Weshare: VW will Carsharing als Verkaufshebel für E-Autos nutzen

Händler bei neuem Dienst vorerst weitgehend außen vor

| Autor: Christoph Seyerlein

VW startet mit Weshare in Berlin, 2020 sollen Hamburg und Prag folgen.
VW startet mit Weshare in Berlin, 2020 sollen Hamburg und Prag folgen. (Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Mit „Weshare“ hat Volkswagen seit diesem Donnerstag auch ein Carsharing-Angebot im Programm. Der Start erfolgt mit einer Flotte von 1.500 E-Golf-Modellen in Berlin. Anfang 2020 will der Hersteller dann 500 E-Ups nachlegen, im Laufe des kommenden Jahres sollen zudem auch Einheiten des ID 3 zum Einsatz kommen. Zudem will Volkswagen 2020 mit Weshare nach Prag (gemeinsam mit Skoda) und Hamburg expandieren.

Doch warum steigen die Wolfsburger erst jetzt – vergleichsweise spät – ins Carsharing ein? VW-Digitalvorstand Christian Senger erklärte am Donnerstag dazu bei einer Pressekonferenz in Berlin: „Wir sehen hier einen zukunftsträchtigen Markt.“ Die Nutzerzahlen bestehender Angebote stiegen ständig, alleine 2018 sei die Zahl der Carsharer in Deutschland um 14 Prozent auf 2,46 Millionen gewachsen. Außerdem passe Weshare perfekt in das Ökosystem „Volkswagen We“, mit dessen Hilfe sich der Konzern vom reinen Autohersteller zum Mobilitätsanbieter wandeln will.

Kunden will VW zum Start mit Kampfpreisen locken. Bis August kostet sie die Nutzung lediglich 19 Cent pro Minute. Im Anschluss soll es drei Preismodelle geben, durchschnittlich sollen die Kosten dann bei 29 Cent pro Minute liegen. Genauere Angaben dazu machte der Hersteller am Donnerstag noch nicht. Dass die Flotte alleine aus Elektroautos besteht, die an öffentlichen Ladesäulen und dank einer Kooperation bald an 70 Lidl- und Kaufland-Filialen in Berlin Grünstrom tanken sollen, erklärt VW zum Alleinstellungsmerkmal.

Die Weshare-Nutzung will VW Kunden möglichst einfach machen. Nutzer müssen eine App installieren. Dort hinterlegen sie eine Kreditkarte, von der die Gebühren abgebucht werden. Wer das Angebot wahrnehmen will, muss mindestens 21 Jahre alt sein und einen zumindest seit einem Jahr gültigen Führerschein besitzen. Die Registrierung erfolgt binnen weniger Stunden, wenn der Kunde Fotos seiner Fahrerlaubnis und seines Personalausweises hochlädt, verspricht VW.

Eine einleuchtende Begründung, warum Kunden langfristig von einem der bestehenden Carsharing-Anbieter zu Weshare wechseln sollten, blieb VW schuldig. Man sei aber überzeugt, binnen weniger Monate eine sechsstellige Nutzerzahl zu erreichen, sagte Philipp Reth, CEO von Weshare. In den ersten Jahren investiere man viel Geld, in absehbarer Zeit will VW mit dem Angebot aber profitabel arbeiten. Digitalvorstand Senger sagte dazu: „Wir haben uns die Konkurrenz angesehen und dabei festgestellt, dass Carsharing vor allem in Großstädten Sinn macht.“ Dass kaum ein Anbieter bislang Geld mit Carsharing verdient, stimme nicht, hieß es von Volkswagen.

Aber auch an anderer Stelle fehlte es den Wolfsburgern am Donnerstag an stichhaltigen Argumenten. VW schreibt sich auf die Fahnen, mit Weshare für weniger Autos in der City zu sorgen. Doch selbst der Bundesverband Carsharing hatte zuletzt in seiner jährlichen Studie vermeldet, dass Freefloating-Angebote bislang eher für mehr als weniger Fahrzeuge auf den Straßen sorgen. Die lapidare Antwort der VW-Offiziellen dazu: „Es gibt auch Studien mit anderen Ergebnissen.“

„Wir wollen die Elektromobilität in die Breite tragen“

Volkswagen selbst will Weshare nicht alleine als Sharing-Kanal nutzen. Der Wandel zum Mobilitätsdienstleister ist das eine, ein paar Autos wollen die Wolfsburger aber auch in Zukunft noch ganz klassisch verkaufen. Das neue Angebot sieht der Hersteller dafür als guten Hebel. „Wir wollen die Elektromobilität in die Breite tragen“, sagte Senger. Bei VW stellt man sich das optimalerweise folgendermaßen vor: Wer bei Weshare mit einem VW-Stromer in Kontakt kommt, wird davon so begeistert sein, dass er sich letztlich ein solches Auto kauft.

Trotz jenes Wunsches bleibt der Handel bei Weshare weitgehend außen vor. Die Autos aus der Flotte hätten wegen ihres Fahrprofils zwar einen erhöhten Servicebedarf, erklärte Senger im Gespräch mit »kfz-betrieb«. Ansonsten sind die Berliner VW-Händler aber erst einmal nicht mit im Boot. Denkbar sei, dass man sie beim Thema Laden integriere, sobald die Infrastruktur dafür bei den Partnern vorhanden sei. Die „wichtigste Partnerschaft“ sei in dem Zusammenhang aber die Kooperation mit Lidl und Kaufland. „Supermärkte sind die Tankstellen der Zukunft“, so Senger.

Wenn dem Akku eines Weshare-Fahrzeugs der Saft ausgeht, übernehmen in der ersten Phase übrigens Mitarbeiter von Dienstleistern die Fahrzeuge und fahren sie an freie Ladesäulen. Später soll es für Kunden auch Anreize geben, die Autos selbst zu laden. Wie jene Incentives aussehen werden, verriet VW nicht.

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