Suchen

Volkswagen: Im Bunker brennt noch Licht

| Autor: Steffen Dominsky

Viele deutsche Unternehmen haben im Zweiten Weltkrieg mit dem Leid anderer einen dicken Reibach gemacht. Nur wenige wollten davon später etwas wissen. Der Wolfsburger Konzern hingegen hat seine Geschichte vollständig aufgearbeitet. Über das, was dabei herauskam, kann man sich unter anderem in einer ehemaligen Luftschutzeinrichtung informieren.

Firmen zum Thema

Dort, wo heute neue VWs entstehen, besser gesagt unter dem Presswerk, beherbergt eine alte Bunkeranlage die sogenannte „Erinnerungsstätte“.
Dort, wo heute neue VWs entstehen, besser gesagt unter dem Presswerk, beherbergt eine alte Bunkeranlage die sogenannte „Erinnerungsstätte“.
(Bild: Dominsky/»kfz-betrieb«)

Man sieht sie noch nicht einmal, da spürt man sie bereits. Der Boden erzittert im wahrsten Sinne des Wortes unter ihnen. Es sind gewaltige Maschinen – Pressen, um genau zu sein. Mit mehr als 7.000 Tonnen Druck formen sie aus plattem Stahlblech in Sekunden ein halbes Auto. Genau hier, im Presswerk, wo jeder heute in Wolfsburg gebaute VW seinen Anfang hat, baute man bereits vor rund 80 Jahren Volks- bzw. KdF-Wagen sowie Kübel- und Schwimmwagen. Und Flugzeugtragflächen. Und so manches andere Kriegsgerät.

Da 1938, zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung der Stadt Wolfsburg, die Kriegsplanungen bereits in vollem Gange waren, hatten die Architekten auch das VW-Werk mit einer Bunkeranlage auszurüsten. Genau die hat, trotz bis heute sichtbarer Schäden, sowohl den Zweiten Weltkrieg als auch die Jahrzehnte danach überdauert. Seit 1999 ist sie Teil der aufgearbeiteten Geschichte des Werks bis 1945. So beherbergen die ehemaligen Luftschutzräume die Dauerausstellung „Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf dem Gelände des Volkswagenwerks“.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Geschichte live und im Internet

Die hier gezeigten Dokumente, Fotos, Zeugenaussagen und Leihgaben ehemaliger Arbeiter geben einen authentischen Eindruck vom Ausmaß der Zwangsarbeit und der Einbindung des Unternehmens in die nationalsozialistische Kriegswirtschaft. Die Ausstellung verteilt sich auf insgesamt sechs Räume. Prinzipiell steht sie jedem Interessierten offen. Da sich die Räume aber auf dem Werksgelände befinden, ist ein Besuch nur nach Voranmeldung und ab einer bzw. bis zu einer gewissen Gruppengröße möglich. Weitere Informationen zur Erinnerungsstätte gibt es unter Telefon 05361/925667 und über die E-Mail-Adresse history@volkswagen.de. Ein entsprechender Katalog zu der Ausstellung kann über den Buchhandel bezogen werden bzw. ist als kostenfreier Download verfügbar.

Wer sich über Volkswagens Vergangenheit informieren möchte, dem stehen dazu auch die sogenannten „Historischen Notate“ (HN) zur Verfügung. In zahlreichen Publikationen beleuchtet der Konzern ganz unterschiedliche Aspekte seiner Unternehmensgeschichte. So sind bislang in der Schriftenreihe Erinnerungsberichte ehemaliger Zwangsarbeiter, Publikationen über die Nachkriegszeit und zu verschiedenen Themen der Unternehmensgeschichte erschienen. Auch die regelmäßig aktualisierte Chronik erscheint hier in Printform. In der Reihe „Forschungen Positionen Dokumente“ (FPD) gibt es wissenschaftliche Darstellungen zu verschiedenen Themen der Konzernhistorie. In loser Reihenfolge und außerhalb der Schriftenreihen werden auch immer wieder Schlaglichter auf die Historie legendärer Volkswagen sowie auf einzelne Unternehmensbereiche geworfen. Auch sie stehen als kostenlose Downloads zur Verfügung.

(ID:46121957)

Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group