Durchstarten 2021 „Wir geben unseren Mitarbeitern in der Krise maximale Sicherheit“

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Viktoria Hahn

Andreas Peter führt gemeinsam mit seinem Vater die Autohausgruppe Peter. Der Geschäftsführer prognostiziert für die kommenden Monate noch viele Herausforderungen. Er schützt das, was für sein Unternehmen am wichtigsten ist.

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Andreas Peter, Geschäftsführer der Autohaus-Peter-Gruppe.
Andreas Peter, Geschäftsführer der Autohaus-Peter-Gruppe.
(Bild: Michel/»kfz-betrieb«)

Redaktion: Wie würden Sie das allgemeine Stimmungsbild in ihrem Unternehmen beschreiben?

Andreas Peter: Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist angespannt, aber nicht hoffnungslos. Im Gegensatz zu anderen Branchen sind wir als Autohändler bislang mit einem blauen Auge davongekommen. Der Trend in der zweiten Jahreshälfte war begleitet von einer verhalten optimistischen Grundstimmung. Jeder hatte gemerkt, dass es nun nach den Corona-Einschränkungen des Frühjahrs wieder aufwärts geht – betrieblich und privat. Für die von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiter gab es keinerlei finanzielle Einbußen, wir zahlten das volle Gehalt. Das gab Sicherheit und motivierte.

Hat sich die Stimmung mit dem zweiten Lockdown gewandelt?

Derzeit ist die Lage eine andere. Trotz einheitlicher Regelungen blicken wir nach dem neuerlich verhängten Lockdown mit mehr Sorge in die Zukunft. In manchen unserer Häuser haben wir Covid-19-Fälle, in anderen wiederum nicht. Das ängstigt Geschäftsführung und Belegschaft, weil nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Abläufe gefährdet sein können.

Und welche Stimmung nehmen Sie bei Ihren Kunden wahr?

Bei den Kunden reicht die Stimmung von ängstlich-zurückhaltend über verärgert bis hin zu aggressiv verständnislos. Es ist für viele nur schwer nachzuvollziehen, warum sie ihr Fahrzeug zwar zum Service bringen, aber keinen Neuwagen anschauen oder eine Kaufberatung spontan in Anspruch nehmen dürfen; für Verkaufsgespräche gibt es vereinbarte Einzeltermine.

Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, damit Ihr Unternehmen die Schatten der Krise endgültig abschütteln kann?

Weichen kann man jetzt nur in Richtung „Appell an die Vernunft“ stellen. Denn niemand kann vorhersagen, ob uns Corona bis Ostern oder sogar über das ganze Jahr 2021 lang beherrschen wird. Wir müssen weiter mit dieser Krise fertig werden – mit allen persönlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen. Insofern werden die Schatten noch lange zu sehen sein, denn die Krise hat uns alle weiter fest im Griff.

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Zur Person
Andreas Peter (41)
  • Seit 2005 Geschäftsführer der Autohaus-Peter-Gruppe mit Sitz in Nordhausen/Thüringen
  • Assistent der Verkaufs- und schließlich der Geschäftsleitung bei Taunus Auto
  • Kaufmännische Lehre, Junior-Nachwuchsprogramm für Verkäufer von Mercedes-Benz, Praktikum bei der damaligen Daimler-Chrysler Vertriebsorganisation Deutschland

Welche Probleme/Herausforderungen traten/treten in Ihrem Unternehmen während der Covid-19-Krise auf?

Als tägliche Herausforderung gestaltet sich die Personalabsicherung. Wichtig ist, dass möglichst viele Mitarbeiter*innen an Bord sind. Natürlich appellieren wir an die Vernunft jedes einzelnen, auf sich und die Kolleg*innen zu achten. Es gilt die Devise „Durchhalten“. Die personelle Absicherung des Servicegeschäfts hat Priorität. Das aktuelle Geschäft steht immer im Mittelpunkt, um die Kundenbedürfnisse vollumfänglich zu erfüllen. Problematisch gestaltete sich immer wieder das umständliche Prozedere der Fahrzeugzulassung wegen geschlossener Dienststellen. Es wird höchste Zeit, die digitale Zulassung staatlicherseits umzusetzen.

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre persönliche Arbeit aus?

