Suchen

VW zahlt dem Handel hohen Ausgleich für die Diesel-Krise

| Autor: Christoph Seyerlein

VW greift seinem von der Diesel-Krise gebeutelten Handel unter die Arme. Wie der Hersteller bestätigte, zahlt er seinen Partnern einen „Treuebonus“. Die Gesamtsumme dafür liegt im dreistelligen Millionenbereich.

Firmen zum Thema

(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Wegen der Dieselkrise sind VW-Händlern in Deutschland viele Kunden weggebrochen. Ganz allein mit jenen Problemen will der Hersteller, der diese Entwicklung bekanntermaßen selbst ausgelöst hat, seine Partner nicht stehen lassen. Volkswagen selbst, der VW/Audi-Partnerverband und mehrere Händler bestätigten »kfz-betrieb«, dass Wolfsburg eine hohe Ausgleichszahlung an sein Händlernetz ausgeschüttet hat.

Zur genauen Summe wollten sich weder Hersteller noch Händlerverband äußern. Verschiedene voneinander unabhängige Quellen berichteten gegenüber »kfz-betrieb«, dass es um eine Gesamtsumme von rund 120 Millionen Euro geht. Konkret zahlt VW dem Handel für jede einzelne Auslieferung etwas dazu, dabei soll es um etwa 250 Euro pro Auto gehen. Ein Händler sagte: „Nur dank jener Zahlung werden wir in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben.“

Den „Treuebonus“, wie VW das Paket offiziell nennt, hat dem Vernehmen nach der Partnerverband mit dem Hersteller ausgehandelt. Im Handel wird er naturgemäß positiv bewertet, mehrere Partner begrüßten ihn in Gesprächen und betonten, dass sie das Geld wegen der zahlreichen Schwierigkeiten aktuell gut gebrauchen können.

VW selbst teilte auf Anfrage mit: „Unsere Handelsbetriebe haben uns in schwierigen Zeiten die Treue gehalten und Großartiges für die Marke Volkswagen geleistet. Dafür gebührt ihnen unser Dank und unsere Anerkennung.“ Man habe sich deshalb entschieden, dies mit einem Treuebonus zu honorieren. Dieser diene auch dazu, die Betriebe bei den bevorstehenden Schritten der Digitalisierung ihrer Betriebe zu unterstützen.

Kompensationszahlungen von Herstellern an den Handel sind in der Branche nicht ungewöhnlich. Beispielsweise griff Mercedes-Benz seinen Partnern über mehrere Jahre hinweg immer wieder unter die Arme. Ende 2014 schütteten die Schwaben 60 Millionen Euro an ihr Netz aus, 2013 war die Summe ähnlich hoch ausgefallen. Grund damals war, dass zahlreiche Mercedes-Händler nicht die Mindestrendite erreicht hatten, die im Vergütungsmodell zwischen Hersteller und Handel vorgesehen war. In der Zwischenzeit hat Mercedes jene Vereinbarung aber angepasst. Nun erhalten die Partner dem Vernehmen nach über das gesamte Jahr verteilt mehr Provisionen, der große Zahltag zum Jahresende fällt dagegen aus.

(ID:45565402)

Über den Autor