ZDK erhält Unterstützung im Kampf um Endrohrmessung

Autor: Christoph Baeuchle

Angesichts der VW-Manipulationen fordert der Verband den Erhalt der AU-Endrohrmessung. Auf der 43. ZDK-Bundestagung erhielt der ZDK dafür prominente Unterstützung.

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Hoher Besuch bei der ZDK-Bundestagung 2015: (v. li.) Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk, Verkehrsminister Alexander Dobrindt, ZDK-Präsident Jürgen Karpinski und Vizepräsident Ulrich Fromme.
Hoher Besuch bei der ZDK-Bundestagung 2015: (v. li.) Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk, Verkehrsminister Alexander Dobrindt, ZDK-Präsident Jürgen Karpinski und Vizepräsident Ulrich Fromme.
(Foto: Zietz)

Der ZDK zieht seine Lehren aus der VW-Dieselaffäre: Die Abgasuntersuchung (AU) dürfe nicht den Selbstüberwachungssystemen in den Fahrzeugen überlassen werden, forderte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski auf der 43. Bundestagung des Kfz-Gewerbes in Köln. Der Skandal um manipulierte Emissionswerte habe das Vertrauen in die reine Prüfung der Software und das Auslesen der Kennfelder an der OBD-Steckdose (On-Board-Diagnose) nachhaltig erschüttert.

Aus Sicht des Kfz-Gewerbes führt für die verpflichtende periodische Prüfung in kommenden Fahrzeuggenerationen kein Weg an der echten Abgasmessung am Auspuff-Endrohr nach den heutigen Messverfahren vorbei. Dies gelte auch über das Jahr 2019 hinaus, so der ZDK-Präsident. Bis dahin ist das aktuell gültige zweistufige AU-Prüfverfahren – mit einer Funktionsprüfung des On-Board-Diagnosesystems (OBD) und gegebenenfalls der Abgasmessung am Endrohr – festgeschrieben.

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Unterstützung für diese Position erhält der Verband von oberster Stelle: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sagte vor den 450 Verbandsvertretern zu, sich dafür einzusetzen, dass künftig bei der AU mehr am Endrohr gemessen wird. Dass eine verpflichtende Endrohrmessung sinnvoll ist, zeigen auch die Ergebnisse der jüngst veröffentlichten AU-Mängelstatistik 2014 des ZDK. Über sechs Prozent der untersuchten Pkw, Nutzfahrzeuge und Krafträder hatten die Abgasuntersuchung (AU) nicht bestanden.

Die Politik ergreift das Wort

Neben Verkehrsminister Dobrindt waren zahlreiche weitere prominente Redner Gäste der ZDK-Veranstaltung. FDP-Chef Christian Lindner forderte, Unternehmer stärker zu unterstützen, statt ihnen Steine in den Weg zu legen. „Wir brauchen einen Prioritätenwechsel und müssen wieder stärker auf den Einzelnen schauen.“

Um den Wandel zu gestalten nannten Lindner mehrere Voraussetzungen:

  • Die um sich greifende Bürokratie gehöre wieder eingeschränkt, um den Unternehmern mehr Freiheiten ermöglichen. Statt den Staat zu Hilfe zu rufen, solle der Bürger wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen.
  • Der Staat sollte alles unterlassen, was dem Unternehmer das Geschäft schwerer macht. Als größte Bedrohung der vergangenen Jahrzehnte sieht Lindner die geplanten Veränderungen im Erbschaftssteuerrecht an.
  • Die Ausbildung im Handwerk müsse gestärkt werden. Statt die duale Ausbildung gegen das akademische Studium auszuspielen, sollten beiden Seiten respektiert werden.

Letzteres war auch dem einstigen Staatsminister Julian Nida-Rümelin ein Anliegen, der über den Akademisierungswahn und seine Folgen sprach. Er warnte vor falschen Erwartungen, die bei jungen Menschen geschürt würden. Die versprochenen Gehälter seien nur für wenige erreichbar. Spätestens zu Beginn des Arbeitslebens landeten viele auf dem Boden der Tatsachen.

Andere erwische die Ernüchterung bereits während des Studiums. „Jeder dritte Student bricht sein Studium ab“, sagte Nida-Rümelin. „Die hohe Abbrecherquote ist ein Indiz für die Fehlsteuerung. Diese Erkenntnis sollten wir für eine Korrektur nutzen.“ Er forderte das Handwerk auf, sich für diese Gruppe weiter zu öffnen.

Rümelin warnte vor den Folgen der weiteren Akademisierung. „Wir dürfen diesen Weg nicht weitergehen“, so der ehemalige Staatsminister. Stattdessen muss wieder die duale Ausbildung eine wichtigere Rolle spielen. „Geht das System der beruflichen Bildung vor die Hunde, lässt sich auch das System des starken Mittelstandes nicht halten.

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 Christoph Baeuchle

Christoph Baeuchle

Chefreporter Automobilwirtschaft & Politik/Verbände