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VW macht den Jetta zur eigenen China-Submarke

| Autor: Christoph Seyerlein

In China wird der VW Jetta vom Einzelmodell zur eigenen Marke. Geplant sind drei Fahrzeuge und ein eigenes Händlernetz. Die schon jetzt enorme Abhängigkeit des Herstellers vom größten Automarkt der Welt dürfte damit weiter wachsen.

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Die neue VW-Marke Jetta soll im dritten Quartal in China an den Start gehen.
Die neue VW-Marke Jetta soll im dritten Quartal in China an den Start gehen.
(Bild: VW)

Dass Volkswagen den Fokus künftig noch stärker auf China legen will, hatte Konzernchef Herbert Diess vor einigen Wochen bereits angekündigt. Nun hat der Autohersteller seine Pläne im Reich der Mitte konkretisiert. Wie die Wolfsburger am Dienstag ankündigten, wollen sie mit der neuen Submarke „Jetta“ künftig vor allem jüngere Chinesen stärker für sich gewinnen.

Gerade in Millionenstädten außerhalb der Metropolregionen wie Peking oder Schanghai sei der Fahrzeugbestand mit größtenteils unter 100 Autos pro 1.000 Einwohner noch sehr gering. Gleichzeitig strebe dort eine stetig wachsende Mittelschicht nach individueller Mobilität und dem ersten eigenen Auto. Jene Zielgruppe will VW mit der Marke Jetta abholen.

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Unter dem Label werden drei neue Modelle – eine Limousine und zwei SUVs – auf den chinesischen Markt kommen. Die Produktion übernimmt FAW-Volkswagen in Chengdu. Den Verkaufsstart peilt VW im dritten Quartal 2019 an.

Laut VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann machen die Wolfsburger damit „erstmals in der Volkswagen-Geschichte ein Modell zur Marke“. Bislang war der VW Jetta lediglich ein Einzelmodell. Laut Stackmann hat er in der China-Geschichte des Herstellers aber eine derart wichtige Rolle gespielt, dass man ihn nun mit einer gesamten Modellfamilie würdigen möchte.

Der Jetta habe „Mobilität für die Massen gebracht, wie das einst der Käfer in Europa geschafft hat. Entwickelt von Volkswagen und in China gebaut, hat der Jetta China auf vier Räder gestellt. Bis heute ist er eines der populärsten Volkswagen-Modelle in China – eine echte Ikone“, stimmte Stackmann einen wahren Lobgesang auf das Auto an.

Neue Wege im Vertrieb

Dass die Marke Jetta künftig eine gewichtige Rolle für VW in China spielen soll, unterstreicht der Hersteller auch mit seiner Vertriebsstrategie zu den Modellen. Die Wolfsburger werden ein eigenes Jetta-Händlernetzwerk aufziehen. Außerdem wollen sie mit neuen Formaten direkt an Kunden herantreten: Unter anderem wird es digitalisierte Showrooms, mobile Sales-Trucks und Pop-up-Stores in Shopping-Malls geben. Bis zum Jahresende sollen rund 200 Händler die neue Marke anbieten.

Stackmann zeigte sich von dem Konzept in einer Mitteilung überzeugt: „Mit Jetta schließen wir in China die Lücke zwischen der etablierten Leitmarke VW im oberen Volumensegment und der Einstiegsmobilität, die etwa ein Drittel des chinesischen Marktes ausmacht und vor allem von lokalen Marken bedient wird. So vergrößern wir unsere Marktabdeckung deutlich.“ Gleichzeitig dürfte der Hersteller damit aber auch noch abhängiger von China werden. Im vergangenen Jahr waren mit 3,11 Millionen Einheiten mehr als die Hälfte (51 %) aller weltweit verkauften neuen VW-Modelle an chinesische Kunden gegangen, im Januar 2019 lag jener Wert bei fast 56 Prozent.

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