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VW will im E-Commerce weitere Stufe zünden

| Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen sieht auch aufgrund der Corona-Krise eine „Zeitenwende in der Kundenkommunikation.“ Der Hersteller will den E-Commerce weiter forcieren. Der Handel zeigt sich offen, tritt aber auf die Euphoriebremse.

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(Bild: Volkswagen)

Bereits zu Beginn der Corona-Krise hatte VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann gesagt, dass die derzeitige Ausnahmesituation die Digitalisierung des Vertriebs beim Hersteller weiter beschleunige. Am Montag gab der Manager in einer Telefonkonferenz mit Journalisten nun konkretere Einblicke.

Trotz weltweit eingebrochener Verkaufszahlen: „Online-Sales und Online-Kontaktaufnahme haben extrem an Momentum aufgenommen“, betonte Stackmann. Er ist überzeugt: „Corona wird einen großen Push für die E-Commerce-Fähigkeit unseres Vertriebs nach sich ziehen.“

Eine zentrale Rolle soll dabei Stackmann zufolge dem Handel zukommen. Dieser würden sich auch aufgrund der Krise und der damit verbundenen Kontaktbeschränkungen zunehmend für neue Kommunikationskanäle öffnen, freute sich der Vertriebsvorstand. „Wir sehen eine Zeitenwende in der Kundenkommunikation“, erklärte Stackmann.

Diese wollen er und seine Vorstandskollegen auch nicht zuletzt persönlich vorantreiben. Beispielsweise haben Stackmann, VW-Markenchef Ralf Brandstätter und Produktionsvorstand Andreas Tostmann zuletzt ihre Präsenz in den sozialen Netzwerken hochgefahren. Regelmäßig liefern die Topmanager nun kurze Einblicke in ihren Alltag. „Das läuft sehr gut, manche meiner Beiträge erzielen mehr als 60.000 Impressionen“, erklärte Stackmann.

Streaming soll an Bedeutung gewinnen

Im Vertrieb will Volkswagen künftig beispielsweise verstärkt auf Streams setzen. Schon heute gebe es Verkäufer, die mit eigenen Videos mehrere tausend User erreichen würden, sagte Stackmann. Jene Vermarktungsform will der Hersteller nun ausbauen. „Das muss man lernen. Wir wollen das künftig stärker schulen. Die Bereitschaft im Handel dazu ist erkennbar“, erklärte der Manager.

Vorbild jener Vorhaben ist China. Dort habe Streaming in Zeiten der Krise einen echten Boom erlebt, sagte Jürgen Stackmann. Alleine die VW-Organisationen und die Händler im Reich der Mitte hätten zuletzt in einem Monat rund drei Millionen Streams mit einem Mediawert von etwa 60 Millionen Euro angeboten. „Das sind gigantische Zahlen“, frohlockte der Vertriebsvorstand.

Handel bereit, aber nicht euphorisch

Eins zu eins wird sich das allerdings kaum auf Deutschland übertragen lassen. Während es in China immer noch viele Erstkäufer gibt, ist der Markt hierzulande deutlich gesättigter. Im Handel herrscht zwar Bereitschaft für neue Kommunikationsformen, doch Euphorie herrscht nach den Erfahrungen der letzten Wochen dabei nicht. Ein VW-Partner sagte im Gespräch mit »kfz-betrieb«: „Wir bieten unseren Kunden Videoberatung, Online-Chats und Co. an. Doch da aktuell wegen der generellen Verunsicherung kaum jemand ein Auto kaufen will, wird auch das wenig angenommen.“ In seinen Augen bevorzugen Konsumenten hierzulande vor dem Kauf eines Fahrzeugs weiter die persönliche Beratung vor Ort.

Beim Hersteller geht man dagegen davon aus, dass sich weitere Teile der Customer Journey zeitnah ins Internet verlegen werden. Auch deshalb wird sich VW mit dem ID 3 erstmals im Privatkundengeschäft am Agenturvertrieb versuchen. Den Bestellstart des Elektromodells hatte Stackmann vergangene Woche verkündet. Ab dem 17. Juni können „Prebooker“ ihr mit einer Reservierungsgebühr von 1.000 Euro hinterlegtes Interesse in eine echte Bestellung umwandeln. Wann genau der offizielle Marktstart des Modells erfolgt, ist weiter unbekannt. Jürgen Stackmann betonte am Montag aber erneut, dass nicht mehr viel fehle. „Das Auto ist im Prinzip fertig. Es geht jetzt nur noch um letzte Software-Abstimmungen“, sagte der Vertriebsvorstand.

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