Natürlich wirkt sich die Corona-Pandemie auch auf meine persönliche Arbeit aus. Die größte Herausforderung ist, die Mitarbeiter*innen besonnen durch diese Krise zu führen. Sie zu beruhigen, ihnen das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln und sie trotz täglicher Rückschläge immer wieder neu zu motivieren.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren, oder werden sich Prozesse/Abläufe/Strategien künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Zum Normalzustand wie vor der Pandemie werden wir auf lange Sicht nicht zurückkehren. Durch Corona ist die weitere Digitalisierung unserer Geschäftsfelder die größte Herausforderung. Aber die Prozesse und Abläufe zu beschleunigen, erfordert nicht nur eine enorme technische und organisatorische Veränderung. Dazu braucht es vor allem auch die Bereitschaft des gesamten Teams, sich auf diese Veränderungen einzulassen und die digitalen Prozesse zu verinnerlichen und umzusetzen. Das Bewusstsein hierfür zu schärfen, ist gerade bei den älteren Mitarbeiter*innen sehr, sehr schwer.

Was haben Sie aus der Krisensituation gelernt? Fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Blinder Aktionismus führt zu großer Verunsicherung. Nur wenn die Kund*innen das Gefühl haben, auch in diesen kritischen Zeiten mit ihren Wünschen und Problemen gut aufgehoben zu sein, bleibt die Basis für das künftige Geschäft stabil.

Wen würden Sie in dieser turbulenten Zeit als Vorbild Ihrer Branche sehen? Welche Person aus Ihrer Branche hat sich während der Krise besonders hervorgetan?

Der Mann der Stunde war für mich im Frühjahr ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. Er sprach deutliche Worte, als er die unhaltbaren Zustände geschlossener Zulassungsstellen beziehungsweise die dortige Langwierigkeit der manuellen Bearbeitung scharf kritisierte. Er brachte es auf den Punkt, als er die behördliche Pflicht anmahnte, den Automobilhandel als eine der stärksten Kräfte des Mittelstands nicht weiter zu behindern, sondern zu unterstützen.

Wie sehen Sie aktuell den Personalbedarf, die Lage am Arbeitsmarkt und die Situation der Fachkräfte?

Aktuell sind wir personell gut aufgestellt. Es gab keine Kündigungen. Das zeigt uns, dass unsere Mitarbeiter*innen die Stabilität und Kontinuität in unserem Unternehmen schätzen. „Schneller, höher, weiter“ ist nicht das Motto der Stunde. Sicherheit steht vorne an. Unsere Mitarbeiter*innen haben erfahren, wie sehr uns an ihnen gelegen ist und mit welcher materiellen und mentalen Kraft wir sie bislang durch die Krise geführt und begleitet haben. Unabhängig davon gehen derzeit täglich zwei bis drei Bewerbungen von einstigen Mitarbeiter*innen aus der Zulieferbranche bei uns ein. Gerade in Thüringen stehen mehrere Unternehmen unmittelbar vor oder schon im aus. Allein in Nordthüringen sind knapp 600 Menschen von den Schließungen zweier Unternehmen betroffen.

Wenn Sie einem/-r Einsteiger*in Ihr Unternehmen schmackhaft machen wollen, wie tun Sie das?

Wir setzen bei Bewerber*innen auf die klassischen Werte und zeigen ihnen ihre beruflichen Perspektiven auf, die sich an eine solide Ausbildung innerbetrieblich anschließen können. Wer uns beweist, dass er will, erfährt von uns jegliche Förderung – ideell und materiell. Und natürlich hat auch unsere in 30 Jahren gewachsene Stärke als Unternehmensgruppe regional eine enorme Magnetwirkung. Das gilt gerade für junge Menschen, die in ihrer Heimatregion bleiben wollen und die berufliche Sicherheit für ein solides privates Fundament suchen und schätzen.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche/Ihrer Organisation/Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Persönlich danke ich – auch im Namen meines Vaters, unseres Seniorchefs – allen Mitarbeiter*innen, die gerade in Zeiten der Kurzarbeit in den Häusern einen reibungslosen Ablauf garantierten. Viele – teils auch Mitarbeiter*innen, von denen man es so nicht erwartet hätte – wuchsen über sich hinaus und leisteten Enormes. Natürlich danken wir auch den Mitarbeiter*innen, die während der Kinderbetreuung von zu Hause aus weiter agierten, um Prozesse vorzubereiten und am Laufen zu halten.

Allen wünschen wir, dass sie gesund bleiben. „Nach jedem heftigen Gewitter und jedem Wolkenbruch scheint auch irgendwann wieder die Sonne.“ Oder, um es mit anderen Worten zu sagen: „Wer es mit großer Anstrengung auf den Gipfel eines Berges geschafft hat, darf sich auf einen grandiosen Ausblick und einen entspannten Weg hinunter ins Tal freuen.“

Ergänzendes zum Thema
Durchstarten 2021
Gemeinsam aus der Krise

In dieser Interviewreihe geben unsere Leser*innen Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Corona-Pandemie. Sie verraten, was sie aus dem Krisenjahr 2020 gelernt haben. Sämtliche Interviews finden Sie unter www.kfz-betrieb.de/durchstarten.

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Über den Autor

 Wolfgang Michel

Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«