Verkehrswende an der Realität vorbei

ZDK veranstaltet 13. Berliner Automobildialog mit Oswald Metzger

| Autor: Holger Zietz

Prominent besetzt: Oswald Metzger (li.) und Christoph Konrad (ZDK) beim Berliner Automobildialog.
Prominent besetzt: Oswald Metzger (li.) und Christoph Konrad (ZDK) beim Berliner Automobildialog. (Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Wer das Land umgestalten und eine Verkehrswende erreichen will, der sollte sich an das Machbare und die Fakten halten. Beides scheint bei vielen Diskussionen um die Mobilität der Zukunft oft zu schnell vergessen. Aber nicht bei Oswald Metzger. Faktenreich und teilweise provokativ griff der Politiker und Publizist beim 13. Berliner Automobildialog des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) verschiedene Aspekte der aktuellen Verkehrspolitik auf. So würden jährliche Einnahmen von rund 60 Milliarden Euro durch Steuern und Maut aus dem Straßenverkehr in die Staatskasse fließen. Für den Ausbau des Bundesfernstraßennetzes würden jährlich nur rund 10 Milliarden Euro aufgewendet, für das Schienennetz jedoch rund 20 Milliarden Euro.

Dabei erbringe der Güterfernverkehr auf der Straße etwa zwei Drittel der Verkehrsleistung und der Personenverkehr sogar rund 70 Prozent. Wer davon rede, die Verkehrsleistung der Bahn in den kommenden zehn Jahren verdoppeln zu wollen, erliege einem kolossalen Irrtum, so Metzger. Selbst mit Investitionen im dreistelligen Milliarden-Bereich ließe sich dieses Umsteuern nach Ansicht Metzgers aufgrund des aktuellen Zustands dieses Verkehrsträgers nicht realisieren.

In seinem Vortrag warnte er davor, mit den Automobilherstellern und Zulieferern einen Industriezweig systematisch zu diskreditieren, der rund fünf Prozent zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung beitrage. „Warum steht die Automobilbranche nicht auf?“ fragte er provokativ. Er forderte, die Diskussionen wieder sachlich zu führen. Die Automobilbranche habe viel erreicht, um die Schadstoffwerte zu senken. Allerdings habe der Dieselskandal die Industrie in Misskredit gebracht und das Bild verzerrt.

Den 13. Berliner Automobildialog veranstaltete der ZDK im Axica-Tagungszentrum.
Den 13. Berliner Automobildialog veranstaltete der ZDK im Axica-Tagungszentrum. (Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Technologieoffenheit gefordert

Metzger hält die einseitige Förderung der Batterietechnik durch die Politik für den falschen Weg. Aus seiner Sicht sollte keine Technologie allein gefördert werden, denn das bremse andere Entwicklungen aus. So würden bestimmte Branchen bevorzugt, der Fortschritt und bessere Ideen auf anderen Gebieten jedoch behindert oder ganz ausgeblendet. Wasserstoff könnte eine der Alternativen sein. Das Umsteuern bei der Antriebstechnik auf die Batterieelektrik zu konzentrieren und diesen Weg mit hohen Subventionen in Gang zu bringen, halte er für den falschen Ansatz.

Er kritisierte, dass dabei „Politik ohne Rücksicht auf die Fakten“ gemacht werde. So verursache ein moderner Mittelklasse-Diesel-Pkw mit sechs Litern Verbrauch und vier Insassen lediglich 40 Gramm CO2 pro Personenkilometer. Bei der Bahn seien es hingegen 72 Gramm CO2. Außerdem sei es dringend geboten, sich um die Weiterentwicklung des Wasserstoffantriebs und der synthetischen Kraftstoffe zu kümmern. So könnte zum Beispiel die Sonnenenergie in Afrika zur Wasserstofferzeugung genutzt werden – gut für die Umwelt und gut für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas.

„E-Mobilität ist etwas für Freaks“

Ein Umsteuern der Verkehrspolitik in Deutschland weg vom Auto sei schon aufgrund der Siedlungsstruktur und der arbeitsteiligen Industriegesellschaft nicht zu realisieren. Der Pkw-Bestand sei mit fast 47 Millionen so hoch wie nie, das Pkw-Durchschnittsalter liege bei 9,5 Jahren – mit steigender Tendenz. Das sei eher ein Beleg dafür, dass die Menschen aus Unsicherheit über die Wahl des nächsten Neuwagens mit dem vermeintlich richtigen Antrieb eher abwarten und am eigenen Benziner oder Diesel festhalten würden. „E-Mobilität ist etwas für Freaks“, so Metzger.

In seinem Schlusswort griff Christoph Konrad, Leiter des ZDK-Hauptstadtbüros, diese Situation auf: Wenn eine neue Technologie nicht den erhofften Erfolg bringe, werde dann gern von „Marktversagen“ gesprochen. Dabei müsse der Wurm dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Insbesondere auch für die rund 40.000 Kfz-Betriebe sei der aktuelle Weg in die automobile Zukunft mit hohen Investitionen, aber auch mit vielen Fragezeichen versehen. Vom Erfolg der Automobilindustrie hänge auch die Zukunft vieler Autohäuser und Werkstätten ab. Daher sei ein technologieoffener Ansatz für alternative Antriebe der vielversprechendste Weg.

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