Neuzulassungen 2020 Viele Verlierer, zwei Gewinner

Autor: Christoph Seyerlein

Der deutsche Automarkt legte im Dezember kräftig zu. Das dürfte verschiedene Gründe gehabt haben. Insgesamt fiel das Jahr vor allem Corona-bedingt aber ins Wasser. Dabei traf es vereinzelte Marken nicht allzu sehr, einige litten aber extrem.

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Tesla war 2020 mit Abstand die Marke mit der besten Neuzulassungsentwicklung in Deutschland im Vergleich zu 2019. Die Kalifornier legten um 55,9 Prozent zu.
Tesla war 2020 mit Abstand die Marke mit der besten Neuzulassungsentwicklung in Deutschland im Vergleich zu 2019. Die Kalifornier legten um 55,9 Prozent zu.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Nach einem insgesamt Corona-gebeutelten Jahr legte der deutsche Pkw-Markt im Dezember 2020 einen positiven Abschluss hin. Mit 311.394 Neufahrzeugen wurden im zurückliegenden Monat 9,9 Prozent mehr Pkw zugelassen als im Vorjahresmonat. Im Gesamtjahr blieb aber ein deutliches Minus stehen: 2.917.678 Einheiten bedeuteten einen Rückgang um 19,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und den niedrigsten Wert seit 2010. Dabei schwächelte der Privatmarkt (-13 %) etwas weniger als das Geschäft mit Gewerbekunden (-22,4 %). Dennoch machten letztere immer noch 62,8 Prozent aller Neuzulassungen aus.

Der starke Jahresabschluss dürfte auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein: Einerseits gab es für Kunden nur noch im Dezember den verminderten Mehrwertsteuersatz von 16 statt 19 Prozent. Andererseits haben einige Hersteller aufgrund verschärfter Abgas-Vorschriften im neuen Jahr wohl auch noch manches Modell in den Markt gedrückt, das sie sonst nicht mehr problemlos hätten zulassen können. Mancher Händler hatte im Gespräch mit »kfz-betrieb« zuletzt jedenfalls davon berichtet, dass Hersteller und Importeure kurz vor dem Jahreswechsel die Höfe noch regelrecht mit Ware geflutet hätten.

Tesla und Fiat im Plus

Besonders starke Zuwächse verzeichnete im Dezember Tesla mit 213,7 Prozent. Aber auch andere Marken legten kräftig zu, beispielsweise Toyota (+51,6 %), Fiat (+46,7 %) oder Opel (+38,7 %). Kaum etwas ging im Dezember bei Suzuki (-71,6 %).

Im Gesamtjahr gab es insgesamt nur zwei Marken, die bei den Neuzulassungen im Vergleich zu 2019 im Plus lagen: Tesla (+55,9 %) und Fiat (+0,2 %). Einigermaßen in Grenzen hielten sich die Einbußen etwa bei Renault (-4,4 %), Jeep (-5,3 %), Kia (-7,6 %) und Toyota (-8,7 %). Anders sah das bei Smart (-67,3 %), Suzuki (-44,8 %) oder Mazda (-38,1 %) aus.

Den größten Marktanteil im Jahr 2020 verbuchte am deutschen Pkw-Markt wenig überraschend VW mit 18 Prozent. Damit lagen die Wolfsburger aber ein gutes Stück vom 20-Prozent-Ziel entfernt, das Deutschlandchef Holger B. Santel vor der Corona-Krise einmal ausgegeben hatte. Auch insgesamt entwickelte sich die Marke im zurückliegenden Jahr etwas schwächer als der Gesamtmarkt: Mit 525.612 Einheiten büßte VW um 21,3 Prozent gegenüber 2019 ein.

Elektrifizierte Fahrzeuge als Krisengewinner

Während Benziner (-36,3 %) und Diesel (-28,9 %) in der Gunst der Kunden im vergangenen Jahr deutlich verloren, waren elektrifizierte Fahrzeuge – auch dank starker Förderung durch Staat und Industrie – die Gewinner. Vor allem Plug-in-Hybride (200.469 Neuzulassungen, +342,1 %) und reinelektrische Fahrzeuge (194.163, +206,8 %) boomten. Nur batteriebetriebene Autos erreichten damit einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Die Anteile erdgasbetriebener Pkw (7.159, -6,1 %) und flüssiggasangetriebener Pkw (6.543, -9,8 %) bewegten sich mit je 0,2 Prozent auf Vorjahresniveau. Der durchschnittliche CO2-Flottenausstoß der Pkw ging 2020 um 11 Prozent weiter zurück, im Durchschnitt auf 139,8 g/km (Vorjahr: 157,0 g/km).

Eine Entwicklung, die noch besser hätte ausfallen können, meint Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der deutschen Automobilindustrie. Sie erklärte: „Der Absatzeinbruch ist nicht nur wirtschaftlich für die Automobilindustrie schwierig, sondern auch schlecht für die Klimabilanz. Die Erneuerung des Auto-Bestandes verzögert sich, ältere Wagen bleiben länger auf den Straßen. Für 2021 rechnen wir mit einer Erholung des deutschen Pkw-Marktes. Dennoch dürfte das sehr starke Vor-Corona-Niveau vorerst nicht erreicht werden.“

Peter Fuß, Autoexperte der Unternehmensberatung EY, rechnet auch in der näheren Zukunft mit starken Elektro-Zahlen. „Der Elektroboom wird aber auch 2021 anhalten, wenngleich der massive Anstieg der Neuzulassungen im Dezember sicher vor dem Hintergrund der für 2020 einzuhaltenden Emissionsvorgaben zu sehen und einzuordnen ist und sich in diesem Ausmaß in den kommenden Monaten sicher nicht fortsetzen wird“, meint er.

Für den Handel dürfte es vorerst schwer bleiben

Erhebliche Rabatte und neue Modelle würden die Nachfrage nach Stromern befeuern. Im neuen Jahr werden nun zudem die CO2-Anforderungen noch höher, „entsprechend werden die Anstrengungen der Branche weiter zunehmen“, erwartet Fuß.

Für die kommenden Monate rechnet Fuß insgesamt aber weiter mit Schwierigkeiten im Autogeschäft. „Es spricht viel dafür, dass der Lockdown verlängert wird und dass die erhofften Aufhebungen von Einschränkungen nur stückweise erfolgen werden. Der Autohandel muss sich also vorläufig auf eine weiterhin sehr schwierige Situation einstellen“, glaubt er. Auch Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der internationalen Kraftfahrzeughersteller, sieht das ähnlich. „Wir erwarten einen schwierigen Jahresstart, weil Autohäuser weiter geschlossen sind und das Dezemberergebnis sicher einige vorgezogene Zulassungen enthält“, teilte er mit.

Für den Sommer, in dem viele auf Nachholeffekte und einen Wirtschaftsboom setzen, ist Fuß vorsichtig optimistisch: „Wir werden aller Wahrscheinlichkeit im zweiten Halbjahr einen enormen Nachholbedarf in vielen Wirtschaftsbereichen sehen – auch auf dem Neuwagenmarkt. Sollte also die Impfkampagne den gewünschten Erfolg haben, wird auf das schwache erste Halbjahr ein starkes zweites Halbjahr folgen.“ Unterm Strich werde der deutsche Automarkt aber nicht auf das Vorkrisenniveau von 2019 erreichen, prognostiziert der Experte. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie werden die Branche aller Voraussicht nach noch einige Jahre beschäftigen.“

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«