Suchen

Weihnachtsgeld darf in Kfz-Betrieben drastisch gekürzt werden

| Autor: Doris Pfaff

Wenn Betriebe wegen Corona wirtschaftlich angeschlagen sind, dürfen sie das Weihnachtsgeld ihrer Mitarbeiter kürzen. Das haben die Tarifgemeinschaft des Kraftfahrzeug- und Tankstellengewerbes Baden-Württemberg und die IG Metall vereinbart. Die anstehende Tariferhöhung auszusetzen, lehnte die Gewerkschaft jedoch ab.

Firmen zum Thema

Um ihre Liquidität zu sichern, dürfen angeschlagene Kfz-Betriebe in Baden-Württemberg durch eine Zusatzvereinbarung das Weihnachtsgeld kürzen.
Um ihre Liquidität zu sichern, dürfen angeschlagene Kfz-Betriebe in Baden-Württemberg durch eine Zusatzvereinbarung das Weihnachtsgeld kürzen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Um die baden-württembergischen Kfz-Betriebe in der Corona-Krise zu entlasten und ihre Liquidität zu erhöhen, dürfen sie das Weihnachtsgeld ihrer Mitarbeiter kürzen. Eine entsprechende Zusatzvereinbarung hat die Tarifgemeinschaft des Kfz- und Tankstellengewerbes Baden-Württemberg mit der IG Metall getroffen.

Konkret bedeutet das, dass im aktuellen Kalenderjahr die tarifliche Sonderzahlung – das 13. Monatsentgelt oder Weihnachtsgeld – durch eine freiwillige Betriebsvereinbarung auch erfolgsabhängig gestaltet und um bis zu 70 Prozent gesenkt werden kann. Das teilte Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer der Kfz-Landesverbandes Baden-Württemberg und Geschäftsführer der Tarifgemeinschaft mit.

Beuß: Auch Steigerung ist möglich

„Mit unserer Zusatzvereinbarung zum Manteltarifvertrag bekommen Betriebe eine Chance, Liquidität zu sichern und Arbeitsplätze zu erhalten“, erläuterte Beuß: „Es entsteht eine Win-Win-Situation: Die Betriebsparteien gewinnen Flexibilität, das Unternehmen Liquidität in der Krise und die Mitarbeiter haben eine Chance auf höhere Zahlungen in besseren Folgejahren.“

Die Vereinbarung bedeute für die Beschäftigten jedoch nicht nur Nachteile, sondern ermögliche ihnen in guten Geschäftsjahren auch eine Steigerung der Sonderzahlung um bis zu 85 Prozent, betonte Beuß.

Festgeschrieben wurde die Zusatzvereinbarung in Paragraf 14.1.2 des seit April 2008 geltenden Manteltarifvertrags. Eine Kürzung des Weihnachtsgeldes müsse, so Beuß, an den betriebswirtschaftlichen Bewertungsgrößen bemessen werden, die normalerweise am Anfang eines Betriebsjahres festgelegt werden. Nach Zustimmung der Tarifvertragsparteien könne diese jetzt auch während des laufenden Jahres angepasst werden. Ziel sei es, die Betriebe in den aktuell schweren Zeiten zu entlasten.

Die Zusatzvereinbarung gilt seit 1. Juni 2020 und kann mit einer Frist von drei Monaten zum Jahresende, erstmals zum 31.Dezember 2022 gekündigt werden.

Gewerkschaft lehnte Stundung der Tariferhöhung ab

Als Geschäftsführer der Tarifgemeinschaft übt Beuß aber auch scharfe Kritik, weil die IG Metall Baden-Württemberg nicht zugestimmt hat, die anstehende Tariferhöhung auszusetzen oder zu verschieben. „Verantwortungsvolle Sozialpartnerschaft sieht für uns anders aus“, sagte Beuß und verwies auf das Bundesland Hessen, wo die hessische IG Metall mitgezogen hat. Kfz-Betriebe mit Liquiditätsengpässen bekämen dort somit mehr Spielraum.

Beuß: „Die Verweigerungshaltung der hiesigen IG Metall wird leider zu Tarifflucht führen. Dies liegt dann im Verantwortungsbereich der handelnden Personen in der Bezirksleitung der IG Metall Baden-Württemberg und in ihrer Tarifkommission. Die Gewerkschaft soll sich dann aber bitte nicht über sinkende Tarifbindung auf Arbeitgeberseite beschweren.“

(ID:46754888)

Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik