stark büßte der deutsche Pkw-Markt bei den Neuzulassungen im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat ein. Wenige Marken hielten sich dennoch wacker.

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Volvo konnte seine Neuzulassungen im Januar 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,4 Prozent steigern.
Volvo konnte seine Neuzulassungen im Januar 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,4 Prozent steigern.
(Bild: Volvo)

Der andauernde Corona-Lockdown hat der Autobranche in Deutschland einen schwierigen Jahresstart beschert. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mitteilte, kamen im Januar 169.754 Pkw neu auf die Straßen. Das waren 31,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Vor allem das zuletzt noch starke Privatkundengeschäft brach ein: Dessen Marktanteil lag im Januar bei nur 28,8 Prozent (Gewerbekunden: 71,2 %).

Zwei Marken konnte die schwierige Gesamtlage allerdings wenig anhaben, zumindest im Vergleich zum noch Corona-freien Vorjahresmonat: Tesla (+23,4 %) und Volvo (+9,4 %) steigerten ihre Neuzulassungszahlen. Erstere hatten mit 453 Einheiten allerdings lediglich einen Marktanteil von 0,3 Prozent. Zu den weniger gebeutelten Herstellern zählte daneben beispielsweise noch Porsche (-3,9 %). Dagegen schlug es bei einigen Fabrikaten im Januar so richtig ein: Die heftigsten Einbußen (von den Marken mit mehr als 0,5 Prozent Marktanteil) mussten Mitsubishi (-66,7 %), Mazda (-60,4 %) und Citroen (-54 %) schlucken.

Beim Marktanteil lag wie gewohnt VW ganz vorne. Mehr als jeder fünfte neu zugelassene Pkw im Januar war ein Volkswagen (20,1 %). Im Vergleich zum Vorjahresmonat büßten die Wolfsburger etwas weniger ein als der Gesamtmarkt (-29,9 %).

Deutlich weniger Elektro-Zulassungen als im Dezember

Ein Trend aus dem Vorjahr setzte sich auch zum Start ins Jahr 2021 fort: Elektrifizierte Autos sind gefragt. Benziner (-50,3 % Volumen) hatten im Januar einen Marktanteil von 37,1 Prozent. Diesel (-44,8 % Volumen) lagen bei 26,1 Prozent. Rein batteriebetriebene Fahrzeuge kamen mit 16.315 Neuzulassungen (+117,8 %) auf einen Marktanteil von 9,6 Prozent.

Noch stärker legten Plug-in-Hybride zu. 20.588 Neuzulassungen bedeuteten ein Plus von 138,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und 12,1 Prozent Marktanteil. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß neu zugelassener Fahrzeuge ging um 16,9 Prozent auf 125,9 Gramm pro Kilometer zurück.

Allerdings gab es im Vergleich zum Dezember 2020 im Januar deutlich weniger Zulassungen elektrifizierter Fahrzeuge. Die Zahl fiel von 82.778 Einheiten auf 36.903 (-55 %). Vor allem dürfte das damit zu tun haben, dass einige Hersteller zum Ende des Jahres noch Stromer in den Markt gepresst hatten, um ihre CO2-Bilanz aufzuhübschen.

Von den einzelnen Segmenten wuchsen lediglich die Wohnmobile (+5 %) im Januar. Besonders großen Nachfrageschwund gab es dagegen zum wiederholten Male bei Mini-Vans (-63,6 %) und Großraum-Vans (-55,3 %).

Warten auf Lockerungen

Für Peter Fuß, Autoexperte der Beratung EY, haben die insgesamt mauen Zahlen im Januar mehrere Ursachen. „Zum einen haben die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Deutschland einschließlich der Schließung der Autohäuser seit Mitte Dezember den Neuwagenverkauf erheblich erschwert. Zum anderen führte das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung im Dezember zu zahlreichen vorgezogenen Käufen, die nun in der Statistik fehlen.“

Derzeit sei die generelle Lage am Markt aufgrund der Pandemie kaum einzuschätzen, merkt Fuß an. Die Zahlen sagen aus seiner Sicht wenig über die tatsächliche Nachfrage aus. Sollte es Corona-Lockerungen geben, rechnet Fuß mit einem deutlichen Aufschwung, vor allem für Elektroautos und Plug-in-Hybride. „Es spricht viel dafür, dass die Nachfrage im Verlauf des Frühjahrs und spätestens im Sommer deutlich steigt und wir ein sehr starkes zweites Halbjahr bekommen werden. Unterm Strich wird das aber nicht ausreichen, um wieder das Vorkrisenniveau von 2019 zu erreichen“, so Fuß.

Reinhard Zirpel, des Verbands der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), erklärte am Mittwoch: „Die Schwäche des deutschen Pkw-Marktes beruhte in erster Linie auf dem starken Rückgang des Privatmarktes um 37 Prozent. Zahlreiche Privatkunden haben ihre Käufe wegen des Auslaufens des Mehrwertsteuer-Vorteils schon Ende 2020 getätigt. Außerdem mussten die Autohäuser den gesamten Januar über geschlossen bleiben.“

ZDK: Ohne schnelle Öffnung drohen Pleiten

Eben jenen Punkt merkte auch Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), in einer Reaktion auf die Zahlen an. „Die Situation im Autohandel wird von Woche zu Woche schwieriger“, sagte er. „Wir brauchen das Frühjahrsgeschäft, ansonsten drohen Pleiten im Kfz-Gewerbe“, so Peckruhn. Er fordert von der Politik eine schnelle Öffnung der Autohäuser.

Im europäischen Vergleich schnitt der deutsche Markt mit seinem Minus von 31,1 Prozent mittelmäßig ab. In Frankreich gingen die Neuzulassungszahlen nur um sechs Prozent zurück, in Italien um 14 Prozent. Noch stärker gebeutelt waren dagegen Märkte wie Österreich (-38 %) oder Spanien (-51 %).

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«